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Damals: Schlechtes Passfoto als Reisehindernis

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Dass die Qualität der Passfotos den Einwohnerämtern nicht genügt, ist keine Seltenheit.

Dass die Qualität der Passfotos den Einwohnerämtern nicht genügt, ist keine Seltenheit.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

25. Juni: Vom Wetter. Eine unangenehme Bescherung brachte uns der Wettersturz zu Anfang dieser Woche. Bis auf 1200 Meter herunter fiel Schnee und im Tale sank die Temperatur auf 5 Grad, sodass verschiedenerorts eingeheizt werden musste. Auf den höheren Alpen im Obertoggenburg war man genötigt, das Vieh wieder ins Tal zu treiben, da es an nötigem Futter fehlte. – Vom Säntis meldet man unterm 22. Juni 30 Zentimeter Neuschnee. Seither hat sich das Wetter wieder aufgeheitert.

29. Juni: Lichtensteig. Der in Lugano verstorbene Postkursinspektor Wilhelm Roos hat in seinem Testament auch seiner Vaterstadt gedacht und sie mit einem Vermächtnis von 5000 Fr. für den Hausarmenfond bedacht. Im Weiteren fällt der Realschule Lichtensteig ein Teil seiner Bibliothek, d. h. die für diesen Zweck passend erscheinenden Bücher zu.

Endlich wird ein allfälliger Rest der Roosschen-Erbschaft – nach Abzug der testamentarischen Ausrichtungen – dem obgenannten ortsbürgerlichen Hausarmenfond zuerkannt. Diese Vergabungen an seine Heimatgemeinde sind, wie der Verstorbene vor bald 30 Jahren einem hiesigen Freunde erklärte, die Dankesfrucht eines Stipendiums, das ihm seinerzeit von der Ortsverwaltung Lichtensteig gewährt wurde.

Vor 50 Jahren

25. Juni: Wattwil. Öl in der Thur. Gestern früh schlug ein Fischer bei der Feuerwehr Wattwil Ölalarm. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, dass Öl von der Kanalisation in den Bleikenbach und von dort aus in die Thur floss. Anwohner der Thur beklagten sich über widerlichen Gestank. Bis zur Stunde steht nicht eindeutig fest, woher das Öl stammt, denn sämtliche in Frage kommenden Tanks wurden geprüft und für in Ordnung befunden.

Durch den Unfall gelangte auch ölhaltiges Wasser in den Fabrikationsbetrieb der Firma Heberlein, sodass die Feuerwehr mit Wasserpumpen fast den ganzen Tag über für einwandfreie Wasserzufuhr sorgen musste. Beim Bleikenbach wurde eine Sperre errichtet. Mit Bindemitteln konnte das ausfliessende Öl später aufgehalten und anschliessend abgesogen werden.

30. Juni: Ebnat-Kappel darf für sich beanspruchen, den besten Fernsehempfang dank der Erstellung einer Gemeinschaftsantenne geschaffen zu haben. Diese ermöglicht es, 6–8 Fernsehprogramme und eine grosse Zahl von UKW-Sendern in bester Bild- und Tonqualität störungsfrei zu empfangen.

Heute sind es bereits 400 angeschlossene Teilnehmer, die sich der ausgezeichneten Empfangsverhältnisse erfreuen. Diese Tatsache nahm die Dorfkorporation zum Anlass, ein kleines Aufrichtfest zur offiziellen Eröffnung der Antennenanlage zu veranstalten, das im Saale des Hotels Traube mit einer Demonstration an verschiedenen Empfangsgeräten seinen Auftakt nahm.

Vor 20 Jahren

27. Juni: Wattwil. ARA: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Wattwil, Lichtensteig und Bütschwil. Die Gemeinden Wattwil, Lichtensteig und der Abwasserverband Bütschwil planen den Abschluss einer gemeinsamen Vereinbarung. Zweck dieser Vereinbarung ist laut Wattwiler Gemeinderat die Regelung der gegenseitigen Stellvertretungen und die Regelung der Pikettdienste in den Kläranlagen Wattwil, Lichtensteig und Bütschwil.

Die Kläranlagen verfügen über mindestens je einen fest angestellten Klärmeister. Die Träger der drei Anlagen streben an, die Klärmeister nach den Richtlinien des Verbandes Schweizerischer Abwasserfachleute (VSA) bestmöglich auszubilden. Die Ausbildung erfolgt stufenweise entsprechend der Arbeitspraxis.

29. Juni: Toggenburg. Schlechtes Passfoto als Reisehindernis. Das Einwohneramt ist auch dann gefragt, wenn das Volk in die Ferien fährt. Mit frühzeitigen Informationen sorgen die Ämter in der Region dafür, dass die Ferien nicht durch abgelaufene Pässe und Identitätskarten getrübt werden. Für die Ausstellung oder Verlängerung eines Reisepasses müsse mit ungefähr einer Woche gerechnet werden, ist dem Mitteilungsblatt der Gemeinde Kirchberg zu entnehmen, die Ausstellung einer neuen Identitätskarte dauert ungefähr zehn Tage.

«Falls ein Pass gefordert wird, ist es auch Sache der Reisebüros, ihre Kunden darauf hinzuweisen», sagt Esther Fässler vom Einwohneramt Lütisburg. Bernadette Scherrer vom Einwohneramt Ganterschwil erwähnt die Fotoqualität als kritischen Punkt: Die Fotos für die Identitätskarte werden per Scanner eingelesen, deshalb müssen die Bilder in Bezug auf Grösse und Qualität gewissen Anforderungen genügen. «Es kommt nicht selten vor, dass wir jemanden nach Hause schicken müssen, da die Bildqualität nicht ausreicht», sagt Bernadette Scherrer.

Vor 10 Jahren

25. Juni: Oberhelfenschwil. Frau Klingler hat die Post geheiratet. Paul Klingler hat während 47 Jahren für die Schweizerische Post gearbeitet. Nach der Heirat mit Heidi Klingler ist auch sie in den Dienst dieses Unternehmens getreten. Gemeinsam haben sie in den letzten 10 Jahren die Poststelle Oberhelfenschwil geführt, die heute letztmals geöffnet ist.

Die Reaktionen zeigen, dass die Schliessung der Poststelle im Dorf für die Einwohner eine einschneidende Veränderung ist. Paul Klingler kann das gut verstehen: «Die Post war früher ein Statussymbol für ein Dorf. Aber die Zeiten ändern sich, die Bedürfnisse der Menschen und ihre Lebensgewohnheiten sind anders geworden und die Post muss sich darauf einstellen», sagt er. Monika Gmür hat 21 Jahre und 7 Monate lang in Oberhelfenschwil die Post ausgefahren. Weil es ihr bei der Post auf Anhieb gefiel, sagte sie sich damals: Bei der Post bleibe ich bis zur Pension. Und so ist es denn auch gekommen. Gestern fuhr sie ihre letzte Tour.

30. Juni: Ebnat-Kappel. Böden schützen – Feuchtigkeit messen. Mehrere Glasröhren ragen im Dicken, Ebnat-Kappel aus dem Boden. Manch ein Wanderer wird sich gefragt haben, was das zu bedeuten hat. Des Rätsels Lösung: eine Bodenfeuchtemessstation. Durch das Befahren von Böden verdichtet sich der Untergrund. Luftaustausch, Wasserhaushalt und Wurzelwachstum werden dadurch beeinträchtigt.

In der Folge sinkt der pflanzenbauliche Ertrag und der Aufwand für die Bewirtschaftung nimmt zu. Wer Boden mit schweren Fahrzeugen befahren oder Erdreich mit Maschinen bewegen muss, sollte die Bodenfeuchtigkeit kennen. Je nach Bodenfeuchte sind die Arbeiten zu verschieben, bis der Boden trockener ist.