Schlummerndes Idyll geweckt: Brunnenbecken vor dem Flawiler Ortsmuseum freigelegt

Ein grosses Teichbecken, eine Tuffsteingrotte, eine Brücke und  ein herrschaftlicher, mehrstufiger Etagenspringbrunnen: So präsentierte sich der westliche Teil der Gartenanlage des Flawiler Ortsmuseums um 1900. Jetzt wurde das längst überwachsene Brunnenbecken freigelegt. Wasser und Wasserspiele wird es  vorerst aber nicht geben.

Andrea Häusler
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So präsentierte sich die Anlage um 1900. Das Bild zeigt Huldreich Ottiker (mit Zylinder) rechts auf der Gartenhausterrasse.

So präsentierte sich die Anlage um 1900. Das Bild zeigt Huldreich Ottiker (mit Zylinder) rechts auf der Gartenhausterrasse.

Bild: PD

Die Liegenschaft «Lindengut» an der St.Gallerstrasse strahlt noch heute das aus, was sie einst im Wortsinn war: ein herrschaftlicher Landsitz. Als solcher ausgestaltet wurde die frühere «Feldegg» vom Flawiler Fabrikanten Huldreich Ottiker. Dieser hatte die Gebäude samt des beachtlichen Umschwungs 1882 aus dem Besitz der Familie Steiger erworben und umbenannt – sieben Jahre nach dem Kauf der «mechanischen Weiss- und Buntweberei in der Waldau» (später Habis Textil AG).

Ein besonderes Augenmerk hatte Ottiker dabei auf die Ausgestaltung der Parkanlage gelegt. So sollen, nebst einheimischen Bäumen und Sträuchern, auch vielerlei fremdländische Pflanzen die Beete geprägt haben, was dem Areal einen Hauch von Exklusivität und Extravaganz gab. Statuen, heisst es, hätten Nischen und Wege gesäumt. Nebst alledem liess Ottiker Springbrunnen erstellen, die von eigenen Wasserquellen gespeist wurden. Die Brunnensäulen wurden, dem Zeitgeschmack folgend, mit kunstvoll gearbeiteten Figuren verziert.

Zu dieser Zeit entstand auch das heute noch erhaltene Gartenhaus, in dem sich die feine Herrschaft im Sommer des kühlenden Schattens erfreute und auch Mahlzeiten oder Tee und Kaffee servieren liess.

Reste alter Brunnenfiguren entdeckt

Im östlichen Wasserbecken, welches eine nierenförmige Brunnenschale aufwies, war es ein speiender Schwan, über dessen Schnabel das Wasser zirkulierte. Der westliche Springbrunnen stand vor einer aufwendig gestalteten Tuffsteingrotte und soll, speziell bei bengalischer und später mehrfarbiger elektrischer Beleuchtung, einen märchenhaften Anblick geboten haben. Das Wasser plätscherte über drei Brunnenschalen, die von verschiedenen Röhren mit Wasser versorgt und von plastischen Darstellungen in Tier- und Menschengestalt getragen wurden.

Vieles von dem, was die einstige künstlerische Ausstrahlung der Gartenanlage ausgemacht hatte, ist vom nagenden Zahn der Zeit zerstört worden. Einiges jedoch schlummerte während Jahrzehnten im Schutz des Erdreichs. Zum Beispiel das Becken des westlichen Teichs. Wer nicht die alten Ansichten kennt, ahnte nicht, welch faszinierendes Relikt aus der Vergangenheit sich unter dem Rasen vor dem überwucherten Tuffsteinblock befand.

Der Beckenrand des einstigen Teichbrunnens lag unter der Erde begraben. Im Januar wurden nun der Rasen und die Erde entfernt, die Bäume und Sträucher gerodet, die üppig wuchernden Pflanzen von der Tuffsteingrotte entfernt.

Der Beckenrand des einstigen Teichbrunnens lag unter der Erde begraben. Im Januar wurden nun der Rasen und die Erde entfernt, die Bäume und Sträucher gerodet, die üppig wuchernden Pflanzen von der Tuffsteingrotte entfernt.

Bild: Andrea Häusler

Seit einigen Wochen ist dies nun offensichtlich. Denn im Januar wurde das alte Teichbecken freigelegt. Und es befindet sich in einem bemerkenswert guten Zustand, wie Markus Klaus, Präsident der Stiftung Lindengut, sagt. 120 Zentimer tief soll das Wasser gestanden haben. Eine kleine Brücke führte zu Tuffsteingrotte. Erhalten ist sie nicht, genauso wenig wie der pompöse Springbrunnen. Allerdings seien während der Freilegung des Beckens Teile der Brunnenfiguren entdeckt worden, sagt Klaus. Man habe sie eingelagert. Ob sie sich restaurieren lassen, weiss er nicht.

Kein Geld für den Betrieb einer Teichanlage

Markus Klaus und Urs Schärli, Museumskurator und Präsident des Vereins Ortsmuseum, sind sich einig: Es wäre schön, das Brunnenbecken wieder mit Wasser zu füllen. Doch dafür fehlt momentan das Geld. «Zwar befindet sich das Becken in ordentlichem Zustand, doch müssten sämtliche Zu- und Ableitungen für das Wasser neu erstellt werden», sagt Klaus.

Alternativ bleibt das Teichbecken deshalb mit Erde gefüllt. «Es wird eine Blumenwiese angesät», sagt Urs Schärli. Der Beckenrand jedoch bleibt sichtbar und sorgt dafür, dass das Ambiente des einstigen Herrschaftsgartens für die Besucher besser denn je erlebbar wird.