SAISONENDE: Abschluss mit Fanny

Schriftsteller Pedro Lenz und Musiker Christian Brantschen gastierten im ausverkauften Wiler Chällertheater.

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Eine Lesung in Berndütsch: Pedro Lenz schlüpfte im Chällertheater in die Rolle des Jackpot. (Bild: Marlies Scarpino)

Eine Lesung in Berndütsch: Pedro Lenz schlüpfte im Chällertheater in die Rolle des Jackpot. (Bild: Marlies Scarpino)

Wo ist Fanny? Wo ist die schöne Frau, dieser Freigeist? Wie ein nicht zu fassendendes Wesen schwebte sie durch den Raum. Eben wie im Roman «Di schöni Fanny» von Pedro Lenz, wo sie das einfache Leben von Jackpot durcheinanderbringt und sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Mag sein, dass die Figur fiktiv ist. Aber es ist wie immer im Leben, wenn eine Traumfrau die Bühne betritt: Die Welt verändert sich. In diesem Fall geht über dem tristen, nebligen Olten die Sonne auf und beleuchtet die ganze Szenerie. Wenigstens zeitweise.

Aber schnell zurück zur Realität, so abrupt wie die Wechsel im Leben von Jackpot, seit er sich verliebt hat. «Rückblickend hätte ich an diesem Tag vielleicht besser nicht bei Louis geklingelt», beschreibt er die erste Begegnung. In schönstem Berner Dialekt liest der Schriftsteller, der spätestens mit «Dr Goalie bin ig» den Durchbruch geschafft hatte, aus seinem Roman. Am Klavier begleitet wird er von Christian Brantschen. Es sei die musikalisch verbesserte Fanny, sagt Pedro Lenz und führt die Besucher zurück in die tragisch-komische Welt dreier ewiger Verlierer, die doch nie aufgeben.

Liebesrausch und Dialoge

Seine Gefühle für Fanny beschreibt Pedro Lenz in Liedern, die erste Begegnung erinnert ihn an den Schlager «Ich habe die Liebe gesehen», und die Fahrt ins Grüne wird geprägt durch Jacques Brels «Ne me quitte pas». Dazwischen folgen Dialoge mit den Freunden Grunz und Louis, die nicht immer bedeutungsvoll enden: «Je dunkler der Kaffee, umso besser die Stimmung. Kaffee ist ein Antidepressivum.» Doch das neue Gefühl löst bei Jackpot neue Gedanken aus: «Die Liebe kommt vor der Erkenntnis» oder «Frauen mögen wilde Männer, um sie dann zu zähmen». Fanny inspiriert ihn.

Bei der Lesung von Pedro Lenz vereinen sich Realität und Fantasie. Und wie das Leben so oft spielt, entlässt auch er die Besucher mit einer Enttäuschung. Die Beziehung zu Fanny bleibt schwierig, ohne Happy End. Denn Jackpot ist einfach nicht der coole Typ, dem die schönen Frauen an den Lippen hängen.

Thomas Riesen

redaktion@wilerzeitung.ch