Sammler gehen von Haus zu Haus

Die Stadt Wil plant in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid ZAB ein Pilotprojekt zur Kunststoffabfuhr und beschreitet damit einen Pionierweg. Gestartet wird voraussichtlich Anfang 2016.

Ursula Ammann
Drucken
Teilen
Kunststoff wird zu Granulat verarbeitet und wiederverwertet – vorausgesetzt, er landet nicht im Kehricht. (Bild: Ursula Ammann)

Kunststoff wird zu Granulat verarbeitet und wiederverwertet – vorausgesetzt, er landet nicht im Kehricht. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Ob Shampooflaschen, Joghurtbecher oder Blumentöpfe. 80 Prozent aller Kunststoffe in der Schweiz landen immer noch im Kehricht und damit in der Verbrennungsanlage. Dabei könnten sie wiederverwertet werden – wie Glas oder Alu.

Nach dem Holprinzip

Die Stadt Wil plant nun in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid ZAB ein Pilotprojekt zur Kunststoffabfuhr. Dieses werde voraussichtlich im Wiler Südquartier durchgeführt, sagt Philipp Dörig, Departementssekretär Bau, Umwelt und Verkehr. Der Startschuss soll Anfang 2016 fallen. Basieren wird das Projekt auf dem Holprinzip. Das heisst: Der Verbraucher muss die gefüllten Kunststoffsäcke nicht zu einer Sammelstelle bringen, sondern kann sie zu bestimmten Zeiten vor die Tür stellen, wo sie dann abgeholt werden. «Im Rahmen des Pilotversuchs wollen wir herausfinden, wie die Bürger ein solches System annehmen», erklärt Philipp Dörig. Anhand der Rücklaufmenge könne man auch Vergleiche ziehen zu anderen Systemen wie etwa der Kunststoffsammelstelle. Das Pilotprojekt soll mindestens auf ein Jahr angelegt werden.

In welchem Rhythmus die Kunststoffabfuhr erfolgen wird und wie viel ein einzelner Sack kostet, ist derzeit noch unklar. Derzeit läuft die Detailplanung mit dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid.

Zum richtigen Zeitpunkt

Mit dem geplanten Pilotprojekt zur Kunststoffsammlung nach dem Holprinzip (Haus-zu-Haus-Sammlung) beschreitet die Stadt Wil den Pionierweg. «In unserem Verbandsgebiet gibt es dieses System bisher nicht», sagt Claudio Bianculli, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid. Die Anfrage aus Wil, ein solches Projekt durchzuführen, habe vom Zeitpunkt her gut gepasst. Auf den kommenden Oktober führen der ZAB und der benachbarte Verband KVA Thurgau in über 100 Gemeinden gleichzeitig den Verkauf von gebührenpflichtigen Kunststoffsammelsäcken ein. Diese werden an den gleichen Orten erhältlich sein wie gewöhnliche Kehrichtsäcke. Im September sollen die Rücknahmestellen (Bringstellen) ausgewiesen kommuniziert werden.

Qualität des Inhalts vergleichen

Die Kunststoffsammlung ist an sich nichts Neues mehr. Bereits seit einiger Zeit kann man den Rohstoff an diversen Stellen – etwa bei privaten Recyclingfirmen wie der Innorecycling in Eschlikon, aber auch bei den Regionalen Annahmezentren des Verbandes KVA Thurgau und der Easydrive des ZAB – abgeben.

In Zusammenarbeit mit dem ZAB und dem Verband KVA Thurgau nimmt die Migros seit 1. Januar 2014 in allen Filialen Plastikflaschen (beispielsweise Shampoo-, Essig-, Öl-, Flüssigwaschmittel-, Dünger-Flaschen) entgegen. «Diese selektive, gebührenfreie Sammlung der Grossverteiler wird auch weiterhin so bleiben», sagt Claudio Bianculli. Während das Bringsystem also bereits auf dem Vormarsch ist, müssen mit dem Holsystem erst Erfahrungen gemacht werden. Ziel sei es, nicht nur den Rücklauf der beiden Systeme miteinander zu vergleichen, sondern auch die Qualität des Inhalts, erklärt Claudio Bianculli. Denn: Nicht alle Kunststoffe sind geeignet fürs stoffliche Recycling. Was hierzu nicht dient, wird nach der Sortierung verbrannt, sprich energetisch verwertet. Je grösser der Anteil, der zu Granulat verarbeitet und wiederverwertet werden kann, desto höher der ökologische und wirtschaftliche Nutzen.