Sanft dank Kraft und Technik

Judokas aus der Region kämpfen sich von Turnier zu Turnier näher an die nationale und internationale Spitze. Dominik Forster, Carina Hildbrand, Jana Bruggmann und die Geschwister Allemann sorgen bereits für Spitzenresultate.

Urs Huwyler
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JUDO. Im Leistungszentrum (LZ) trainiert neben und mit erfahrenen Judokas der hoffnungsvolle Nachwuchs aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Darunter befinden sich Jana Bruggmann (Bichwil) und Carina Hildbrand (Oberuzwil). Irgendwann möchte das U17-Duo an Europa- und Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen für Schlagzeilen sorgen. «Schön wär es», tönt es bei den Talenten, die den Grossteil der Freizeit für den Leistungssport einsetzen. Sie stammen wie Nationalkader-Athlet Dominik Forster (U17, bis 40 kg) aus dem Judoclub Oberuzwil.

Das Training findet in St. Gallen unter Leitung des diplomierten Judolehrers Marcel Burkhard (6. Dan) statt. Das Reisen mit Zug und Bus kostet Stunden, und an den Wochenenden stehen oft Wettkämpfe auf dem Programm. «Sie haben durch den Wechsel ins Leistungszentrum in allen Bereichen Fortschritte erzielt», sagt der frühere Spitzenathlet Marcel Burkhard. «Die Leistungssteigerung widerspiegelt sich in den Resultaten.»

In höherer Altersklasse

Der lange Weg der Jugendlichen an die Spitze verläuft unterschiedlich. Dominik Forster besucht die Oberstufe Lindenhof in Wil, Jana Bruggmann (Klasse bis 44 kg) seit Sommer 2011 wie andere Judokas des LZ die Talentschule St. Gallen. Dort wird ihr ein ideales Umfeld geschaffen, und sie kann zweimal von 10.30 Uhr bis 12 Uhr das Training besuchen. Carina Hildbrand (bis 47 kg) beginnt im Sommer bei Bühler Uzwil die Ausbildung als erste Sport-KV-Angestellte. Zugleich steigt sie in die Berufsmatura (BMS) ein. Bisher durfte sie am Mittwochmorgen während der Schulzeit zu Burkhard ins Training.

Am Wochenende wird Carina Hildbrand nach Siegen in Frankreich und beim Rankingturnier in Altstätten – Rang 1 auch in der nächst höheren Kategorie – im Ausland an einem Wettkampf mit Kampfsportlern aus 25 Nationen eingesetzt. «Sie trainiert seit neun Monaten bei uns und zeigt eine erstaunliche Entwicklung. Dass sich jemand auch in der höheren Altersklasse durchsetzt, ist eher selten. Vor dem Wechsel hat sie kein Turnier auf diesem Niveau gewonnen», sagt Marcel Burkhard.

Eltern als Hauptsponsoren

Judo gilt im Gegensatz zu manchen Schweizer Publikumssportarten als Weltsportart. Die Konkurrenz ist damit schon im Jugendbereich höher als beispielsweise im alpinen Skirennsport. Trotzdem wird der «sanfte Weg» (Judo wörtlich übersetzt) kaum beachtet. Haupt- und Co-Sponsoren bleiben die Eltern. Dabei wird das Zusammenspiel aus Kraft, Technik, Geist und Körper für Jugendliche als ideale Sportart betitelt. «Wir sind bezüglich finanzieller Unterstützung eine Randsportart, aber nicht von den Leistungen her», sagt Marcel Burkhard.

Eine Besonderheit in der Sportwelt stellt die für den Judoclub Nippon St. Gallen startende Wiler Familie Allemann dar. Adriana (U20, bis 48 kg), Rahel (Elite, bis 52 kg), Yannick (U20, bis 66 kg) und Timo (U17, bis 66 kg) standen an den nationalen Titelkämpfen im November 2011 alle auf dem Podest. Derzeit scheint vor allem Schweizer Meister Timo durchzustarten. Zuletzt gewann der jüngste Allemann im österreichischen Vöcklabruck ein von acht Nationen besuchtes internationales Turnier.