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Schenk Konrads Erbe
im Landeggwald

Degersheim hat eine Burgruine. Zwar ist der einstige Adelssitz in keinem Kulturführer vermerkt. Auch hat er die urspüngliche Ausstrahlung mit den Jahrhunderten verloren. Gleichwohl birgt die Geschichte Faszinierendes. Am 10. August wird sie erzählt.
Andrea Häusler
Die baulichen Überreste der ehemaligen Burg im Landeggwald oberhalb von Magdenau. (Bilder: Andrea Häusler)

Die baulichen Überreste der ehemaligen Burg im Landeggwald oberhalb von Magdenau. (Bilder: Andrea Häusler)

«Die Burg stand ausschliesslich auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Degersheim», sagt Leo Kessler, Präsident des Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil, und weist auf einen der Grenzsteine. Trotz der Hitze ist es kühl hier oben, und einsam dazu. Kein Wunder, das Gelände im Landeggwald ist unwegsam. Zwischen Brombeerranken, dürrem Astholz und umgestürzten Bäumen bahnt sich vom Waldsaum oberhalb des Weilers Spilberg aus einem Trampelpfad quer durchs Unterholz zu einer fast senkrecht abfallenen Böschung: dem einstigen Burggraben. 15 bis 17 Meter tief umgibt dieser den Geländesporn, auf dem einst die Burg Landegg gestanden hatte.

Wobei der Begriff «Burg» irreführend ist. Träfer wäre die Bezeichnung «bewohnbarer Wehrturm mit zugehörigen Ökonomiegebäuden». Zumal sich der Grundriss über die Fläche eines Einfamilienhauses der heutigen Zeit erstreckte und der Anlage der Prunk eines Herrscherschlosses fehlte.

Hausherr Konrad von Landegg sei ja auch «nur» ein Ritter gewesen, wenngleich von adeligem Geschlecht, sagt Leo Kessler. Ein Ministeriale (Beamter) des Grafen von Toggenburg, der zusätzlich das Schenkenamt beim Kloster St. Gallen innehatte. Und, er war darüber hinaus Minnesänger.

Ritterleben
ohne Prunk und Pomp

Die erste Urkunde, die den Ministerialen «Konrad von Landeck» aufführt, ist auf den 8. Oktober 1271 datiert. Gemeinsam mit seinem Bruder Lütold bezeugt er eine Pfandurkunde der Grafen von Toggenburg Diethelm und Friedrich. Weitere Nennungen als Zeuge finden sich in mehreren Urkunden von 1277 bis 1306. Danach taucht sein Name nicht mehr auf: er dürfte gestorben sein.

Auf der «Landegg» soll Schenk Konrad 33 Jahre seines Lebens zugebracht haben: von 1260 bis 1293. Ein isoliertes Dasein, sagt Leo Kessler auf dem Weg durch die Tiefen des einstigen Burggrabens in hinauf zur Ruinenstelle. Rund 4000 Kubikmeter Material sei hier ausgegraben worden – von Hand. Wie und woher die «Burg» zugänglich war, weiss er nicht, vermutet jedoch eine Brücke im Osten der Anlage – aufgrund der nach wie vor sichtbaren Mauersteine. Jenseits des Grabens lässt sich nur erahnen, wie sich der Sitz des Schenken Konrad einst präsentiert hatte. Erhalten sind einzelne Mauerstücke, freiliegende Steine und Mörtelstücke.

Zwischen den Überresten der Fundamente haben Abenteuerlustige oder Geocatcher eine Feuerstelle errichtet. Hier habe einst der Turm gestanden, sagt Leo Kessler. 10 bis 12 Meter hoch soll er gewesen sein, im unteren Teil gemauert, im Wohnbereich aus Holz gefertigt. Ein Domizil mit Aussicht, sagt Kessler und weist in Richtung Eppenberg, wo ein ähnlicher Sitz existiert habe – allerdings länger. «Jene Burg wurde erst 1350 aufgegeben. Wobei auch das Verwaltungsgebiet ein anderes war.»

Leo Kessler, Präsident des Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil, hat die einstige Burg im Modell nachgebaut.

Leo Kessler, Präsident des Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil, hat die einstige Burg im Modell nachgebaut.

Tief unten im Grünen sind Gehöfte sichtbar. Von solchen aus musste der Ritter versorgt worden sein. «Man fragt sich, wie das Wasser für die Tiere und den Hausgebrauch zur Burg geschafft worden war», sinniert Leo Kessler. Und wie die Winter überdauert worden waren. Durch die Wipfel streift der Wind. Trügt die Wahrnehmung oder schwingt leise der Minnesang des toten Schenken mit...?

Öffentlicher Heimatabend am 10. August

Der Sommeranlass des Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil findet dieses Jahr auf dem Hof der Familie Eisenring im Weiler Spilberg westlich von Magdenau statt. Der Ort an der Wanderroute Magdenau-Winzenberg ist schon vor über 800 Jahren in den Annalen erwähnt worden. Einerseits war es der Ritter Konrad von Landegg, anderseits auch das Kloster Magdenau, die ihren Einfluss auf diese Gehöfte und Ländereien hatten. Den Interessierten wird aufgezeigt, was sich um diesen Fleck der Gemeinde Degersheim und in den vergangenen 1000 Jahren abgespielt hat. Welche Bedeutung hatten die Ritter und ihre Burgen? Wer waren die früheren Bewohner auf dem Spilberg und wie sah ihr Alltag aus? Der musikalisch umrahmte Anlass ist öffentlich und findet wetterunabhängig am kommenden Freitag, 10. August, ab 19.00 Uhr statt.

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