Risse im neuen Tunnel Engi in Bütschwil: Machte das Baudepartement falsche Vorgaben bezüglich der Art des Betons?

Wenn die Umfahrung Bütschwil nächstes Jahr eröffnet wird, hat sie punktuell bereits erste Sanierungsarbeiten hinter sich. Nun äussert sich die Regierung.

Hans Suter
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Die Anzahl und Grösse der Risse im Tunnel Engi ist unerwartet gross.
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Der Tunnel Engi bildet den nördlichen Anfang der Umfahrung Bütschwil. Das Bauwerk liegt in einer Wanne und weist bei einer Länge von 500 Metern eine maximale Längsneigung von 4,5 Prozent auf. Der Tunnel wurde im Tagbau erstellt. Im Norden und Süden weist das Bauwerk knappe Überdeckungen auf.
Blick in den Tunnel Engi.
Blick in den Tunnel Engi.
Der Tunnel wurde im Tagbau erstellt. Im Norden und Süden weist das Bauwerk knappe Überdeckungen auf.
Mittels Injektionen werden die Risse gefüllt und abgedichtet.

Die Anzahl und Grösse der Risse im Tunnel Engi ist unerwartet gross.

Bild: PD

Seit 2014 wird an der Umfahrung Bütschwil gebaut. Ein wichtiges Teilstück ist der Tunnel Engi am nördlichen Anfang der Umfahrung. Dieser wurde von 2014 bis 2016 im Tagbau erstellt und wird zurzeit vor allem als Bauzufahrt zu den weiteren Teilstücken gebraucht. Die Eröffnung der Umfahrung ist für September 2020 vorgesehen.

«Doch am Tunnel Engi sind bereits Risse entstanden.»

Das stellte der Kirchberger Kantonsrats Linus Thalmann (SVP) fest. Seit Monaten würden diese durch Spezialfirmen behandelt. «Offenbar entstehen laufend neue Risse, die wieder repariert werden müssen.»

Um sich Klarheit über die Vorgänge zu verschaffen, ist er mit einer Interpellation an die Regierung gelangt. Insbesondere wollte Thalmann wissen, seit wann das Baudepartement Kenntnis von den Rissen hat, was die Ursache ist und ob möglicherweise falsche Vorgaben bezüglich der Art des Betons gemacht worden sind. Da viel Technik im Spiel ist, fallen die Antworten der Regierung entsprechend kompliziert aus.

Keine eindeutige Ursache für die Risse feststellbar

«Erste Rissbildungen wurden bereits im Rahmen der Erstellung des Tagbautunnels festgestellt, und die Anzahl der Risse vermehrte sich während des Abbindeprozesses», schreibt die Regierung. In der sogenannten Nutzungsvereinbarung der Bauherrschaft, welche die Grundlage für die Projektierung und Ausführung bilde, sei festgelegt worden, welche Anforderungen der Beton an welcher Stelle erfüllen müsse. Das sei eingehalten worden. Für die «überraschend grosse Anzahl» von Rissen gebe es keine eindeutige Ursache.

Mit einzelnen Rissen, die ausinjiziert werden müssen, habe das Tiefbauamt gerechnet. Solche Risse entstünden durch die Behinderung des Schwindens (Schrumpfens), die durch die überaus hohe Frühfestigkeit des Betons und durch konstruktive und ausführungstechnische Details hervorgerufen worden sei. Warum der Beton schneller als erwartet abgebunden hat, wird laut Kantonsingenieur Marcel John ein Rätsel bleiben, weil es viele mögliche Ursachen gebe.

Komplexität nicht zu unterschätzen

John gibt zu bedenken, dass die Komplexität im Betonbau grösser sei als allgemein angenommen. Als Beispiel nennt er die Frostbeständigkeit des Betons. Beton mit mehr Poren erlaube ein besseres natürliches Wachsen und Schwinden bei grossen Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschieden. Dichterer Beton hingegen verhindere das Eindringen von Wasser. Deshalb werde Beton «nach Eigenschaften» verwendet. Das bedinge allerdings die Entscheidung, welche Eigenschaften vorrangig seien.

Der Beton wurde als normengerechter «Beton nach Eigenschaften» ausgeschrieben worden.

Die Vermutung von Linus Thalmann, dass vom Baudepartement falsche Vorgaben bezüglich der Art des Betons gemacht worden sind, wird in der Antwort der Regierung verneint. Der Beton sei als normengerechter «Beton nach Eigenschaften» ausgeschrieben worden. Damit sei der Betonlieferant für die Einhaltung der ausgeschriebenen Eigenschaften des Betons verantwortlich. Die beauftragte Unternehmung und ihr Betonlieferant hätten in ihrer Offerte denn auch keine Vorbehalte gegenüber dem ausgeschriebenen Beton geäussert, so dass die Bauherrschaft von einer korrekten Ausschreibung habe ausgehen können.

«Die Risse sind verfüllt und der Tunnel ist dicht»

Der Betonlieferant habe die bestellte Betonart für diesen Bau nicht in Frage gestellt. Nach der Feststellung erster Risse hätten aber Gespräche zwischen der Bauherrschaft, dem Projektverfasser und der ausführenden Arbeitsgemeinschaft stattgefunden. Dies mit dem Ziel, die Zahl der Risse zu reduzieren, wie die Regierung in der Interpellationsantwort schreibt. Dabei seien konstruktive und ausführungstechnische Details angepasst und über die Zusammensetzung des Betons diskutiert worden. Da die Bauherrschaft einen «Beton nach Eigenschaften» bestellt habe, liege die Verantwortung über die Zusammensetzung des Betons beim Betonlieferanten. Für die weiteren Tunnelbauten an der Umfahrung Bütschwil habe die Bauherrschaft nach längeren Diskussionen eine Betonzusammensetzung, die nicht normenkonform sei, akzeptiert. Linus Thalmann sieht darin die Bestätigung, dass in Teilen falscher Beton verwendet worden sei. «Dass das eingestanden wird, stellt mich zufrieden», kommentiert er.

«Die Risse sind in der Zwischenzeit verfüllt und der Tunnel Engi ist dicht.»

Laut der Regierung war die Tragsicherheit des Tunnels Engi durch die vorhandenen Risse nie beeinträchtigt. «Die Risse sind in der Zwischenzeit verfüllt und der Tunnel Engi ist dicht.» Nach der erfolgreichen Injektion der Risse seien auch die Gebrauchstauglichkeit und die Dauerhaftigkeit des Bauwerks erfüllt. Für die Injektion der Risse sei mit Kosten in der Höhe von 500000 Franken zu rechnen. Der Kostenvoranschlag für den Tunnel Engi werde aber trotz dieser zusätzlichen Massnahmen deutlich unterschritten. Die Umfahrung Bütschwil kostet laut Voranschlag 200 Millionen Franken.

Nur mit der Antwort zufrieden

Ist Linus Thalmann mit den Antworten der Regierung zufrieden? «Ich bin mit der Antwort zufrieden, mit dem Sachverhalt nicht», sagt der Kirchberger SVP-Kantonsrat. Es werde zugegeben, dass nach längeren Diskussionen nicht normkonformen Beton zugelassen werde. «Also war der verwendete Beton falsch», folgert Linus Thalmann. «Weil dies eingestanden wird, bin ich zufrieden», sagt er. Nicht zufrieden ist er mit dem Umstand, dass Schäden dieser Art noch vorkommen. Als Nichtbaufachmann könne er nicht nachvollziehen, warum der im Tagbau erstellte Tunnel nicht von Anfang an besser abgedichtet worden sei.

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