Rückzug von Vorstoss, Nein zu Erklärung

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Wil Der Unmut bei Vereinen in Wil war und ist gross. Es gab solche, die, als sie eine Probe in einer städtischen Schulanlage durchführen wollten, vor verschlossenen Türen standen oder gar kein Probelokal fanden. Raumnutzungen, die früher möglich waren, sind es nicht mehr. Grund für die Probleme ist nach Ansicht von Sebastian Koller (Grüne Prowil) das vom Stadtrat erlassene Reglement über die Benutzung von Schul- und Sportanlagen. Koller wollte mittels eines Vorstosses das Reglement durch eines vom Stadtparlament erlassenes ersetzen. Einerseits aus rechtlichen Gründen, da es an einer Grundlage für den Erlass durch die Stadtregierung mangle. Anderseits, «und dies ist noch wichtiger», wie Koller am Donnerstagabend an der Parlamentssitzung sagte, aus praktischer Perspektive, um die Probleme der Vereine zu beheben. Die Fachstelle, über welche die Reservation der Räume neu läuft, «wendet eigentlich nur das Reglement an», habe es aber an Flexibilität vermissen lassen, um den Vereinen beispielsweise in den Ferien oder an Sonntagen entgegenzukommen. Skandalös findet Koller eine derartige Situa­tion, im Besonderen vor dem Hintergrund, dass der Stadtrat Wil gerne als Kultur- und Vereinsstadt bezeichne. «Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem, was gesagt und wie gehandelt wird.»

Optimierungsprozess: Vereine werden einbezogen

Wenn ein Reglement zu störenden Ergebnissen führe, sagte Koller, «dann hat es einen Fehler». Das Bedürfnis seitens der Vereine nach einer Saal- und Hallennutzung sei ausgewiesen, und zwar auch während der Ferien und an Sonntagen. Das Reglement sei zwingend zu optimieren und kundenfreundlicher zu gestalten. Stadtrat Daniel Stutz, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr, sagte, dass er im Kontakt mit der IG Wiler Sportvereine und der IG Kultur sei und deren Unzufriedenheit zur Kenntnis genommen habe. Er zeigte sich überzeugt, eine Optimierung des Systems auf Basis des geltenden Reglements zu erreichen. «Die Kultur- und Sportvereine werden in den Prozess einbezogen.» Stutz kündigte an, nach den Sommerferien ein Papier vorlegen zu können. «Der Stadtrat ist sich sicher, bald eine befriedigende Lösung finden zu können.» Stadtpräsidentin Susanne Hartmann bekräftigte ihrerseits, dass nicht das Reglement das Problem darstelle, sondern dessen Umsetzung. Die zuständigen Stellen seien angewiesen worden, den Ermessensspielraum im Reglement auszunützen und dieses grosszügig, ­flexibel und kundenfreundlich auszulegen.

Koller zog seine Motion zurück, legte der Legislative aber eine parlamentarische Erklärung vor: «Das Parlament fordert den Stadtrat auf, den städtischen Vereinen ab September die Nutzung der Schul- und Sportanlagen an Sonntagen und während der Schulferien zu ermöglichen.» Diese fiel allerdings nicht auf fruchtbaren Boden, stimmten doch lediglich 16 Parlamentarierinnen und Parlamentarier dafür, während 20 Nein sagten. (ph)