SBB will Gleise und Bahnhöfe von Thurbo von Wil bis Kreuzlingen übernehmen

Thurbo und die SBB beantragen beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, die Infrastrukturkonzession für die Strecken Wil–Weinfelden und Weinfelden–Kreuzlingen von Thurbo auf die SBB zu übertragen.

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Für den Armeemotorfahrzeugpark (AMP) Bronschhofen hatte der Gleisanschluss an die MThB-Linie zur Zeit des Kalten Kriegs grosse Bedeutung. Bild: Hans Suter

Für den Armeemotorfahrzeugpark (AMP) Bronschhofen hatte der Gleisanschluss an die MThB-Linie zur Zeit des Kalten Kriegs grosse Bedeutung. Bild: Hans Suter

Mit der Betriebsaufnahme von Thurbo im Jahr 2003 wurde die Infrastruktur der früheren Mittel-Thurgau-Bahn (MThB) auf Thurbo übertragen. Strategisch passt der Betrieb und Unterhalt einer Infrastruktur aber nicht zum übrigen Geschäftsfeld von Thurbo. Denn mit Ausnahme der Strecke Wil–Weinfelden–Kreuzlingen befahren die Thurbo-Züge ausschliesslich Bahnhöfe und Gleise, die im Besitz von SBB und Südostbahn (SOB) sind.

Seinerzeit nicht anders möglich

Warum hat man das denn überhaupt gemacht? «Eine Integration der Infrastruktur der ehemaligen MThB in die SBB war seinerzeit aus zeitlicher und finanztechnischer Sicht nicht möglich», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung von Thurbo und SBB. Inzwischen hat sich die Ausgangslage geändert: Sämtliche Bahninfrastrukturen werden allein über den Bund durch den Bahninfrastrukturfonds (BIF) finanziert.

Auch Schulden werden übernommen

Die Übertragung entspreche den strategischen Stossrichtungen beider Unternehmen. «Die SBB ist bereits heute im Auftragsverhältnis für Thurbo für den Betrieb und Unterhalt der Strecke Wil–Weinfelden–Kreuzlingen tätig», heisst es weiter. Die SBB übernehme nebst den Sachanlagen zum Buchwert auch die Darlehensschulden aus Investitionshilfen, welche der Bund und die Kantone Thurgau und St. Gallen der ehemaligen MThB und Thurbo gewährt hatten. Die Differenz finanziere sie für Thurbo erfolgsneutral aus. Auf die übrigen Geschäftstätigkeiten von Thurbo und auf ihre Rechtsform habe die Übertragung der Infrastruktur von Thurbo an die SBB keine Auswirkungen. Thurbo bleibe eine eigenständige Aktiengesellschaft im Besitz von SBB (90 Prozent) und Kanton Thurgau (10 Prozent). Thurbo erbringt Leistungen im Regionalverkehr in der Ostschweiz im Auftrag von Bund und den Kantonen.

Rückwirkend per 1. Januar 2019 möglich

Die zuständigen Gremien von SBB, Thurbo, Bundesamt für Verkehr sowie den Kantonen Thurgau und St. Gallen haben der Eigentums- und Darlehensübertragung zugestimmt. Die SBB und Thurbo stellen nun den Antrag zur Konzessionsübertragung an das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Bei Zustimmung des Uvek erfolge die Übernahme durch die SBB rückwirkend per 1. Januar dieses Jahres. (red)