Schicke Wohnung statt eigenes Häuschen: Wie sich Jonschwil die neue Ortsplanung vorstellt

2027 soll die neue Ortsplanung in Jonschwil Kraft gesetzt werden. Der Gemeinderat hat die Basis für die Revision des Planungsinstruments gelegt. Nun soll die Bevölkerung in einer «Zukunftswerkstatt» Vorschläge einbringen.

Andrea Häusler
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Am Strategietag im Jonschwiler Schulhaus Sonnenrain setzte sich der Gemeinderat mit der Eckpfeilern der Ortsplanung auseinander. (Bild: PD)

Am Strategietag im Jonschwiler Schulhaus Sonnenrain setzte sich der Gemeinderat mit der Eckpfeilern der Ortsplanung auseinander. (Bild: PD)

Was zeichnet die Gemeinde Jonschwil ganz speziell aus? «Die Lebensqualität, die Nähe zur Natur», sagt Gemeindepräsident Stefan Frei, ohne zu zögern. «Von jedem Wohnhaus aus ist man zu Fuss in fünf Minuten im Grünen.» Hinzu komme der nach wie vor «überschaubare Verkehr».

Bewährtes erhalten und gleichzeitig die Zukunft gestalten – die neue Ortsplanung soll es ermöglichen. Vor gut einer Woche hat der Jonschwiler Gemeinderat die Revision des bestehenden Planungsinstruments lanciert, an einem Strategietag die Vorzüge und Defizite der Gemeinde bewertet sowie Handlungsfelder für die nächsten 15 Jahre entworfen. Am 20. Juni ist nun die Bevölkerung am Zug. Im Rahmen einer «Zukunftswerkstatt» wird die vom Rat definierte Stossrichtung zur Diskussion gestellt und die Möglichkeit geboten, Vorschläge einzubringen.

Aus dem Einfamilienhaus in eine attraktive Wohnung

Jonschwil zählte per Ende 2018 3750 Einwohner. In einigen Jahren dürften es um die 4000 sein, sagt Stefan Frei. Die Gemeinde wachse jährlich um 0,5 bis 1 Prozent. Mehr sei nicht gewünscht. Auch aufgrund der Kapazität der Schulbauten, die auf 500 bis 550 Lernende ausgerichtet seien.

Als eine der grossen Herausforderungen der Zukunft bezeichnet Frei den Generationenwechsel in den Einfamilienhausquartieren aus den 1970er/80er-Jahren. Viele junge Familien träumten den Traum vom Haus mit Garten, scheiterten jedoch am raren Bauland, beziehungsweise den hohen Grundstückpreisen. Während manchen älteren Eigenheimbesitzern ein Umzug nur deshalb schwerfalle, weil adäquate Wohnalternativen fehlten. Deshalb sagt Stefan Frei:

«Die Ortsplanung soll Bauten vorsehen, die verkaufswilligen Einfamilienhausbesitzern ein attraktives Wohnen im Alter ermöglichen.»
Stefan Frei, Gemeindepräsident Jonschwil

Stefan Frei, Gemeindepräsident Jonschwil

Dies seien laut Frei Eigentums- oder Mietwohnungen, mit oder ohne Service, beziehungsweise «betreutes Wohnen». Das Angebot an Pflegeplätzen hingegen sei ausreichend.

Ausbau des Betreuungsangebots

Die Baustruktur Jonschwils mit dem hohen Anteil an Einfamilienhäusern, der Sozialstruktur, dem aktiven Dorfleben und den drei Schulstandorten prädestiniere die Gemeinde geradezu als Wohnort für Familien, sagt Stefan Frei. Tatsache sei jedoch, dass vermehrt beide Elternteile erwerbstätig sind. Entsprechend sieht der Gemeinderat Handlungsbedarf bei den familienergänzenden Betreuungsangeboten. Frei spricht von einem Ausbau bis zur vollen Tagesstruktur.

Weniger Defizite macht er beim Verkehr aus: «Insbesondere mit dem öffentlichen Verkehr sind wir inzwischen recht gut bedient.» Hingegen bestehe im Bereich der öffentlichen Begegnungsräume noch Potenzial.

Fahrplan bis zur öffentlichen Auflage

Das Wunschziel Stefan Freis ist es, die Ortsplanung innert dreier Jahre in trockene Tücher zu bringen. Nach Abschluss des Mitwirkungsverfahrens hat der Gemeinderat das Raumkonzept zu erarbeiten, bevor der Zonenplan und das Baureglement angegangen werden. Anschliessend erfolgt die öffentliche Auflage.

Online-Umfrage danach

Die «Zukunftswerkstatt», die der Bevölkerung eine aktive Mitwirkung bei der Ausgestaltung der Ortsplanung ermöglicht, findet am Donnerstag, 20. Juni, 19 Uhr, in der Aula des Oberstufenzentrums Degenau statt. Eine direkte Einflussnahme ist jedoch auch später noch möglich. Nach der öffentlichen Kick-off-Veranstaltung wird auf der Website der Gemeinde eine Online-Umfrage aufgeschaltet, die es interessierten Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, ihre Meinung zur eingeschlagenen Stossrichtung des Gemeinderats zu äussern und eigene Anliegen oder konkrete Vorschläge einzubringen. (ahi)