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Rotmilan-Junges in Oberbüren gedeiht prächtig

Eine Forschungsgruppe der Vogelwarte Sempach begleitet die Entwicklung eines Rotmilans. Sein Nest befindet sich auf einer Eiche in Glattburg.
Kathrin Meier-Gross
Kräftige Krallen und ein scharfer Schnabel werden dem jungen Rotmilan bei der Jagd nützlich sein. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Kräftige Krallen und ein scharfer Schnabel werden dem jungen Rotmilan bei der Jagd nützlich sein. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Die Vogelwarte Sempach untersucht in einem mehrjährigen Projekt den Rotmilan in den Kantonen Freiburg und Bern. Um ihr Leben zu erforschen, werden die Vögel mit solarbetriebenen Sendern ausgestattet. Eines der Rotmilanweibchen aus dem Projekt ist in die Ostschweiz geflogen und hat in Glattburg, Oberbüren, einen Partner gefunden. Die Vogelwarte hat darauf den Natur- und Vogelschutzverein Uzwil (NVU) um Unterstützung angefragt.

Elisabeth Burkhard und Jürg Kolb vom NVU haben seither das Nest regelmässig mit dem Feldstecher beobachtet und der Vogelwarte darüber berichtet. Anfang Juli ist deren Projektteam ein erstes Mal nach Glattburg angereist und hat den flauschigen, gut 22 Tage alten Nestling gewogen und vermessen. Drei Wochen später erfolgte die zweite Untersuchung. Eins vorweg: Der junge, kräftige Greifvogel ist bei bester Gesundheit und bald bereit für seine ersten Flugversuche.

Nahrungsangebot muss stimmen

Rotmilane bauen ihre Nester auf über 20 Meter hohen Bäumen. Zwischen den Zweigen finden sich darin oft auch Plastik und andere «zivilisatorische» Materialien für den Nestbau. Gerne nutzen Milane auch leere Nester von anderen Vögeln. Brutzeit ist von Ende März bis Juli. Aus den eins bis drei Eiern schlüpfen nach durchschnittlich 32 Tagen die jungen Vögel.

Anfänglich übernimmt das Männchen die Fütterung der Jungen und des Weibchens. Später beteiligt sich auch das Weibchen an der Jagd. Nach gut 50 Tagen sind die Jungen flügge und erkunden die Gegend. Für den Bruterfolg sind sowohl die Witterung als auch das Nahrungsangebot massgebend. Die Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass Regen und niedrige Nahrungsverfügbarkeit das Überleben negativ beeinflussen, vor allem wenn die Rotmilane noch sehr jung sind. Rotmilane erbeuten ihre Nahrung im Jagdflug. Auf ihrem Speisezettel stehen Kleinsäuger wie Mäuse oder Junghasen, Kleinvögel, Fische, Amphibien, Würmer und auch Aas. Sie räumen beispielsweise totgefahrene Tiere auf. Natürliche Feinde sind der Uhu, Habicht und Baummarder.

In wenigen Tagen wird er flügge, der junge Rotmilan. Mit stoischer Ruhe lässt er sich untersuchen. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

In wenigen Tagen wird er flügge, der junge Rotmilan. Mit stoischer Ruhe lässt er sich untersuchen. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Stephanie Witczak studiert Ökologie an der Universität Zürich und schreibt ihre Doktorarbeit im Rotmilanprojekt. Die Studentin sagt:

«In der Schweiz besteht im Gegensatz zu einigen anderen Ländern eine stabile und sogar wachsende Rotmilan-Population.»

Sie betonte die Wichtigkeit, diese Tiere zu schützen. Dank den GPS-Daten der aktuell etwa 300 besenderten Tiere wird bei Todesfällen nach den Ursachen gesucht, auch im Ausland. Rotmilane sind langlebig und können über 20 Jahre alt werden.

Unerwarteter Besuch im Nest

Währenddessen ist Valentijn van Bergen, Feldassistent im Projekt, auf die von Efeu umrankte Eiche emporgeklettert. Heftiges Rufen aus der Höhe lässt erahnen, dass der Jungvogel am unerwarteten Besuch keine Freude hat. Vorsichtig packt der Assistent das Tier in einen Rucksack und lässt es an einem Seil herunter. Gewicht und Flügelspannweite werden gemessen. Parasiten sind keine zu finden. Erstaunlich ist, dass der schön gezeichnete Jungvogel mit seinem gelbschwarzen Schnabel und den kräftigen Füssen keinerlei Fluchtreaktion zeigt. Den Schnabel hält er weit offen, die Zunge lässt er heraushängen.

«Er stellt sich tot. Eine Überlebensstrategie dieser Vögel», erklärte Stephanie Witczak. Hoch oben am Himmel sind unterdessen zwei Rotmilane aufgetaucht, die ihre Runden ziehen und wieder verschwinden. «Rotmilane sind zum Glück nicht sehr aggressiv», sagt die Doktorandin. Nach einer Blutentnahme packt sie das Tier vorsichtig in den Rucksack. Wenige Minuten später hockt der junge Rotmilan wieder in seinem Nest und wartet auf das Mittagsmahl. Rotmilane sind oft standorttreu. Über den Winter ziehen viele, vor allem die Jungen, nach Frankreich, Spanien und Portugal.

Ein Winterquartier befindet sich Oberuzwil

Dank den GPS-Sendern konnte die Vogelwarte zeigen, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, in den Süden zu ziehen, sinkt. Viele in der Schweiz überwinternde Rotmilane versammeln sich an sogenannten Schlafplätzen, wo sich manchmal über 100 Tiere einfinden. Einer davon befindet sich in Oberuzwil. Ein ungelöstes Rätsel ist, wie sich die Tiere verständigen und diese Winterquartiere finden.

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