SAISONSCHLUSS: Kaiserrobe und Katerstiefel

Einmal mehr war die Dernière der «Gas gibt Kultur»-Saison den jüngsten Kulturbegeisterten vorbehalten. Aufgeführt wurde das Stück «Des Kaisers neue Kleider».

Christine Gregorin
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Schon wieder nichts anzuziehen.

Schon wieder nichts anzuziehen.

Christine Gregorin

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«Ein Märchen existiert ursprünglich dadurch, dass Menschen anderen Menschen eine unglaubliche Geschichte weitererzählen», wird in der – durch die Protagonisten aus Deutschland erarbeiteten – theaterpädagogischen Anregung erklärt. Deren Umsetzung gestaltete sich in der Folge farbenprächtig und spektakulär. Dank des musikalisch versierten instrumentalen und gesanglichen Rahmens dürfen die Prädikate abwechslungsreich, kurzweilig und unterhaltend genauso wenig fehlen. Speziell zum Staunen Anlass gab die Tatsache, mit welch geringem Aufwand das Bühnenbild innert Kürze verändert ­werden konnte. Extravagante Kostüme und insbesondere die ausdrucksstarke Gestik sowie ­bezeichnende Mimik sämtlicher Agierender sorgten im Gemeindesaal für grosse Belustigung.

Unmittelbar nach der Vorstellung zeigten die Theaterprofis dann keinerlei Berührungsängste. Finanzminister, Zeremonienmeisterin, Weber sowie Schneiderin und sogar der Kaiser höchstpersönlich standen zum Händedruck parat. Mit einem gewinnenden Lächeln auf dem Gesicht eroberten sie die Sympathien der Jüngsten im Sturm und liessen den Sonntagnachmittag zu einer unvergesslichen Erinnerung werden, was in den allermeisten Fällen selbstverständlich fotografisch festgehalten wurde.

«Gas gibt Kultur»-Saison Nummer acht im Fokus

Auf die siebte werde auch eine achte «Gas gibt Kultur»-Saison folgen, bestätigte Geschäftsleiter Marcel Gähwiler in seiner kurzen Begrüssung. Diesmal müssen die Märchenliebhaberinnen und -liebhaber indes nicht so lange Geduld haben wie bis anhin: Das nächste Theatermärchen wird bereits am 17. Dezember dieses Jahres aufgeführt. Der Titel lautet voraussichtlich «Der gestiefelte Kater».

Der Name der nach Uzwil verpflichteten Theatergruppe, Mimikri, bedeute so viel wie «Die Kunst der Verwandlung, um zu überleben», ist auf deren ­Website nachzulesen. 1982 in Frankreich gegründet, arbeitet das mobile, professionelle und freie Theater als künstlerisches Kollektiv: koordiniert und geführt von Christiane Burkard, Margret Fehrer und Lilli Schwethelm.

Anregung zu selbstbewusstem Handeln

Seit 1988 inszeniert «Mimikri» neben Programmen für Erwachsene und Jugendliche auch Theaterstücke für Kinder. Mythen und Märchen sowie Themen, die dem kindlichen Alltag entnommen sind, werden in fantastische ­Bilder umgesetzt. Dabei kommt ­folgenden Inhalten grosse ­Bedeutung zu: Ausgrenzung/Inte­gration, Schüchternheit/Selbstbehauptung, Kontroverse um ­Besitz, Friedenserziehung, Angstüberwindung, Autoritätskonflikt und nicht zuletzt die ­Anregung zu selbstbewusstem Handeln.