RÜCKBLICK: Historisches und eine Altlast im Lehmtobel

Der Quartierverein Botsberg hat sich und Flawils Bevölkerung zum 140. Geburtstag mit einer Ausstellung beschenkt. Im Ortsmuseum werden derzeit die Chroniken des 1877 gegründeten «Lese- und Vergnügungsvereins Botsberg und Umgebung» gezeigt.

Andrea Häusler
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Die Chroniken des 140-jährigen Quartiervereins Botsberg sind vollständig erhalten und derzeit im Museum ausgestellt.

Die Chroniken des 140-jährigen Quartiervereins Botsberg sind vollständig erhalten und derzeit im Museum ausgestellt.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Buch reiht sich an Buch. Bunte Einbände, stärker oder weniger ersichtlich verblasst und säuberlich beschriftet, lassen nur erahnen, welche vergessenen «Geheimnisse» die Inhalte der Seiten bergen. Es sind Episoden aus der 140-jährigen Geschichte eines Vereins, der allen Veränderungen der Zeit getrotzt und seine ursprüngliche Bedeutung bis heute nicht verloren hat. Die vollständig erhaltenen Chroniken des Quartiervereins Botsberg sind derzeit im Ortsmuseum ausgestellt. Nebst einer Vielzahl alter Fotografien, Zeitungsausschnitten und allerhand Dekomaterial. Für Letzteres war der Naturschutzverein Flawil und Umgebung besorgt. Dessen Mitglieder hatten die Ausstellung mit allerhand Sehens- und Greifenswertem aus dem Botsberger Riet ergänzt. Mit feuchtem Torf etwa, oder hellgrauer Seekreide.

Vertragsamkeit und Uneigennutz postuliert

Eröffnet wurde die Präsentation im ersten Stock des Museums am Samstag. Verbunden mit einer Geburtstagsfeier für jenen Flawiler Dorfverein, der am 27. Mai 1877 gegründet worden war mit dem Ziel, «dass unser Verhältnis ein freundliches und freundnachbarliches sei, dass Vertragsamkeit und Uneigennutz zur Folge hat und hiermit auch ausser unserem Gesellschaftskreis von Segen sei». Formuliert hatte den frommen Wunsch Jean Diethelm – der erste Präsident des «Lese- und Vergnügungsvereins Botsberg und Umgebung», der 1970 in «Quartierverein Botsberg» umbenannt worden war.

Dass dies nicht leere Worte waren, zeigte Gemeinderat Markus Lichtensteiger in seinem Grusswort beispielhaft auf. Uneigennutz sei 1887 bewiesen worden, als eine Spende aus dem Botsbergquartier die Beschaffung eines Saugspitz’ für die Feuerwehr ermöglicht hatte. Und es sei durchaus «freundnachbarlich» gewesen, wie die Botsberger nach der Feuersbrunst vom März 1901 neun Familien Obdach gewährt hatten.

Aktivitäten wie Vorträge, Ausflüge und die Pflege der Geselligkeit hatten den Verein und dessen Mitglieder von Anbeginn weg begleitet. In einer Zeit, zu der es kein Radio und Fernsehen gab, wie der amtierende Präsident Hans Manser am Samstag betonte. Orientiert habe man sich anhand von Zeitungen und in persönlichen Gesprächen. «Das Lesen wurde von den neuen Medien abgelöst, Mobiltelefone ersetzen heute die persönlichen Gesprächen», sagte er und fügte bei, dass der Quartierverein ­heute natürlich auch über eine Homepage verfüge. «Nichts ist beständiger als die Veränderung», schloss Manser in der Hoffnung, dass das, was gepflegt und stets verbessert wurde, noch lange erhalten bleibt.

Altlasten haben die Zeit überdauert

Dabei enthält die Vereinsgeschichte durchaus Begebenheiten, die der Veränderung getrotzt haben. Markus Lichtensteiger: «1959 hätten die Botsberger in einem Zeitungartikel um mehr Rücksichtnahme bei der Schuttablagerung gebeten. Elf Jahre später wurde die ‹Schutti› bei den heutigen Tennisplätzen geschlossen.» Und die Altlasten? Die ­beschäftigten Flawil unter dem Titel «Sanierung Lehmtobel» noch heute.

Hinweis

Die Chroniken bleiben im Orts­museum ausgestellt und können auch an den Sonntagen vom 4. Juni, 18. Juni und 2. Juli – zwischen 14 und 17 Uhr – besichtigt werden.

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