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Eishockey-Schiedsrichter Tobias Wehrli zu seinem Rücktritt: «Ich wollte meine Karriere auf dem Höhepunkt beenden»

Nach 26 Jahren ist Schluss: Tobias Wehrli hört als Schiedsrichter auf. Der 40-jährige Wiler bleibt dem Schweizer Eishockey aber erhalten. Wie sich Sidney Crosby und Alexander Owetschkin im WM-Final 2015 ihm gegenüber verhalten hatten, beeindruckte den Ostschweizer. Ein Rückblick auf eine aussergewöhnliche Karriere.
Tim Frei
Tobias Wehrli erlebte als Amateur-Schiedsrichter viel Positives. Besonders in Erinnerung bleibt ihm seine erste Spengler-Cup-Teilnahme. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

Tobias Wehrli erlebte als Amateur-Schiedsrichter viel Positives. Besonders in Erinnerung bleibt ihm seine erste Spengler-Cup-Teilnahme. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

Zu später Stunde im Eisstadion im dänischen Herning, am 14. Mai 2018: Der kanadische Star Connor McDavid bringt sein Team in der Verlängerung des WM-Spiels gegen Lettland mit einem Treffer doch noch zum 2:1-Sieg. Blitzartig zeigt Schiedsrichter Tobias Wehrli aufs Tor und pfeift die Partie ab. Eigentlich ein ganz normaler Schlusspfiff für den Wiler. Doch es ist der letzte in der Karriere des 40-Jährigen. Wehrli erinnert sich:

«Es war eindrücklich, wie alle kanadischen Stars zu mir kamen und sich für das tolle Spiel bedankten.»

Dass dies sein allerletztes Spiel sein würde, konnte Wehrli sich damals noch nicht vorstellen. Er war sich zwar bewusst, dass er seine internationale Karriere nach der WM beenden würde. Doch dass er ganz aufhören würde, stand damals noch in den Sternen. «Mir war aber während des Turniers in Dänemark klar, dass ich die Garderobe nicht mehr so oft als Schiedsrichter sehen würde.»

Nach der WM benötigte er drei bis vier Wochen für sich, um darüber nachzudenken, wie es weitergehen sollte. In dieser Zeit tauschte er sich oft mit seiner Familie aus. Er führte Gespräche mit Andreas Fischer, Leiter Schiedsrichterwesen, und mit dem Schiedsrichterchef Brent Reiber. An den Tag, als er seinen Rücktritt bekannt gab, erinnert er sich ganz genau: «Um 12.18 Uhr, im Juli, ausgerechnet am 13., habe ich Andi Fischer im Restaurant Kainer in seiner neuen Wahlheimat Triesenberg in Liechtenstein informiert.»

Aufgestellter und akribischer Teamplayer

Gefragt nach seinem Rücktrittsgrund sagt Wehrli: «Ich habe mir immer vorgenommen, meine Karriere auf dem Höhepunkt zu beenden. Es war mir wichtig, den richtigen Moment nicht zu verpassen. Und da ich jetzt alle Ziele, die ich mir während meiner sportlichen Laufbahn gesetzt hatte, erreichte, ist es für mich der richtige Zeitpunkt.» Ausserdem wurden Wehrli während der Rücktrittsgespräche mit dem Schweizer Eishockeyverband bereits Angebote für eine weitere Zusammenarbeit gemacht, Konkretes dazu kann er derzeit aber noch nicht sagen.

Profischiedsrichter Daniel Stricker aus Herisau kennt Wehrli gut. Die Wege der beiden haben sich – auch weil beide Ostschweizer sind – auf verschiedenen Karrierenstufen gekreuzt. Obschon Stricker froh ist, dass Wehrli dem Eishockey erhalten bleiben wird, gesteht der 43-Jährige ein: «Mit seiner Erfahrung wird Tobias eine grosse Lücke hinterlassen.» Er habe ihn als aufgestellten Teamplayer wahrgenommen, der keine halben Sachen mache. Stricker ergänzt:

«Personen, die ihn nicht kennen, denken wohl, mit seinem fröhlichen Lächeln würde er alles eher locker angehen. Doch dieser Eindruck täuscht – Tobias ist immer sehr akribisch vorgegangen.»

In seiner Karriere blieb Wehrli immer Amateur-Schiedsrichter, der Schritt zum Profi-Schiedsrichter war für ihn nie eine Option: «Hockey war für mich der ideale Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit als Bereichsleiter einer liechtensteinischen Bank. Denn beide Tätigkeiten ergänzten sich ausgezeichnet, wenngleich sie unterschiedlicher nicht sein könnten.»

Obwohl «nur Amateur», hat der Wiler eine Karriere mit vielen prestigeträchtigen Höhepunkten erlebt. Zum Beispiel hat er sich mit der Teilnahme als einziger Schweizer Amateur-Schiedsrichter an den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea einen Traum erfüllt. In den 26 Jahren hat Wehrli viel Positives erlebt. Ganz besonders war aber seine erstmalige Spengler-Cup-Teilnahme. «Die Atmosphäre am Spengler Cup ist genial. Hier einen Teil zum Gelingen beizutragen, ist einfach unbeschreiblich.»

Viele schöne Momente und ein prägender

Der Ostschweizer erlebte allerdings auch einen äusserst prägenden Moment: Vor rund zehn Jahren ging es in der Partie Zug gegen Fribourg darum, wer in das Playoff kommt und wer den Gang in die Playouts antreten muss. Elf Sekunden vor Schluss prallte ein Puck unglücklich von Wehrlis Schlittschuh zu einem Zuger, der die Chance nutzte, den Siegtreffer erzielte und seine Mannschaft damit in das Playoff brachte. «Das war ein ganz schlimmes Gefühl», sagt der Wiler, der damals noch Linienrichter war. Für den Unmut der Freiburger Spieler, Trainer und Anhänger habe er in dieser Phase deshalb absolutes Verständnis gehabt.

Für Wehrli überwiegen aber eindeutig die schönen Momente. Er spricht von einem Traumjob. «Die Schiedsrichtertätigkeit war die bislang beste Lebensschule: Ich habe gelernt, mit Druck umzugehen, richtig zu kommunizieren und zu Fehlern zu stehen.» Die Kommunikation mit Spielern und Trainern sieht er als die wichtigste Aufgabe eines Schiedsrichters an, insbesondere, um hitzige Situationen abzukühlen. Wehrli erklärt:

«Ist ein Spieler mit einer Strafe nicht einverstanden, habe ich ihn oft gefragt, was er selber für eine Strafe gegeben hätte. Dann beginnt er zu denken und die Emotionen gehen runter.»

Auf der anderen Seite ist Wehrli sich bewusst, dass Trainer unter einem grossen Druck stehen und folglich alles dem Erfolg unterordnen: «Verlieren sie viele Spiele, droht ihnen die Entlassung.»

Akzeptanz bei Crosby und Owetschkin

Was den Respekt gegenüber Schiedsrichtern betrifft, sieht Wehrli in der Schweiz noch viel Potenzial. «In den vergangenen Jahren haben wir viele Fortschritte gemacht. Doch im Vergleich zu Nordamerika, wo die Schiedsrichter schon fast wie Könige behandelt werden, haben wir noch Nachholbedarf.» Um dies zu verdeutlichen, schildert er eine Szene des WM-Finals 2015 zwischen Kanada und Russland. Der Wiler musste eine gegebene Strafe zurückziehen. Er sagt: «Sidney Crosby und Alexander Owetschkin – die beiden Superstars – akzeptierten dies ohne Wenn und Aber.»

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