RISIKO: Gefährliches Spiel mit dem Feuer

Himmelslaternen kommen vermehrt auch in der Region bei Hochzeiten oder anderen Festanlässen zum Einsatz. Sie sind jedoch im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich.

Gianni Amstutz
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Wenn mehrere Himmelslaternen zur selben Zeit starten, erhöht sich das Risiko eines Brandes. (Symbolbild: Takeaway)

Wenn mehrere Himmelslaternen zur selben Zeit starten, erhöht sich das Risiko eines Brandes. (Symbolbild: Takeaway)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Sie sehen wunderschön aus, bringen den Nachthimmel zum Leuchten und erfreuen sich vor allem an festlichen Anlässen zunehmender Beliebtheit. Die Rede ist von Himmelslaternen. Die beliebten Partyartikel sind jedoch brandgefährlich. Der Niederbürer Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein ist auf die Problematik der Himmelslaternen aufmerksam geworden und rät der Bevölkerung, keine unbemannten Heissluftballone steigen zu lassen.

Gemeinde kann keine Bewilligung erteilen

«Ein Verbot existiert zwar nicht», erklärt Hollenstein. Wer jedoch Himmelslaternen steigen lasse, dürfe das nur, wenn die Verhältnisse es erlaubten. Dabei müsse die Person, welche die Laterne steigen lässt, garantieren können, dass es durch diese nicht zu einem Brand komme. Auf der Internetseite des Bundesamts für Zivilluftfahrt wird für Himmelslaternen eine Maximalreichweite von bis zu fünf Kilometern angegeben. «In unserer Gemeinde ist das sichere Steigenlassen von Himmelslaternen daher faktisch gar nicht möglich», sagt Hollenstein. Deshalb könne der Gemeinderat keine Bewilligungen erteilen. Nach den Worten des Gemeindepräsidenten sind es jährlich zwei bis drei Anfragen.

Nicht bei dichter Besiedlung und Trockenphasen

Der Kommandant der Feuerwehr Uzwil, Mirco Miotto, bestätigt die Gefahr, die von Himmelslaternen ausgehen kann, und appelliert an die Eigenverantwortung der ­Bevölkerung. «Sobald man die Laterne in den Himmel steigen lässt, gibt man die Kontrolle über das Feuer ab. Wenn die Laterne durch den Wind abgetrieben wird, während des Fluges Feuer fängt oder am falschen Ort runterkommt, besteht das Risiko eines Brandes.» Miotto rät deshalb davon ab, Himmelslaternen in Gebieten mit dichter Besiedlung oder während Trockenphasen mit erhöhter Brandgefahr steigen zu lassen.

Doch nicht nur die Gefahr, unabsichtlich ein Feuer zu verursachen, geht von den glühenden Flugobjekten aus. Sie verursachen auch Abfall, da sie von den Leuten, die sie steigen lassen, meist nicht zusammengeräumt werden. Der entstandene Abfall kann für Tiere wiederum gefährlich werden, wenn er ins Viehfutter gelangt. Die Metalldrähte, die in den meisten Himmelslaternen vorhanden sind, können zu inneren Verletzungen führen.

Personen haften bei Schaden durch Himmelslaternen

Konkrete Vorfälle habe es in Niederbüren bisher keine gegeben, sagt der Gemeindepräsident. «Aber ich will nicht erst dann reagieren, wenn etwas passiert ist.» Deshalb habe er sich entschlossen, die Bevölkerung über die Gefahren der Himmelslaternen aufzuklären. Denn Fakt ist: Wenn eine Himmelslaterne zur Ursache eines Brandes wird, ein Tier durch Drähte verletzt wird oder Abfall liegen bleibt, machen sich der Festveranstalter oder Mitglieder der Festgesellschaft strafbar und müssen mit einer Anzeige rechnen.

Ein Blick über die Grenze beweist, dass es sich bei den fliegenden Lampions um einen alles andere als harmlosen Partyartikel handelt. Im Jahr 2010 starb in Deutschland ein zehnjähriger Junge bei einem Brand, der durch eine Himmelslaterne verursacht wurde. Seither sind sie in den meisten Bundesländern verboten. In Österreich und weiten Teilen Grossbritanniens ist das Steigenlassen ebenfalls illegal. Nicht jedoch in der Schweiz. Lediglich im Umfeld von Flugplätzen sowie in einigen Städten wie Zürich oder Bern existiert ein Verbot.