Rückblick

Die Wurzeln der heutigen UBS liegen in Lichtensteig

Vieles, was heute gross ist, hat einmal klein angefangen. Das trifft auch auf die Schweizer Grossbank UBS zu.

Hans Suter
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Im Städli Lichtensteig liegt der Ursprung der heutigen UBS.

Im Städli Lichtensteig liegt der Ursprung der heutigen UBS.

Bild: Martin Knöpfel

Das global tätige Finanzinstitut mit den drei Buchstaben UBS ist 1997 aus dem Zusammenschluss der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) mit dem Schweizerischen Bankverein (SBV) hervorgegangen. Die SBG wiederum ist 1912 aus der Fusion der Bank Winterthur mit der Bank Toggenburg entstanden.

Bedürfnis nach Bankkrediten

Einer der zwei Ursprünge der UBS beginnt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Wattwiler Nachbarstädtchen Lichtensteig und ist eng mit dem Aufstieg der Toggenburger Baumwollindustrie verbunden. Durch die mechanische Entwicklung entstanden fabrikmässige Grossbetriebe, die einen steigenden Kapitalbedarf besassen. Zudem stieg das Bedürfnis nach Bankkrediten infolge der Geld- und Handelskrise, die 1863 mit dem amerikanischen Bürgerkrieg ihren Anfang nahm. Es war daher kaum verwunderlich, dass aus Handels- und Industriekreisen der Ruf nach einer Toggenburger Bank erklang.

Bankgründung in Lichtensteig

Am 6. April 1863 gründeten regionale Wirtschaftsleute in der alten «Krone» in Lichtensteig die Toggenburger Bank. Zu den Initiatoren gehörte Arnold Schweitzer, der später als Direktor 30 Jahre lang die Geschicke der Bank bestimmte. Vor seiner Ernennung leitete er die Ersparnisanstalt Toggenburg, eine Sparkasse, die später von der Toggenburger Bank übernommen wurde. Diese Tochtergesellschaft, die unter getrennter Rechnungsführung betrieben wurde, verwaltete die Einlagen ihrer Sparer und vergab Hypotheken.

Die Übernahme der Toggenburgischen Ersparnisanstalt in Wattwil durch die Ersparnisanstalt Toggenburg im Jahr 1891 führte zu einem erheblichen Bilanzwachstum. Die Toggenburger Bank als Mutterhaus tätigte selber verschiedene Bankgeschäfte. Von Anfang an war der Kontokorrentverkehr, die Kreditvergabe an Handel und Industrie, eine tragende Säule. Aufgrund der internationalen Beziehungen fragte die einheimische Wirtschaft zudem bereits im 19. Jahrhundert nach Devisengeschäften. Das Institut entwickelte sich zu einer Volks- und Handelsbank, die auch der Landwirtschaft zugetan war.

Niederlassungen in Wattwil, Wil und Flawil eröffnet

Nach beinahe 50-jährigem Bestehen gehörte die Toggenburger Bank in der Schweiz zu einer Gruppe mittelgrosser Banken und genoss hohes Ansehen. Sie war nicht nur im Toggenburg aktiv, sondern baute schrittweise in der ganzen Ostschweiz ein Filialnetz auf. So kamen zum Hauptsitz in Lichtensteig Zweigniederlassungen in Rorschach, St.Gallen, Wattwil, Flawil, Rapperswil und Wil dazu.

Fusion mit der Bank Winterthur

In der Zeit um 1912 setzte in der Schweiz ein fortschreitender Prozess der Bankenkonzentration ein. Diese Tatsache veranlasste die Bank Winterthur zu ersten Annäherungsversuchen, indem sie der Toggenburger Bank eine Fusion vorschlug. In Lichtensteig lehnte man ein solches Vorgehen jedoch ab, da der Wille zur Unabhängigkeit schlicht grösser war. Doch innerhalb kürzester Zeit änderten die Verantwortlichen ihre Meinung. Zum einen versprachen sie sich von einem Zusammengehen Vorteile bei weiteren Aktienemissionen und zusätzliche Liquidität. Zum anderen erkannten die Verantwortlichen der Toggenburger Bank, dass das relativ eng beschränkte Wirkungsfeld in der Ostschweiz und die Abhängigkeit von der Textilindustrie problematisch sind. Nach nur sechs Wochen Verhandlung einigten sich die Verwaltungsräte der beiden Gesellschaften auf den Fusionsvertrag der späteren Schweizerischen Bankgesellschaft. Am 17. Oktober 1912 stimmten die Aktionäre der beiden Banken in Winterthur und Lichtensteig dem Projekt grossmehrheitlich zu.

Allein hätte die Bank kaum überlebt

Zu einem der interessantesten Geschäftszweige der alten Bank gehörte die Sparkassen- und Hypothekarabteilung. Da die SBG eher eine Handelsbank war, wurde dieser Teil herausgelöst und fortan selbstständig als Ersparnisanstalt Toggenburg AG geführt. Obschon die Region durch diesen Schritt ein mit den lokalen Verhältnissen vertrautes Bankinstitut erhielt, taten sich viele Toggenburger schwer mit dem Gedanken, dass die alte Toggenburger Bank in einem grösseren Gebilde aufging.

Die Frage, ob die Fusion wirklich notwendig war, wurde im Nachhinein in der Region oft gestellt. Während der späteren Krise in der Stickereiindustrie erlitt die Schweizerische Bankgesellschaft erhebliche Verluste. Sie konnte diese Rückschläge aufgrund ihrer Grösse tragen, für die Toggenburger Bank allein wäre dies kaum möglich gewesen. (cal/hs)

Quellen: Die Toggenburger Bank, 1863–1912, Emil Walder, St. Gallen, 1914 Schweizerische Bankgesellschaft, Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum, 1962