Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schnäppchen oder Kostenschreck? Am Erwerb des Textilmuseums in Niederbüren scheiden sich die Geister

Die Frage um den Erwerb der Museums-Liegenschaft spaltet das Dorf. Am 25. November wird abgestimmt. Nach einem Schlagabtausch zwischen Befürworter und Gegner hat die FDP die Ja-Parole gefasst.
Andrea Häusler
Die nachempfundene «Museumsfabrik» zeigt auf über 900 Quadratmetern Exponate aus der Zeit desindustriellen Aufbruchs. (Bild: Andrea Häusler)

Die nachempfundene «Museumsfabrik» zeigt auf über 900 Quadratmetern Exponate aus der Zeit desindustriellen Aufbruchs. (Bild: Andrea Häusler)

Pius Wagner, Sprecher Referendumskomitee

Pius Wagner, Sprecher Referendumskomitee

«Den Erwerb der Liegenschaft Textilmuseum Sorntal betrachtete unser Komitee als Sonderfall, weshalb wir die Meinung der Stimmberechtigten einholen wollten – nicht mehr und nicht weniger.» Damit begründete Pius Wagner an der ausserordentlichen Versammlung der FDP-Ortspartei die Unterschriftensammlung für das Referendum gegen den Kaufentscheid des Gemeinderats. Und er kritisierte, dass das Komitee daraufhin in die «Gegner»-Ecke gestellt worden sei. Um hernach allerdings festzustellen: «Wir sind gegen den Kauf der Liegenschaft, nicht gegen das Museum.»

Niklaus Hollenstein, Gemeindepräsident

Niklaus Hollenstein, Gemeindepräsident

Jedoch bedingt der Fortbestand des Museums de facto das Gebäude, welches die Eigentümerschaft, die Zetag AG, bzw. Familie Georgii, veräussern will. Und somit auch dessen Kauf. Dies betonte Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein. Einerseits deshalb, weil die Schenkung der privaten Sammlung Gottlob Lutz’ an den im August gegründeten Museumsverein den Liegenschaftskauf voraussetze. Anderseits, weil das gewerblich nutzbare Gebäude und die knapp 4000 Quadratmeter Land nach einem Nein an der Urne auf dem freien Immobilienmarkt veräussert werden könnte – ohne Auflagen für das Museum. Hollenstein benannte die damit verbundene Gefahr eines Verlusts des Museumsguts, das einen Versicherungswert von einer Million Franken habe und ein «Kulturgut von nationaler Bedeutung» sei. «Der Kauf sichert die Zukunft des Museums, weil die Liegenschaft von der Spekulation verschont bleibt.»

«Kostenschreck ohne Ende»

Gegen die Investition von 430000 Franken seitens der Gemeinde sprechen, laut Pius Wagner, die (mutmasslichen) Folgekosten. Die im Gutachten genannten Zahlen bezeichnete er als wenig fundiert. Eine 168 Jahre alte Fabrik sei in der Regel ein Kostenschreck ohne Ende. Für den laufenden Unterhalt zu Lasten des inzwischen 220 Mitglieder starken Museumsvereins sind im Abstimmungsgutachten rund 12000 Franken im Jahr eingesetzt. Der «ordentliche (bauliche) Liegenschaftsunterhalt» werde – wie jener anderer öffentlichen Bauten – aus der Gemeindekasse bezahlt, machte Hollenstein klar. Zu deren Entlastung zahle der Museumsverein einen jährlichen Mietzins von 9600 Franken. Gerade diese Differenzierung sei seitens der Gemeinde nie transparent aufgezeigt worden, kritisierte Pius Wager. Genauso wenig wie die Folgekosten des Kaufs. Die Fragen des Referendumskomitees seien unbeantwortet geblieben, dessen Argumente in Abrede gestellt worden sind. Dem Gemeinderat warf er vor, unseriös informiert und das Mitteilungsblatt mit unzähligen Publikationen dazu missbraucht zu haben, der Bevölkerung eine «heile Museumswelt» vorzugaukeln, statt einfach die Abstimmung abzuwarten.

Gegnerische Argumente nicht berücksichtigt

Als unverständlich, unfair und schlicht ein politisches «No-go» bezeichnete Pius Wagner das Fehlen der gegnerischen Argumente im Abstimmungsgutachten. «Der Antrag des Gemeinderats ist somit unvollständig und wäre daher anfechtbar», sagte er.

FDP-Präsident Bruno Eschmann räumte Fehler in der Kommunikation ein, warnte jedoch davor, «persönliche Animositäten» auf dem Buckel des Museums auszutragen, das für Niederbüren wichtig sei und auch eine Wertschöpfung bringe.

Versöhnliche Worte fand eine Votantin, die der Hoffnung Ausdruck gab, dass die gespaltene Dorfgemeinschaft nun wieder zum Alltag zurückfinde. Die FDP entschied letztlich, der Bevölkerung ein Ja zum Liegenschaftskauf zu empfehlen: mit zehn Stimmen, bei vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen.

Gemeinde sucht Präsidenten

Im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Niederbüren ist die Stelle des Gemeindepräsidenten ausgeschrieben. Dies nachdem Niklaus Hollenstein seinen Rücktritt auf Ende September 2019 angekündigt hatte. Das Pensum für seinen Nachfolger wird im Inserat mit 60 bis 100 Prozent angegeben. Damit bestehe die Option, das 60-Prozent-Amt mit Verwaltungsaufgaben auf eine Vollzeitstelle auszubauen, sagte Bruno Eschmann. Die FDP-Ortspartei entschied am Mittwoch, dass die Partei in der Findungskommission mitwirken soll, die sich mit der Rekrutierung geeigneter Kandidaten befasst. (ahi)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.