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Täglich Dutzende Anfragen aus aller Welt: Diese Frau leitet das Auktionshaus Rapp in Wil

Marianne Rapp Ohmann leitet eines der führenden Auktionshäuser der Welt. Im Porträt erzählt die Wilerin über den Spagat zwischen ihrem glamourösen Berufsalltag und dem einfachen Familienleben.
Desirée Müller, Bruno Scheible
Marianne Rapp Ohmann im Auktionshaus Rapp in Wil. Die 43-Jährige trat 1997 ins Familienunternehmen ein. (Bild: Urs Bucher)

Marianne Rapp Ohmann im Auktionshaus Rapp in Wil. Die 43-Jährige trat 1997 ins Familienunternehmen ein. (Bild: Urs Bucher)

Die knallroten, akkurat bemalten Lippen, die sich zu einem herzlichen Lächeln formen, fallen als Erstes auf, wenn man Marianne Rapp Ohmann begegnet. Anzutreffen ist die 43-jährige Geschäftsfrau an diesem Tag wie so oft im Auktionshaus in Wil. Dem Familienunternehmen, das vor bald 50 Jahren von Vater Peter Rapp gegründet und heute gemeinsam mit Tochter Marianne geführt wird. Ein Team, das sich perfekt ergänzt. Zumindest heute: «Früher flogen schon mal die Fetzen», verrät die Mutter eines 15-jährigen Sohnes. «Manchmal muss ich meinen Vater aber auch heute noch daran erinnern, dass ich schon über 40 Jahre alt bin.» Immer dann, wenn dieser sage: «Meitli, los emol zue.»

Familienalltag und Glamour

Marianne Rapp Ohmann wuchs in zwei Parallelwelten auf. Zu Hause veranstaltete ihre Mutter regelmässig Dinnerpartys mit Gästen aus aller Welt, die Geschichten erzählten, die spannender waren als jedes Gute-Nacht-Märchen. Gebannt lauschte die kleine Marianne den elegant gekleideten Damen mit ihren Schmuck verzierten Décolletés und den Männern in ihren schicken Anzügen mit goldenen Krawattennadeln. Der Familienalltag war hingegen gänzlich unspektakulär im Hause Rapp. Die Kinder besuchten die öffentliche Schule in Wil und waren keine Gäste im Haus, gab es auch keine speziellen Benimmregeln oder Kleiderordnungen.

«Es ging uns auch nicht immer so gut wie heute. Es gab Zeiten, in denen meine Eltern finanziell zu kämpfen hatten.»

Dieser Umstand ist ihr wichtig zu erwähnen. So sei ihre Arbeit auch heute noch ein «Knochenjob» sondergleichen. «Dass wir jeden Abend um sechs Uhr als Familie zu Abend essen, ist eine Illusion», sagt sie und schüttelt lachend den Kopf. Von Glamour sei in ihrem Leben ausserhalb des Auktionshauses nicht viel zu spüren. Auch ihr Haus in Wil sei modern aber keineswegs prunkvoll eingerichtet. Eine Auswahl an Gemälden von Künstlern, mit denen sie in der familieneigenen Kunstgalerie arbeitet, bedeutet ihr jedoch viel. Bei der Frage nach gemeinsamen Hobbys überlegt sie lange und schüttelt dann den Kopf. «Eigentlich keine», sagt sie und hebt die Schultern an. Doch die kleine Familie sei glücklich.

Seltenes und Wertvolles

1997 trat Marianne Rapp Ohmann ins Familienunternehmen ein. Seither reist die gelernte Bankkauffrau um den halben Erdball, immer auf der Suche nach kleinen und grossen Schätzen, noch nicht Gesehenem oder lange Verschollenem. Allen Spuren kann sie nicht nachgehen. Täglich erreichen das Auktionshaus Dutzende von Anfragen aus aller Welt.

Die letzten Monate waren besonders intensiv für das zwölfköpfige Rapp-Team. Einmal im Jahr wird nämlich eine mehrtägige Auktionsveranstaltung in Wil durchgeführt. Drei Kataloge mit jeweils 300 Seiten liegen vor Marianne Rapp Ohmann in ihrem Büro. Der Einband hat eine goldene Prägung und lädt zum Schmökern ein. Hunderte von seltenen Briefmarken, wertvollen Uhren, und einzigartigen Halsketten sind darin abgebildet und ausführlich beschrieben. Marianne Rapp Ohmann kennt sie alle. 2018 trat sie das erste Mal als Auktionatorin auf. «Ich informierte vorab die Kunden und bat um Verständnis, sollte nicht alles rund laufen.» Ihr Vater sei nun mal der geborene Auktionator. In seine Fussstapfen zu treten, dementsprechend schwierig. «Bei mir hat das Handwerk durchaus noch Luft nach oben. Aber ich lerne immer dazu.» Aus Fehlern zu lernen, sei ihr Erfolgsrezept.

Nur der Hammer fehlt

Die versteigerten Schätze stammen aus der ganzen Welt, aus den Besitzen verschiedenster Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. So bunt sind auch die Bieter bei der eigentlichen Auktion. Dem Herzstück der mehr­tägigen Veranstaltung Ende Mai.

«Der millionenschwere Unternehmenschef sitzt dann neben der Wiler Hausfrau.»

So werden nebst exklusiven Losen auch erschwingliche Schmuckstücke versteigert. Marianne Rapp nippt an ihrem schwarzen Kaffee und läuft danach beschwingt in ihren roten Stöckelschuhen die drei Stockwerke runter in den grossen Auktionssaal. Er wird von massiven Steinsäulen getragen und von einem breiten Holztisch am Ende des Raumes dominiert: dem Auktionatortisch. Nur der Hammer fehlt. «Ich weiss eigentlich nicht warum, aber wir benutzten keinen Hammer.»

Je länger, desto besser

Bis zu 3000 Menschen besuchen jährlich die Auktionswoche in Wil. Wenn jeweils dreihundert Personen im Auktionssaal sitzen, fünfzehn Telefonbieter ihre Angebote durchgeben und Dutzende online mitbieten, erfordere es als Auktionatorin vollste Konzen­tration. Marianne Rapp weiss:

«Versteigerungen haben viel mit Psychologie zu tun. Der Tonfall, das Sprechtempo, die Präsentation wie auch die Vorstellung der Lose sind massgeblich.»

Dazu sollte man nie mit einem zu hohen Angebot beginnen. So dauere eine Versteigerung bis zu einer Minute. «Je länger, desto besser ist es für die Stimmung im Saal.» Denn eine Auktion sei schliesslich auch ein Event, der zelebriert werden will.

Auktionshaus Rapp

Das Auktionshaus in Wil gehört zu den weltweit führenden Auktionsunternehmen für Briefmarken, Münzen, Schmuck, Uhren und Luxushandtaschen. Vom 20. bis 25.Mai findet die diesjährige Rapp-Auktionswoche statt. In den letzten 45 Jahren versteigerte das Auktionshaus für weit mehr als 450 Millionen Schweizer Franken Briefmarken und Münzen im Auftrag ihrer Kunden aus aller Welt.

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