Schlussstrich nach über 60 Jahren

Die Norgren AG verlässt Balterswil. Das traditionsreiche Unternehmen – ehemals Walter AG – verlagert die Produktion nach Deutschland und Tschechien. Auch die restlichen Arbeitsplätze werden gezügelt.

Ives Bruggmann
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Die Norgren in Balterswil. (Bild: Nana do Carmo)

Die Norgren in Balterswil. (Bild: Nana do Carmo)

BALTERSWIL. Eine unscheinbare Medienmitteilung der Norgren AG verkündete vorgestern «die Verlagerung der Produktion». Doch wer die Mitteilung genau las, merkte schnell, dass das traditionsreiche Balterswiler Unternehmen – der einheimische Josef Walter-Meier gründete die feinmechanische Firma Anfang der 50er-Jahre – endgültig wegzieht.

«Ein riesiger Verlust»

Der britische Industriekonzern IMI plant demnach, die Produktion seiner Hinterthurgauer Tochterfirma in den nächsten sechs Monaten zu zwei IMI-Firmen in Deutschland und Tschechien zu verlagern. Laut dem Norgren-Personalverantwortlichen Franz Imhof gehen dadurch die Stellen von «maximal einem Dutzend Beschäftigten» verloren. Erhalten bleiben die Arbeitsplätze der drei Dutzend Norgren-Beschäftigten in Vertrieb, Engineering und Prototypenbau, jedoch nicht mehr in Balterswil, sondern im Raum Winterthur oder Frauenfeld. Damit geht in Balterswil eine Ära zu Ende. Gemeinderat Roger Schneider nahm die Mitteilung betrübt zur Kenntnis. «Das kommt überraschend für uns und ist ein riesiger Verlust für Balterswil», sagt Schneider. Der Wegzug der Norgren treffe die Gemeinde, auch weil die Firma im Ort verwurzelt war. «Die Norgren und vorher die Walter AG hat sich stets engagiert in der Gemeinde», sagt Schneider. Deswegen sei der soziale Aspekt des Verlustes genauso hoch zu gewichten wir der finanzielle.

Die Gemeinde Bichelsee-Balterswil nimmt nun Kontakt mit der Firma auf. «Wir wollen informiert sein, was nun mit den Räumlichkeiten geschieht», sagt Schneider. Diese stehen, wenn alles nach Plan der IMI läuft, in sechs Monaten leer. Die Gemeinde könne bei einer solchen Entscheidung nicht viel unternehmen. «Jedoch können wir Hilfestellung bieten bei einer allfälligen Suche nach Mietern oder Käufern», sagt Schneider. Gerne stelle die Gemeinde hierfür ihr Netzwerk zur Verfügung oder stelle Kontakte her.

Ein gewisses Risiko

Auch Bruno Lüscher vom Verein Wirtschaftsraum Südthurgau bedauert den Wegzug der Norgren. «Für Bichelsee-Balterswil ist der Wegzug einschneidend», sagt er. Für den Wirtschaftsraum hingegen ändere sich nicht viel. «Es gibt immer wieder Zu- und Abgänge.» Zudem berge es immer ein gewisses Risiko, wenn sich internationale Firmen hier ansiedeln. Das zeigt auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen der Norgren: 200 im Jahr 1990, 100 im Jahr 2006, 50 im Jahr 2010 und 0 im Jahr 2016.