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Veltlinerverbot: In Oberuzwils Wirtshäusern herrschte einst Zucht und Ordnung

Das Ortsmuseum Oberuzwil lädt an den Stammtisch: In der neuen Ausstellung dreht sich fast alles um Wirtshäuser.
Andrea Häusler
Roland Schluchter aus dem Ortsmuseumsteam an einem Beizentisch von einst. Bilder: Andrea Häusler

Roland Schluchter aus dem Ortsmuseumsteam an einem Beizentisch von einst. Bilder: Andrea Häusler

Kein Telefon, kein Fernseher oder Radio, die Tageszeitungen als Informationsmedium weniger Privilegierter. Es war eine andere Zeit. Eine Welt, in der die Wirtshäuser eine enorme kulturelle Bedeutung hatten. Damals trafen sich hier die Männer, um in abendlicher Runde das Zeitgeschehen zu vernehmen und – oft lautstark – zu diskutieren. Dem Bedürfnis entsprechend gross war die Zahl der Wirtshäuser – auch in Oberuzwil.

Der «Adler» in Oberuzwil, der später in Gasthof Post umbenannte wurde.

Der «Adler» in Oberuzwil, der später in Gasthof Post umbenannte wurde.

Viele sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. Bildlich jedoch haben sie die Zeit überdauert. Dank Mario Klaus. Der Bichwiler hat eine umfangreiche Sammlung an Fotografien, Postkarten und Dokumenten über die einstigen Wirtshäuser angelegt. Diese werden ab kommendem Sonntag, 20. Oktober, im Ortsmuseum gezeigt.

Die Viehschau gibt es heute noch

Da ist beispielsweise das Restaurant Neuhaus an der Strasse zwischen Wilen und Niederuzwil. Conrad Michel, Wirt im Jahr 1920, hatte einen wichtigen Status bei den Bauern: Nicht nur, weil Sauschwänzli als Spezialität auf seiner Karte standen. Hier wurde – wie noch heute – die herbstliche Viehschau durchgeführt. Zudem lockte ein Saal Tanzfreudige an und im Keller wurde gekegelt, während in der Gartenwirtschaft auf der anderen Strassenseite Gottesdienste abgehalten wurden. Einst soll es hier auch eine Brauerei und eine Mosterei gegeben haben. Das Restaurant, ist heute ein Wohnhaus.

Das Restaurant Neuhaus an der Strasse zwischen Niederuzwil und Wilen.

Das Restaurant Neuhaus an der Strasse zwischen Niederuzwil und Wilen.

Ein weiteres Beispiel ist der «Adler», dessen Name nach dem Abbruch der Scheune und dem «Post»-Neubau in «Post» geändert wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts soll hier Jonas Weber eine Trikoterie-Fabrikation betrieben haben, bevor er 1871 die Gaststätte eröffnete. Diese diente ihm nach der Wahl zum Gemeindeammann in Ermangelung eines Gemeindehauses als Amtsstube.

Das damalige Gasthaus steht heute noch. Allerdings wurde die Scheune abgebrochen.

Das damalige Gasthaus steht heute noch. Allerdings wurde die Scheune abgebrochen.

«Rössli», «Krone», «Schäfle», «Sonne» – zu fast jedem einstigen und heutigen Gasthaus bietet die Ausstellung einen geschichtlichen Abriss und einen Standortplan. Darüber hinaus wird Einblick gewährt in die Regeln und Gepflogenheiten rund um die gastwirtschaftlichen Belange der damaligen Zeit. Denn ursprünglich übten Klöster und Burgen das Gastrecht für Pilger und Wanderer aus, in den Städten waren es die Zunftstüben, Wirtschaften oder Tavernen.

Tanzen und unehrbares Reden verboten

Nach dem Übergang der Grafschaft Toggenburg ans Kloster St.Gallen lagen sämtliche Befugnisse rund um die Oberuzwiler Gaststätten dem Fürstabt. Die ebenfalls ausgestellte «Wirthe-Ordnung» von Abt Pius verbietet etwa den Ausschank von «frömden köstlichen Weinen, insbesondere des Veltliners». Der Grund: Sie schwächten mit ihrer Süffigkeit den Lib des gemeinen Mannes an Kräften. Die Wirthe wurden auch verpflichtet «alle bösen üppigen Sachen den Gästen abzuwehren und zu verhüten»: Gotteslästern, Fluchen, Schwören, Spielen, Tanzen, unehrbares Reden – alles was der christlichen Ehrbarkeit zuwider ist.

Bleistiftzeichnungen von Alex Hollenstein

Gleichzeitig mit der umfangreichen Ausstellung über Oberuzwils Gaststätten werden im Ortsmuseum Bleistiftzeichnungen des Bichwiler Künstlers Alex Hollenstein gezeigt. Die detailgetreu wiedergegebenen Werke zeigen Bauten aus Oberuzwil und Bichwil, aber auch aus anderen Regionen, wie etwa dem Engadin oder Schaffhausen.

Henau: Die neue Ausstellung im Oberuzwiler Ortsmuseum wird am Sonntag, 20. Oktober, 14 Uhr eröffnet und kann bis im März 2020 jeden zweiten Sonntag besichtigt werden.

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