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Das Turnier der «Ritter der schwarzen Lanze» ist einer der Höhepunkte des Hof-Spektakels in Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Das Turnier der «Ritter der schwarzen Lanze» ist einer der Höhepunkte des Hof-Spektakels in Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Ritter und Rüstungen in der Äbtestadt: Wil reist ein Wochenende lang zurück ins Mittelalter

Am Hof-Spektakel in Wil steht alles im Zeichen des Mittelalters. Schausteller, Musiker und Markthändler verwandeln die Weierwise und Reitwiese in ein Heerlager – mit Waffen, Feuer und Tavernen.
Linda Müntener

Der Turniermeister hebt seine Hand. Das Volk jubelt. Dann: Pferdegalopp. Ritter Hartmann von Brandenburg reitet auf den Platz. Er trägt eine schwarze Rüstung, sein Wappen und eine Lanze in der Hand. Hinter ihm seine zwei Kontrahenten. Die besten Recken des Landes, so sagt man sich, treten heute in Wil gegeneinander an. Ein Turnier zu Ehren des Königs' Geburtstags. Die Ritter kämpfen um seine Gunst. Aber sie wollen vor allem den jeweils anderen besiegen. Denn sie bringen ihre Zwistigkeiten mit in die Arena. Die Spannung steigt.

Diese Szene spielt sich nicht anno 1273, sondern 2019 ab. Samstagnachmittag, Reitwiese, Wil. Der Auftritt der «Ritter der schwarzen Lanze» ist einer der Höhepunkte des Wiler Hof-Spektakels. Die Äbtestadt reist dieses Wochenende zurück ins Mittelalter. Auf der Reitwiese und der Weierwise zeigen Hunderte Schausteller, Marktfahrer und Musiker, wie anno dazumal gelebt wurde.

Über 50 Markthändler verkaufen ihre Waren

Das Fest ist das grösste seiner Art in der weiteren Region. Und es ist in der Szene angesehen. Auch deshalb, weil die Veranstalter bemüht sind, alles so authentisch wie möglich zu gestalten. Das fängt schon beim Einlass an. Die Eintrittspreise werden in «Talern» beziffert, vor dem Eingang haben sich zwei Ritter postiert.

Auf dem Gelände liegt der Duft von Feuer, Holz und verbrannten Kräutern in der Luft. Marktstand an Marktstand reiht sich auf der Weierwise. Die Händler, lange Gewänder und Fuchsfelle über den Schultern, verkaufen Beerenwein, Edelsteine, Messer oder Pfeil und Bogen. Im Bogenschiessen kann man sich neben dem Stand gleich selber üben. «Wichtig ist, Spannung bis zum Mund und viel Kraft auf den Bogen zu geben», erklärt der Fachmann. Auch Axt- oder Messerwerfen und Armbrustschiessen stehen auf dem Programm. Die Samariter sind vor Ort.

(Bild: Ralph Ribi)(Bild: Ralph Ribi)
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Die Bilder vom mittelalterlichen Hof-Spektakel in Wil: Wie vor 700 Jahren mit Show-Charakter

Auch beim Kulinarischen orientiert man sich an längst vergangenen Zeiten. Eine Olma-Bratwurst oder Zuckerwatte sucht man zu Hofe vergeblich. Dafür werden «Köstliches vom Federvieh», Flammbrot aus dem Ofen oder Bier im Tonkelch angeboten. Über dem Feuer dreht sich ein Spanferkel. Die «Sau im Semmel» gibt's für 14,5 Taler. Auf der Bühne gegenüber geben die Bohemian Bards mittelalterliche Klänge zum Besten, stilecht mit Fidel, Dudelsack und Cister.

Schlafen im Zelt, aufwärmen am Feuer

Im mittelalterlichen Heerlager leben die Schausteller wie anno dazumal. Etwa 200 mittelalterlich Gewandete, darunter viele aus Süddeutschland, schlafen hier drei Tage lang im Zelt. Diese sind mit Fellen und Kissen ausgestattet. In der Nacht auf Freitag fiel hierzulande der erste Schnee, der Winter naht, die Nacht ist kalt. Wärme spendet das Feuer vor dem Zelt. Über diesem wird gekocht, dafür ist das «Weib» zuständig, denn auch die Rollenverteilung ist ganz altertümlich, wie ein Balken mit der Beschriftung «Frauenwaffen» veranschaulicht. Daran aufgehängt: Besen, Pfanne, Nudelholz.

Kochen im Topf über offenem Feuer: Im Heerlager leben die Schausteller wie anno dazumal. (Bild: Ralph Ribi)

Kochen im Topf über offenem Feuer: Im Heerlager leben die Schausteller wie anno dazumal. (Bild: Ralph Ribi)

Die Männer messen sich derweil in der Arena. Bedeutungsschwanger schreitet ein Bärtiger auf den Platz, die Trommel um den Bauch geschnürt, und schlägt im Takt. Dann schlagen zwei Ritter – in Rüstung, versteht sich, wild aufeinander ein. «Auch der Schild wird als Waffe eingesetzt», erklärt ein Schausteller. Durch ein Band an der Rüstung erkenne man in der Schlacht, wer für wen kämpfe.

«Das sieht voll krass aus», flüstert ein Bub seiner Mutter zu. Zwei Jugendliche diskutieren, ob ein Schwert oder eine Keule die bessere Waffe sei.

«Mit dem Schwert musst du zielen können, mit der Keule kannst du einfach voll draufhauen.»

Die Besucherinnen und Besucher kommen nicht nur aus Wil und der Region, sondern auch aus Zürich, aus dem Tessin oder von ennet der Grenze. Viele von ihnen sind verkleidet und sehen so aus, als wären sie einem Geschichtsbuch entsprungen. «Das Mittelalter ist ein besonderes Lebensgefühl, das fasziniert mich», sagt eine von ihnen. «Es macht einfach Spass, in diese Welt abzutauchen.»

Die Sponsorensuche geht weiter

Organisatoren des Wiler Hof-Spektakels machen der Mangel an Sponsoren und das Wetterpech der vergangenen Jahre zu schaffen. Sollte es auch diesmal regnen, sei der Anlass gefährdet, sagte OK-Präsident Philippe Weder im Vorfeld. Und prompt meinte es Petrus nicht nur gut mit den Mittelalter-Fans.

Schon wieder hatte das Hof-Spektakel Wetterpech. Während am Samstag ein paar Stunden die Sonne schien, regnete es am Sonntag teils in Strömen. Wie sehr enttäuscht sie das?
Philippe Weder: Enttäuschung ist das falsche Wort. Das Wetter kommt nunmal so, wie es kommt. Dagegen können wir nichts tun. Am Sonntag ist das Publikum vor der Bühne im Sumpf herumgesprungen. Der Regen tut der Stimmung da keinen Abbruch. Die Leute, die hier waren, hatten ihren Spass.

Philippe Weder, OK-Präsident.

Philippe Weder, OK-Präsident.

Erwartet wurden 10’000 Besucherinnen und Besucher. Wurde diese Zahl erreicht?
Für eine Bilanz ist es noch zu früh, wir haben noch nicht abgerechnet.

Findet das Hof-Spektakel im kommenden Jahr wieder statt?
Dazu können wir ebenfalls noch keine Aussage machen. Auch nicht dazu, ob das Spektakel künftig allenfalls nur noch alle zwei Jahre stattfinden wird. Wir sind angewiesen auf externe Gelder. Nach dem Spektakel ist vor dem Spektakel – die Sponsorensuche geht weiter. Die Entscheidung hängt davon ab, ob wir genügend finden.

Was war ihr persönlicher Höhepunkt?
Dass am Samstag unerwartet doch noch die Sonne herausgekommen ist und das Wetter schöner wurde. Die Leute sind auf das Areal geströmt. Die Stimmung war genial. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es diese mittelalterliche Musik schafft, die Leute mitzureissen. (lim)

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