Schaufeln für Amphibien

Die Realschüler der Oberstufe Flawil durften bei einem Aufwertungsprojekt im Botsbergerriet dabei sein. Dort halfen sie beim Freilegen einer von Wiese überwachsenen Kiesgrube. Dabei begegneten sie mehr als nur einem Bergmolch.

Vanessa Meier Linero
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Tatkräftig: Mit Schaufeln legten die Realschüler der Schule Flawil die Kiesgrube frei. (Bild: vml)

Tatkräftig: Mit Schaufeln legten die Realschüler der Schule Flawil die Kiesgrube frei. (Bild: vml)

FLAWIL. Lachende Jugendliche und Schaufel-Geräusche durchbrachen die idyllische Ruhe im Botsbergerriet. Mitten in der grünen Landschaft trafen sich kürzlich die Realschüler der dritten Oberstufe Flawil zu einer nicht ganz gewöhnlichen Exkursion. Statt in Museen zu besuchen, stand «anpacken» auf dem Programm. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Michael Sing halfen sie beim Freilegen der eingewachsenen Kiesgrube im Botsbergerriet.

Viele Amphibien bestaunen

Mit viel Elan gruben und schaufelten die Oberstüfler, bis das Kies zum Vorschein kam. Dabei streckten selbst die Kühe neugierig ihre Flotzmäuler über den Zaun. «Die Kiesgrube ist ein idealer Lebensraum für Molche, Blindschleichen und Eidechsen», sagte Ruedi Steurer, Präsident der Stiftung Naturschutzreservate Flawil und Umgebung. Während des Abtragens der Humusschicht stiessen die Schüler auf Dutzende von Molchen und Fröschen, Blindschleichen und Kröten, die sich bereits zwischen den Steinen für den Winterschlaf versteckt hatten. Vorsichtig wurden die zappelnden Tierchen in die naheliegenden Gebüsche gebracht. «Wenn man sie jetzt umplaziert, können sie noch einen neuen Ort für ihren Winterschlaf suchen», erklärte er. Umplazieren müssten sie sie, damit sie nicht vom Bagger zerdrückt würden.

Grosse Pläne

Das Aufwertungsprojekt im Botsbergerriet beinhaltet als ersten Schritt das Freilegen der Kiesgrube. Damit kann wertvolle brachliegende Rohbodenfläche mit entsprechender Flora und Fauna geschaffen werden. Als nächstes wird ein Magerstandort in unmittelbarer Nähe geschaffen. Das sind nährstoffarme oder durch einseitigen Nährstoffmangel gekennzeichnete Lebensräume, die nicht gedüngt werden. Schliesslich ist der Bau von zwei Bienenhotels in einer weiteren Zusammenarbeit mit der Oberstufe Flawil geplant. Diese sollen die Behausung für die Frühlingsbienen werden.

Wichtig für die Gemeinschaft

Es war nicht das erste Mal, dass die Stiftung Naturschutzreservate mit Schulklassen zusammenarbeitete. Bereits letztes Jahr durfte eine Flawiler Schulklasse beim Bau einer Trockenmauer mithelfen. Das oberste Kriterium sei aber, dass die Lehrer bereit seien, bei so einem Anlass mitzuwirken, sagte Steurer. «Es ist wichtig, dass sich die Schüler durch direkten Kontakt mit der Ökologie auseinandersetzen, also praktisch, nicht nur theoretisch. So lernen sie mehr und es bleibt ihnen auch länger in Erinnerung», sagt Sing, und weiter sei eine Exkursion auch gut für die Gemeinschaft. Dabei könnten die Jugendlichen ihre Energie ablassen. Schüler seien immer sehr dankbare Helfer, so Steurer. Sie seien interessiert und lernten viel dabei.

Vor dem Bagger gerettet: Einer von vielen Fröschen, die die Schulklasse ausgrub. (Bild: vml)

Vor dem Bagger gerettet: Einer von vielen Fröschen, die die Schulklasse ausgrub. (Bild: vml)