Schafe statt Kamele als Mitgift

Die Klinglers aus dem Bubental bei Flawil sind sehr tierlieb, und besondere Freude haben sie an ihrer kleinen Heidschnucken-Herde. Die genügsamen Tiere sind sehr zutraulich – wenn keine Fremden sich ihnen nähern.

Beatrice Oesch
Drucken
Teilen
Idylle mit Heidschnucken: Nur eine mutige Aue mit ihrem Lamm schaffte es aufs Bild mit Marianne und Martin Klingler. (Bild: bo.)

Idylle mit Heidschnucken: Nur eine mutige Aue mit ihrem Lamm schaffte es aufs Bild mit Marianne und Martin Klingler. (Bild: bo.)

Flawil/Degersheim. «Chömed, Lämmli, chömed!» Mit diesem Lockruf nähern sich Martin und Marianna Klingler der Schafweide am Hang, und die Heidschnucken, eine genügsame norddeutsche Rasse, machen Anstalten, zutraulich näher zu kommen. Doch dann haben die vier Auen mit Lämmern und der prächtige Bock die Fremde mit der Kamera erspäht und beschlossen, dass ihnen diese Sache nicht geheuer sei. Sie verspritzen in alle Richtungen, der Bock verkriecht sich gar unter dem Unterstand, und alles Locken und Schütteln der Schüssel mit Trockenfutter nützt nichts mehr. Trotz längeren geduldigen Wartens ist es nicht möglich, die stolzen Besitzer und die ganze Herde aufs Bild zu bekommen.

«Sie sind letzte Woche geschoren worden, was sie nicht sonderlich schätzten, und werden noch immer misstrauisch, wenn mehr als eine Person aufs Mal zu ihnen kommt», erklärt Marianna Klingler lachend. Sie hat vor zwölf Jahren, als sie noch in Herisau wohnte, mit zwei Auen mit Lämmern den Grundstock zu dieser Herde gelegt, und die Tiere zogen ein Jahr später mit ihr ins Bubental bei Flawil, als sie ihren Martin heiratete.

Tiere sollen es gut haben

«Marianna hat die Schafe als Mitgift in die Ehe gebracht, Kamele hatte sie keine», meint Martin Klingler verschmitzt, und beide lachen. Die Lämmer der Heidschnucken werden zu Zuchtzwecken behalten oder verkauft, und wenn das nicht möglich ist, geschlachtet. Das Fleisch, welches einen zarten Wildgeschmack hat, wird ab Hof verkauft. Auf diesem Betrieb haben es die Tiere schön: Nicht nur die Milchkühe, sondern auch die Mastkälber haben viel Platz in Gruppenhaltung und werden gestreichelt, denn Martin Klingler ist überzeugt: «Sie sollen es in ihrem kurzen Leben gut haben und auch human geschlachtet werden.» Dem rundlichen Hofhund Betsy sieht man auch an, dass er nicht darben muss, er darf sogar wie die zwei Katzen ins Haus. Diese hatten diesen Frühling beide einen Wurf von insgesamt sieben Kätzchen, die sie gemeinsam aufziehen und säugen; nach diesem ersten Wurf haben die Klinglers die Katzen kastrieren lassen.

Ein Daheim für Pflegekinder

Für Marianne und Martin Klingler war es schon kurz nach ihrer Hochzeit klar, dass sie Pflegekindern ein Zuhause geben möchten, und sie wollten das professionell angehen. In einem dreijährigen WBL-Kurs des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen liessen sie sich in der Betreuung von Pflegekindern ausbilden und bieten seither Kindern und Jugendlichen für einen individuellen Zeitraum ein Daheim. «Das ist eine fordernde, aber wundervolle Aufgabe.

Wir hatten schon Kinder und Jugendliche von neun bis zwanzig Jahren, die manchmal nur für ein Time-out, doch auch bis zu dreieinhalb Jahren bei uns lebten», erläutern die beiden. «Die Katzen sind übrigens auf Wunsch von Pflegekindern zu uns gekommen; sie haben die Kätzchen auf einem anderen Hof gesehen und so lieb gebeten, dass wir sie aufnehmen», erinnert sich Marianne Klingler lächelnd, «da konnten wir doch nicht nein sagen.»

Im Rahmen der Sommerserie «Animalisches» besucht die Wiler Zeitung Menschen, die in Beruf oder Hobby mit Tieren zu tun haben.

Aktuelle Nachrichten