«Sabine» und «Petra» verursachten regional  90 Prozent weniger Schäden als «Lothar» vor zwanzig Jahren

Viele Streuschäden, wenige Flächenschäden: So lautet die Bilanz der Wiler und Uzwiler Revierförster nach dem Wintersturm Sabine.

Andrea Häusler
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Bruno Cozzio (links) und Renaldo Vanzo vor einer gesunden Buche, die der Sturm samt dem Wurzelballen zu Fall gebracht hat.

Bruno Cozzio (links) und Renaldo Vanzo vor einer gesunden Buche, die der Sturm samt dem Wurzelballen zu Fall gebracht hat.

Bild: Andrea Häusler

Renaldo Vanzo und Bruno Cozzio sind sich einig, wenn sie die Auswirkungen der jüngsten Sturmereignisse auf die Wälder der Region einordnen: Die Schäden, welche «Petra» und «Sabine» verursachten, sind ein Abklatsch jener Zerstörung, die beispielsweise der Orkan Lothar vor gut zwanzig Jahren hinterlassen hatte. Im direkten Vergleich spricht Cozzio von einem Schadensvolumen von rund 10 Prozent gegenüber dem Ereignis vom Dezember 1999.

In Zahlen sind nach den diesjährigen Februarstürmen im Forstrevier Uzwil von Bruno Cozzio zwischen 1500 und 2000 Kubikmeter Sturmholz angefallen. Dies entspricht knapp 20 Prozent  der jährlichen Holzernte. Rund die Hälfte wurde im rund 200 Hektaren kleineren, von Renaldo Vanzo verantworteten Forstrevier Wil verzeichnet. In beiden Revieren und über diese hinaus waren es fast ausschliesslich Einzelbäume, die den Sturmböen zum Opfer fielen. «Flächenschäden gab es kaum», sagt Bruno Cozzio.

Wie Zahnstocher umgeknickt: Zahlreiche Fichten im «Buebenloo» zwischen Henau und Niederstetten.

Wie Zahnstocher umgeknickt: Zahlreiche Fichten im «Buebenloo» zwischen Henau und Niederstetten.

Bilder: Andrea Häusler

Dass eines dieser wenigen zusammenhängenden Schadensgebiete ausgerechnet in seinem Revier liegt, ist weniger dem Zufall denn problematischen waldbaulichen Massnahmen geschuldet. Am nördlichen Bahndamm zwischen Henau und Niederstetten hat «Sabine» einen Grossteil des Fichtenwalds buchstäblich abrasiert. Quer liegen die Stämme der rund 80-jährigen Bäume auf dem angrenzenden Wiesland.

Sturmschäden gehen ins Geld

 «Vor sieben oder acht Jahren war hier ein Baum auf die SBB-Gleise gefallen. Die Folge war ein Sicherheitsholzschlag», erklärt Bruno Cozzio. Aufgrund der entstandenen Lücken und der grossen Angriffsflächen hätten nun die Winde ein leichtes Spiel gehabt. Betroffen sind im Buebenloo-Wald verschiedene Waldbesitzer. Mit diesen werde nun, aufgrund der speziellen Vorgeschichte, eine finanziell verkraftbare Lösung gesucht.

Sturmschäden, sagt Cozzio, bescheren den betroffenen Grundeigentümern nicht nur Unannehmlichkeiten, sondern auch Aufräum- und Instandstellungskosten, die mit dem Holzerlös nicht aufgefangen werden können. Die Umtriebskosten beziffert er auf rund 60 Franken je Kubikmeter Sturmholz. Hinzu kämen die Folgeschäden, macht Renaldo Vanzo klar.

In derart vom Sturm zerzausten Wäldern wie jenem im «Buebenloo» leide grundsätzlich die Vitalität der Bäume. Totes Holz, aber auch versteckte Bruchstellen am verbliebenen Baumbestand lockten Schädlinge wie den Borkenkäfer an. Für die betroffenen Waldbesitzer bedeute dies letztlich einen doppelten Schaden. Rasches und effizientes Aufräumen ist deshalb nach Sturmschäden oberstes Gebot.

Im konkreten Fall des Waldgebiets bei Henau ist dies eine Herausforderung, denn diverse Stämme sind verkeilt und stehen unter Spannung. Schliesslich soll das Sturmholz möglichst rasch aufbereitet und auf den Markt gebracht werden.

Fit für die klimatischen Bedingungen der Zukunft

Der Flächenschaden im Forstrevier Uzwil ist die Folge eines Holzschlags, der im Widerspruch zu jedem forstwirtschaftlichen Fachwissen allein aus Sicherheitsgründen erfolgt war. Bruno Cozzio verhehlt das nicht. «Die Sicherheit, im konkreten Fall jene der Bahnreisenden und des Bahnpersonals, geht eben immer vor», sagt er. Dass der weitgehend aus Fichten bestehende Wald mit dem Wandel des Klimas nicht Schritt halten konnte, bestätigt er bedingt.

Tatsache sei, dass die Häufigkeit von Extremereignissen zunehme und das Waldbild sich verändere. «Wälder sind so auszurichten, dass sie vital und beweglich sind», sagt auch Renaldo Vanzo und ergänzt: Die Vielfalt und eine altersmässige Durchmischung der Bäume sorgten für die nötige Stabilität. Dem wird bei der Aufforstung des Schadengebiets Rechnung getragen. «Wenn Stürme allerdings derart stark sind, wie ‹Lothar›, nützt auch eine auf Vitalität und Stabilität ausgerichtete Bewirtschaftung nichts», sagt Vanzo.

Ruhiges Toggenburg – Schulen sind wieder geöffnet

Im Toggenburg richtete der Wintersturm Sabine in den Wäldern nur wenig Schäden an, wie Regionalförster Christof Gantner sagt. «Meist sind es Einzelbäume, die umgestürzt sind.» Die Schäden beschränken sich grösstenteils auf den unteren Teil seines Verantwortungsbereichs, wo auch die Windgeschwindigkeiten höher ausfielen. Stand Montagabend befindet sich der geschätzte Schaden im Bereich von 6000 Kubikmeter. Zum Vergleich: Die Jahresnutzung der Toggenburger Wälder beträgt zirka 90000 Kubikmeter. «Für die Waldbesitzer ist es ärgerlich, dass Sturmholz finanziell nicht attraktiv ist», sagt Gantner. Gründe dafür seien die teure und nicht ganz ungefährliche Räumung sowie mögliche Risse im Holz, wodurch ein tiefer Verkaufspreis resultiert. Zumal die Holzpreise derzeit schon tief sind.

Einzelne Schulen liessen den Unterricht am Montag ausfallen. Am Dienstag wurde der normale Betrieb wieder aufgenommen. «Bei einem Schulausfall würden wir selbstverständlich eine Betreuung zu den Blockzeiten gewährleisten», sagt Stefan Gubler, Schulleiter Wildhaus-Alt St. Johann. «Falls der Schulweg gefährlich ist, macht jedoch die Betreuung in der Schule meines Erachtens keinen Sinn.» Auch die Oberstufe Sproochbrugg in Zuckenriet blieb geschlossen; die Schüler hätten ansonsten mehrere Kilometer über offenes Gelände gehen müssen. In Jonschwil-Schwarzenbach blieben sämtliche Schulen zu. Mit einzelnen Ausnahmen sei der Entscheid gut aufgenommen worden. Schulratspräsident Köbi Zimmermann zeigt Verständnis, dass nicht überall schnelle Lösungen für die Kinderbetreuung bereitstanden. (dh)

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