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ROSSRÜTI: Einzigartig in der Ostschweiz

Hirsmontag – der Tag der Wiler in Rossrüti. Das war einst. Der Brauch scheint jedoch wieder vermehrt Besucher anzulocken, vor allem aus Wil und auch aus dem Dorf. Ein Blick in die Geschichte und Gegenwart.
Zita Meienhofer
Bereits seit einigen Tagen wurde von dem Restaurant Rössliguet in Rossrüti auf diesen besondern Brauch, den Hirsmontag, hingewiesen. (Bild: Zita Meienhofer)

Bereits seit einigen Tagen wurde von dem Restaurant Rössliguet in Rossrüti auf diesen besondern Brauch, den Hirsmontag, hingewiesen. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Heute ist ein besonderer Tag in Rossrüti. Heute wird dort ein Brauch zelebriert, der kaum in einem anderen Ort in der Ostschweiz Tradition hat. Der Hirsmontag oder «Hirsmäntig». Pilgerten vor einigen Jahrzehnten alle Wiler, die Rang und Namen hatten, an diesem Tag nach Rossrüti, beklagten die Rossrüter noch vor einigen Jahren, dass der Brauch nicht mehr so intensiv gepflegt werde. Doch nun scheint der Hirsmontag aufs Neue an Beliebtheit zu gewinnen. «Die Wiler kommen wieder vermehrt», sagt Andreas Breitenmoser, Präsident der Guggenmusig Rossbolle und Koordinator des Anlasses. Allgemein habe es mehr Leute. Das hat auch Elisabeth Koller, die seit 20 Jahren im Restaurant Rössliguet wirtet, festgestellt: «Der Hirsmontag ist besser besucht als auch schon.»

Hirsmontag in Rossrüti 1771 erstmals erwähnt

Der Hirsmontag – mit unterschiedlichem Hintergrund und verschiedenen Bräuchen – fand im 19. Jahrhundert in etlichen Regionen in der Schweiz statt – vor allem in den Kantonen Luzern und Aargau. Erste Hinweise auf einen Hirsmontag in Rossrüti sind einem Protokoll des Rats von Wil vom 4. Februar 1771 zu entnehmen: «Es soll den Kapuzinern wegen des Küechlimahles zwei und wegen des Hirsmontages ein Eimer Wasser gegeben werden.» Das Küechlimahl fand damals am Funkensonntag statt. Aus einer anderen Schrift ist zu lesen: «Am Hirsmontag wurden – seit wann ist nicht bekannt – eine Anzahl Herren von Wil zum Mittagessen eingeladen. Es fand am ersten Montag der vierzigtägigen Fastenzeit statt.» Willi Olbrich hat in seinem Buch «Rossrüti und der Hirsmäntig» die Herkunft dieses Brauchs erforscht. Er schreibt, dass weder das Gerücht, dass der Nieselberg einst wegen ein paar Säcken Hirse in Zeiten der Hungersnot an die Wiler getauscht worden, irgendwo belegt sei, noch eine Verbindung zur Zehnten-Abgabe bestehe. «In einer zuverlässigen Quelle», so Olbrich, sei vom Montag nach dem Funkensonntag als Hirschmäntig die Rede. Hirschmäntig deshalb, weil im «Rössli» jeweils von einer Anzahl fröhlicher Gesellen aus der Äbtestadt ein Hirschkönig gewählt wurde. Diesem Hirschkönig soll ein Geweih auf den Kopf gesetzt worden sein und er hatte die Tafelrunde zu präsidieren. Es soll allerlei Schabernack getrieben und dieser sogar protokolliert worden sein. Allerdings sind die im «Rössli» aufbewahrten Protokolle verloren gegangen. Olbrich sinniert, ob da allenfalls ein Verein mit Protokollführung am Hirsmontag ins benachbarte Rossrüti zog, um fernab des katholisch geprägten Wil nochmals seinen Spass zu haben. Alles Mutmassungen. Belegt ist einzig, dass seit den 1930er-Jahren alle Restaurants des Dorfes zum besonderen Hirsmontag-Mahl einluden. Besucher waren allerdings nur Wiler Ortsbürger in Begleitung von Kapuzinern. Erst, als Anfang der 1970er-Jahre ins «Rössliguet» zur Metzgete eingeladen wurde, öffnete sich der Anlass für alle Besucher.

Vier Lokalitäten – vier verschiedene Speisen

Von den einst vier Restaurants Rössliguet, Sternen, Sonne (heute Valentino) und Hirschen laden die drei erstgenannten immer noch zum Hirsmontag ein. Hinzu kam die Hirsebeiz der Guggenmusik im Freizeithaus. Anlass, dass die Gugger aktiv wurden, war die Tatsache, dass vor rund 20 Jahren zwei der vier Restaurants geschlossen hatten. Ein Zirkulieren – wie es üblich gewesen war – wäre ohne Hirsebeiz nur eingeschränkt möglich gewesen, sagt Breitenmoser. Nun, der Hirsmontag lebt wieder auf. Zwar bleiben die Gäste nicht bis früh morgens, obwohl Freinacht ist. Trotzdem bilanziert Elisabeth Koller: «Der Hirsmontag ist einer der besten Tage im Jahr.»

Hinweis

Heute Montag findet in Rossrüti der Hirsmontag statt. Folgende Lokalitäten sind geöffnet und bieten verschiedenen Speisen an:

Restaurant Rössliguet:

ab 11.30 Uhr, Rossrüterli oder Pouletbrüstli an Zitronen- oder Curryrahmsauce, Fitnessteller, Desserts.

Restaurant Sternen:

ab 17 Uhr, Fischknusperli, Chäschüechli, Thai-Curry, Frühlingsrollen.

Guggenmusig Rossbolle im Freizeithaus:

ab 17 Uhr, Gerstensuppe.

Pizzeria Valentino:

ab 17 Uhr.

Rössliguet-Bar mit DJ:

ab 19 Uhr.

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