Schöpfung stöhnt vor Schmerzen

Die ökumenische Osternachtsfeier in der Christkönigskirche Niederuzwil stand ganz im Zeichen des Lichts. Die diesjährige Osterkerze zeigt eine Blüte und symbolisiert die Gemeinschaft mit Gott.

Carola Nadler
Drucken
Teilen
Am Samstagabend fand in der katholischen Kirche Niederuzwil die ökumenische Osternachtsfeier statt. (Bilder: can.)

Am Samstagabend fand in der katholischen Kirche Niederuzwil die ökumenische Osternachtsfeier statt. (Bilder: can.)

Niederuzwil. «Kommen Sie doch näher!», so lud Pfarrer Georg Schmucki die Besucher und Besucherinnen ein, die sich am Samstagabend im Pfarreigarten um das Osterfeuer besammelt hatten. «Aber geben Sie acht, unter der Kiefer ist es gefährlich, dort oben hat es ein Nest.» Mit dieser humorvollen Warnung und seinem Bezug zur Schöpfung war Pfarrer Schmucki unbeabsichtigt in die Aussage der diesjährigen Osternacht eingestiegen, die eng mit der Osterkerze in Verbindung stand. Auf dem «Osterblüte» genannten Bild ist eine Christusfigur auf einer blutroten Blüte gebettet, die Figur selbst weist am Herzen einen Dorn auf und wächst aus einem grünen Stamm, wie es in dem Lied heisst: «Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.»

Sehnsucht

Wie die Lesungen aus Genesis, Exodus und dem Johannes-Evangelium aufzeigten, sucht Gott die Gemeinschaft mit dem Menschen immer wieder eingebettet in seiner Schöpfung, in einem Garten. «Adam und Eva waren in einem paradiesischen, vollkommenen Garten Eden zu Hause», führte Pfarrer Georg Schmucki aus. Dort begegnete Gott ihnen immer wieder.

Und heute? Der Mensch erlebt die Trennung von Gott in einer Verlorenheit, lebt in einer ständigen Sehnsucht zurück nach dieser Gemeinschaft mit Gott. Sogar die Schöpfung selbst, in unseren Zeiten arg bedroht, stöhne vor Schmerzen, wie es Paulus bereits in seinem Brief an die Römer schrieb: «Die ganze Schöpfung seufzt mit uns und ängstigt sich.» Das Auferstehungswunder von Ostern sei immer wieder ein Symbol für diese Sehnsucht, im Lichte der Gottesgemeinschaft zu stehen, vollkommene Liebe und das volle Leben wieder zu haben. «Dort, wo wir uns darauf einlassen, ein Leben in Liebe zu der Schöpfung zu leben, erfahren wir die Begegnung mit Gott.» So sei auch das Osterfest nicht umsonst im Frühling angesiedelt, wo das Leben ringsum wieder spriesst und erblüht.

Heilung

Regina Pauli von der Evangelischen Kirchgemeinde beleuchtete die Begegnung Mose mit Gott am Berge Horeb. Auch hier wählte Gott mit dem brennenden Dornbusch eine Pflanze, um eine Beziehung zu einem Menschen herzustellen. Mit den Dornen des Strauches sagte Gott Moses: «Ich weiss, wo der Stachel deines Volkes steckt. Ich will es aus Ägypten herausführen.» In der Nähe zu Gott wird Heilung möglich, sodass wir uns fragen dürfen: Wo offenbart sich Gott heute im Alltag und will uns unseren Stachel wegnehmen? Zuletzt betrachtete Pfarrer Schmucki das Geschehen am Grab in Jerusalem: Maria von Magdala war der erste Mensch, dem sich der auferstandene Jesus zeigte. Und sie? Hielt ihn für den Gärtner, die Parallele zum Paradiesgarten ist offensichtlich: Gott sucht nach wie vor die Nähe zum Menschen eingebettet in seiner Schöpfung.

Musikalisch wurde die Osternacht von Alwin Waldhoff an Orgel und E-Piano gestaltet. Auf letzterem Instrument begleitete er Gemeinde und Ad-hoc-Einsing-Chor, der auch im Pfarreigarten die Taizé-Gesänge am Feuer und den Einzug in die Kirche begleitete.

Im Pfarreigarten versammelte sich die Gemeinde für die Feier.

Im Pfarreigarten versammelte sich die Gemeinde für die Feier.