ROLLSTUHLSPORT: Silberpfeil holt Gold

Marcel Hug hat sich seinen Traum erfüllt: An den Paralympics in Rio gewann er Gold – gleich zweimal. Das war aber noch längst nicht alles im Jahr 2016.

Ralf Rüthemann
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Ralf Rüthemann

ralf.ruethemann@thurgauerzeitung.ch

Mehr kann er nicht mehr erreichen. Marcel Hug hat im Rollstuhlsport alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Jetzt kann er seine Siege nur noch wiederholen und seinem Namen als Thurgauer Sportlegende alle Ehre machen. «Es gibt noch ein paar Weltrekorde, die ich noch nicht habe», sagt Hug. «Zum Beispiel jenen im Marathon.» Und diejenigen Rekorde, die er hat, möchte er noch verbessern. Langweilig wird es dem 30-jährigen Rollstuhlsportler aus Pfyn also trotz allem nicht.

Die «Swiss-Silver-Bullet», wie Hug wegen seines silbernen Helmes genannt wird, vervollständigte dieses Jahr das ohnehin schon makellose Palmarès mit zwei Goldmedaillen an den Paralympics im 800-Meter-Lauf und im Marathon. Im 1500-Meter-Lauf hatte er Gold in einem Fotofinish knapp verpasst und auch im Rennen über 5000 Meter reichte es «nur» für Silber.

An den Swiss Sports Awards vor knapp zwei Wochen wurde er wegen dieser grossen Erfolge bereits zum vierten Mal in Folge und insgesamt fünften Mal zum Behindertensportler des Jahres gewählt. Und auch der Titel «Thurgauer des Jahres» ging dieses Jahr an Marcel Hug.

Hug reiht Sieg an Sieg

Doch die vier Medaillen an den Paralympics waren längst nicht alles, was Marcel Hug im Jahr 2016 gewonnen hat. Am 18. April legte er mit dem Sieg am Boston-Marathon den Grundstein für das wohl erfolgreichste Jahr in seiner ganzen Karriere. Von da an reihte er Sieg an Sieg. Bereits eine Woche später nahm er am London-Marathon seine nächste Goldmedaille entgegen. Nach weiteren Siegen am IPC Grand Prix in Rio, am Strassenrennen in Schenkon, am 1500-Meter-Rennen der Spitzen-Leichtathletik in Luzern, am IPC Grand Prix Final in London, an der Athletissima in Lausanne und am Strassenrennen in Steinen folgten die Grosserfolge an den Paralympics. Sein Trainings- und Wettkampfplan war voll auf dieses Ereignis ausgerichtet, was sich auch ausbezahlen sollte. Eine Pause gab es nach den Paralympics für Hug noch keine. Er reiste praktisch direkt nach Berlin und holte dort den nächsten Marathonsieg. Weiter ging es mit der Goldmedaille am Chicago-Marathon. Danach folgte der einzige kleine Rückschlag für Hug im Jahr 2016: Am Oita-Marathon in Japan erwischte er eine Kurve nicht, fuhr in eine kleine Mauer und musste das Rennen wegen Materialschadens beenden. Doch am New-York-City-Marathon funktionierte wieder alles und Hug fuhr seinen sechsten Marathonsieg im Jahr 2016 ein.

Wie es mit seiner Karriere weitergeht, weiss Hug bereits. Zumindest, was die nächsten vier Jahre betrifft: «An den Paralympics in Tokio im Jahr 2020 werde ich sicher noch dabei sein. Danach schauen wir weiter.»