Schamlose Vermarktung

Roger Federer, George Clooney, David Beckham und all die anderen Stars aus Sport, Film und Musik kommen nicht an den bärtigen Mann heran. In Sachen Kommerzialisierung schlägt er sie um Längen.

Urs Bänziger
Merken
Drucken
Teilen
Urs Baenziger Redaktor Thurgauer Zeitung Tagblatt (Bild: Urs Bänziger)

Urs Baenziger Redaktor Thurgauer Zeitung Tagblatt (Bild: Urs Bänziger)

Roger Federer, George Clooney, David Beckham und all die anderen Stars aus Sport, Film und Musik kommen nicht an den bärtigen Mann heran. In Sachen Kommerzialisierung schlägt er sie um Längen. Doch der Mann mit dem langen weissen Bart hat nichts davon, für seine Werbeauftritte erhält er keine Gagen – ja, er wird nicht mal gefragt.

Dabei könnte der alte Mann das Geld gut gebrauchen. Er lebt sehr bescheiden, wohnt im Wald und trägt immer die gleiche Kutte. Hätte er das viele Werbegeld wie Federer, Clooney und Beckham, dann könnte er viele arme Kinder beschenken und glücklich machen. So wie es die Legende über ihn besagt.

Statt den Armen zu helfen, wird der gutmütige Mann von der Werbung missbraucht. Nicht mehr nur in der Weihnachtszeit. Sein Konterfei ist schon überall zu sehen: in TV-Spots, auf Plakaten, als Schokoladenfigur. Coca-Cola hatte den Bärtigen schon in den Dreissigerjahren für ihre Werbekampagnen benutzt. Bis heute scheint er ein Erfolgsgarant zu sein. Eine solch lange Präsenz in der Werbewelt werden die Promis von heute bestimmt nicht erreichen.

Bei seinen Werbeauftritten werden die Grenzen des Geschmacks zuweilen auch überschritten. Auf Plakaten der Migros Aare zeigt der Mann nicht seinen mächtigen weissen Bart, sondern streckt den Kunden seinen Allerwertesten entgegen, und darüber steht: «Damit ihre Weihnachtsfeier nicht für den A… ist». Die Kampagne hat in der Bevölkerung für mächtigen Wirbel gesorgt.

Kein Wunder, haben die Kinder keinen Respekt mehr vor Bart, Kutte und Rute. Dass er vom dunklen Wald herkommt, glauben ihm selbst die Kleinen nicht mehr. Und auch die Darstellung mit den fliegenden Rentieren und dem Schlitten versetzt im Zeitalter der Drohnen kein Kind mehr ins Staunen. Armer Samichlaus!

urs.baenziger@wilerzeitung.ch