Römer wachten auf dem Eppenberg: Neue Funde belegen frühere Besiedlung der Region als bisher angenommen

Das Ortsmuseum präsentiert römische Münzen, die in der Nähe der einstigen Burg Eppenberg gefunden worden sind. Sie belegen, dass die Region schon vor der Ersterwähnung besiedelt gewesen sein muss.

Tobias Söldi
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Die Burg Eppenberg hat einen römischen Hintergrund. (Bild: Tobias Söldi)

Die Burg Eppenberg hat einen römischen Hintergrund. (Bild: Tobias Söldi)

Die Geschichte Oberuzwils müsse «teilweise neu geschrieben werden». Mit dieser nicht gerade bescheidenen Ankündigung lud das Ortsmuseum Oberuzwil die Presse zur neuen Ausstellung ein, die morgen Sonntag offiziell eröffnet wird. Grund für die Aufregung sind acht Münzen und einige weitere Gegenstände, die in den vergangenen Monaten auf dem Gemeindegebiet gefunden worden sind. Eine der Münzen sorgte für eine grosse Überraschung. Sie zeigt den römischen Kaiser Flavius Magnus Magnentius, der in den Jahren 350 bis 353 nach Christus regierte. Der Schluss liegt nahe: Die Römer waren auf dem Eppenberg.

Früher besiedelt als angenommen

Ulrich Gubler, Co-Leiter des Ortsmuseums

Ulrich Gubler, Co-Leiter des Ortsmuseums

«Wir haben den Verdacht, dass auf dem Eppenberg einst ein römischer Wachturm stand, auf dessen Ruinen die Burg Eppenberg aufgebaut wurde», erklärt Ulrich Gubler, Co-Leiter des Ortsmuseums. Der Wachturm könnte dabei Teil des römischen Alarmsystems gewesen sein. Auf jeder Anhöhe stand damals ein Wachturm, der mit Rauch oder Feuer dem benachbarten Turm eine Gefahr signalisierte. Eine gezeichnete Rekonstruktion der Burg weist in der Tat eine auffällige Ähnlichkeit zu römischen Wachtürmen auf. Von dieser Rekonstruktion inspiriert, fertigte Gubler gleich einen Modellbogen der Burg an, der sich in der Ausstellung auch erwerben lässt.

Johannes Gunzenreiner, Co-Leiter des Ortsmuseums

Johannes Gunzenreiner, Co-Leiter des Ortsmuseums

Der Fund der Magnentius-Münze fügt der Frühgeschichte der Region Oberuzwil ein neues Kapitel hinzu. Bis jetzt war lediglich eine Besiedlung seit 1200 Jahren gesichert. «Alles über diese Zeit hinaus war bloss vermutet», sagt Johannes Gunzenreiner, Co-Leiter des Museums. Erstmals erwähnt wurde die Region im Jahr 819, in der Akte einer Gerichtsverhandlung, die von einem Güterstreit handelt und sich heute im Stiftsarchiv St. Gallen befindet. «Uzzinuuirlare» klingt wie ein Wort einer exotischen Sprache, meint aber die heutige Region Uzwil und Oberuzwil. «Man geht davon aus, dass es damals eine kleine Besiedlung von vielleicht 30 bis 50 Leuten gab», sagt Gunzenreiner. Das anstehende 1200-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr wird das Museum trotz – oder gerade wegen – den neuen Funden gebührend feiern.

Auslöser für die Suche nach archäologischen Stücken in Oberuzwil war eine Ausstellung der Kantonsarchäologie St.Gallen, in denen Funde aus der Region um die Thur, darunter auch römische Stücke, ausgestellt wurden. Der Oberuzwiler Ueli Hänsenberger war überzeugt, auch hier fündig zu werden. Er ist ein Bekannter von Gubler und leidenschaftlicher Prospektor – jemand, der im Auftrag der Kantonsarchäologie nach archäologischen Fundstücken sucht. So machte sich Hänsensberger mit Gubler auf die Suche. Sie fanden Schokoladenpapier, Wurstklammern, aber eben auch Münzen, Schmuck, Musketenkugeln und Knöpfe von Trachten.

Veränderungen im Dorf zeigen

In einem zweiten Raum wirft das Ortsmuseum einen Blick auf die nähere Vergangenheit von Oberuzwil. «Wir möchten die Bevölkerung auf die Veränderungen im Dorf aufmerksam machen», so Gunzenreiner. Ausgestellt werden Bleistiftzeichnungen des «alten» Uzwils von der Oberuzwilerin Heidi Hartmann. Ergänzt werden diese durch Abzüge von Glasfotos, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden sind. Ulrich Gubler hat sie digitalisiert, vergrössert und jedem ein aktuelles Foto zum Vergleich zur Seite gestellt. «Es sind sehr schöne Zeitdokumente», findet er.

Hinweis
Die historische Ausstellung und die Glasfotos können bis März 2019 besucht werden, die Zeichnungen von Heidi Hartmann bis Ende Jahr. Das Ortsmuseum hat jeden zweiten Sonntag von 14 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt ist gratis.