Interview

Wiler Firma  über Wirren um Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach: «Die Schlagzeilen nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis»

Die Wirren um den internationalen Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach werfen ihren Schatten auch auf Schmobi in Bronschhofen.

Hans Suter
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Peter Breitenmoser, Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Schmolz+Bickenbach Stahlcenter AG in Bronschhofen.

Peter Breitenmoser, Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Schmolz+Bickenbach Stahlcenter AG in Bronschhofen.

Bild: PD

Der Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) muss saniert werden, um den Konkurs abzuwenden. Was bedeutet das für die Schmolz+Bickenbach Stahlcenter AG in Bronschhofen? «Nichts, wir sind völlig autonom», sagt Geschäftsführer Peter Breitenmoser.

Herr Breitenmoser, wie geht es Ihnen, wenn Sie an die Wirren um den Stahlhersteller S+B denken?

Diese Frage habe ich erwartet und beschäftigt nicht nur mich, sondern viele Menschen in meinem Umfeld. Die aktuellen Negativschlagzeilen der S+B Gruppe nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis. Dennoch können wir dazu nur einmal mehr ausdrücklich unsere Autonomie klarstellen. Unsere Firma mit Sitz in Wil ist weder eine Tochter- noch Schwestergesellschaft des börsenkotierten Stahlkonzerns S+B mit ihrem Sitz in Luzern. Unser KMU mit rund 100 Mitarbeitenden ist wirtschaftlich völlig autonom.

Die Verwechslungsgefahr ist dennoch gross. Bekommen Sie das im Alltag zu spüren?

Die Schlagzeilen lassen natürlich auch unsere Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner aufhorchen. So gehen in diesen Tagen vermehrt Anfragen ein, wie es denn um uns stehe. Da klären wir ebenfalls einfach sachlich auf, dass uns diese Angelegenheit nicht betrifft, und versuchen zu beruhigen.

Warum hat Schmobi den gleichen Namen?

Unsere Eigentümer haben 2003 im grösseren Umfang Aktien an der damals schon börsenkotierten Swiss Steel AG übernommen. Im Zuge dieser Transaktion haben unsere Eigner dieser Gesellschaft auch die Namensrechte zur Nutzung überlassen. Im Jahr 2006 wurde die Swiss Steel AG zur Schmolz+Bickenbach AG umbenannt. Infolgedessen haben wir uns entschieden, den Zusatz Stahlcenter in den Firmennamen aufzunehmen. Um uns trotzdem verstärkt von der S+B AG zu differenzieren und die Verwechslungsgefahr abzuschwächen, treten wir am Markt seit einigen Jahren unter der Marke «Schmobi» auf.

Wem gehört Schmobi?

Unsere Schmobi wurde 1959 in Wil gegründet und ist auch heute noch zu 100 Prozent im Familienbesitz der Nachkommen der zwei Gründerfamilien Schmolz und Bickenbach. Also nochmals: Wir sind seit sechzig Jahren hundertprozentig eigenständig.

Was sind die Kernkompetenzen von Schmobi?

Wir sind ein Schweizer Stahlhandelsunternehmen. Als modernes Stahl-Service-Center übernehmen wir für unsere Kunden sowohl die Beschaffung und Lagerhaltung des Rohmaterials als auch Sägen und Anarbeitungen sowie vor allem auch die saubere und zuverlässige Just-in-time-Lieferung des Materials mit firmeneigenen Lastwagen. Unsere Kunden stammen hauptsächlich aus der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie), deren Subbranchen und Zulieferern.

Wie geht es Schmobi aktuell wirtschaftlich?

Die letzten drei Jahre waren in der Schweizer MEM-Industrie sehr erfolgreich. In den letzten Monaten hat diese Dynamik aber spürbar nachgelassen. Das hängt direkt mit der Entwicklung des Welthandels zusammen. Die Stahlindustrie war und ist aber schon immer stark zyklisch. Wir bewegen uns also in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Mit dem Geschäftsjahr 2019 sind wir zufrieden.

Wie sieht der Ausblick ins Jahr 2020 aus?

Die Schweizer MEM-Industrie steht erneut vor einem schwierigen Jahr. Die Industriefirmen werden gefordert sein, und so auch wir zusammen mit unseren stark exportorientierten Kunden. Der Ausblick ist ziemlich unsicher. Eine Stabilisierung der Lage auf dem heutigen, tieferen Niveau ist wahrscheinlich. Wir stehen vor grossen Herausforderungen, die wir wieder gemeinsam im Team meistern wollen.

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