SCHLIESSUNGEN: Dicke Post für die Gemeinden

Die Post hat über ihre Zukunftspläne im Kanton St. Gallen informiert. Alleine in der Region Wil stehen acht Poststellen vor dem Aus. Die Gemeindepräsidenten der «betroffenen» Orte äussern sich unterschiedlich. In Oberbüren will man um den Erhalt kämpfen.

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Die Post überprüft schweizweit zahlreiche ihrer Filialen. Auch der Poststelle in Kirchberg droht die Schliessung. (Bild: Simon Dudle)

Die Post überprüft schweizweit zahlreiche ihrer Filialen. Auch der Poststelle in Kirchberg droht die Schliessung. (Bild: Simon Dudle)

Bis im Jahr 2020 will die Post schweizweit rund 600 Filialen schliessen. Bereits jetzt beginnt sie damit, erste Poststellen zu überprüfen. Acht liegen in der Region Wil. Das hat die Post am Dienstag bekannt gegeben. Die entsprechenden Gemeinden wurden vorgängig darüber in Kenntnis gesetzt. Konkret bedeuten die Überprüfungen, dass die Post in den Gemeinden nach Partnern sucht, welche eine Postagentur betreiben. Das Angebot der Post verschwindet also voraussichtlich nicht komplett aus den entsprechenden Gemeinden, wird aber in einer anderen Form weiterbetrieben.

Bei den Gemeinden äussert man sich ob der angekündigten Veränderungen eher zurückhaltend. Es stehe schliesslich noch nicht fest, ob die Poststelle tatsächlich geschlossen werde, sagt Simon Thalmann, Gemeindepräsident von Niederhelfenschwil. Grundsätzlich müsse die Gemeinde offen sein für neue Lösungen. «Die Post im Dorf ist aber insbesondere für ältere Personen, die nicht all ihre Geschäfte online abwickeln, immer noch sehr wichtig», betont er. Deshalb versuche man nun mit der Post, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden.

Überrascht hier, wortkarg dort

Auch in Schwarzenbach, das zu Jonschwil gehört, ist die Post­stelle von einer möglichen Schliessung bedroht. Gemeindepräsident Stefan Frei zeigt sich überrascht: «Ich bin über die Massnahme etwas erstaunt, weil ich immer wieder sehe und höre, dass diese Poststelle sehr stark frequentiert wird», sagt er.

Anders sieht es in Oberbüren aus: Der Gemeinderat habe mit solchen Massnahmen gerechnet, sagt Gemeindepräsident Alex­ander Bommeli. Ein weiterer Dienstleistungsabbau der Post sei negativ für die Gemeinde Oberbüren. «Wir werden uns deshalb für den Erhalt der Poststelle einsetzen. Wenn dieser Versuch scheitert, werden wir uns für eine Agenturlösung stark machen.»

In Kirchberg wird die Poststelle im Dorf ebenfalls überprüft. Gemeindepräsident Roman Habrik zeigt Verständnis für die Massnahme. «Jedes Unternehmen soll die Möglichkeit haben, sein Angebot und die Bedürfnisse der Kunden periodisch zu überprüfen.» Er betont aber auch die Wichtigkeit einer eigenen Post für das Dorf Kirchberg. Doch Habrik relativiert: «Es geht ja nicht um eine ersatzlose Schliessung der Post.» Sollte die Postfiliale in eine Agentur umgewandelt werden, kann Habrik dem Entscheid auch positive Aspekte abgewinnen. Die Kunden könnten etwa von längeren Öffnungszeiten profitieren. Trotzdem seien noch nicht alle Fragen geklärt. «Dass die Post keine Lösung für die eingeschriebenen Briefe hat, ist unverständlich und verärgert die Kunden», sagt er. Auch die Kommunikation der Post kritisiert der Kirchberger Gemeindepräsident. «Die Art und Weise, wie die Gemeindepräsidenten informiert wurden, war nicht das Gelbe vom Ei.» Wir gehen nun auf die verantwortliche Person bei der Post zu, um weitere Informationen zu erhalten und uns für die bestmögliche Lösung für die Bevölkerung einsetzen.» Das Gleiche wollen die Gemeinden Oberbüren und Jonschwil machen.

Wortkarg äussert sich die Stadt Wil zum Entscheid, die Postfiliale in Bronschhofen zu überprüfen. «Ich kann noch keine Stellung dazu nehmen», sagt Stefan Hauser, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt. Zuerst müsse die Situation im Stadtrat diskutiert werden. Dieser werde prüfen, ob Handlungsbedarf und -spielraum besteht. Gar nicht äussern will man sich in Uzwil zur Überprüfung der Niederuzwiler Poststelle. Verwaltungsleiter Thomas Stricker lässt auf Anfrage verlauten, es gebe eine Vereinbarung zwischen der Post und der Gemeinde, nach der die gesamte Kommunikation zum Thema über die Post laufe.

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch