RINDVIEH: Suhlen neben der Braunviehherde

Seit fünf Jahren leben Wasserbüffel und Braunviehkühe auf demselben Hof im thurgauischen Wallenwil. Auf die einen oder die anderen zu verzichten, kommt für Gisela und Christoph Schneider nicht in Frage.

Ruth Bossert
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Die erdige Badelandschaft haben sich die Wallenwiler Büffel selber erarbeitet. (Bild: Ruth Bossert)

Die erdige Badelandschaft haben sich die Wallenwiler Büffel selber erarbeitet. (Bild: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

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Hier die Schwarzen, dort die Braunen. In den beiden Kalbergattern auf dem Hofplatz der Familie Schneider geht es zu und her wie in einer Kinderstube. Mal stehen die Kälblein ganz friedlich zusammen, mal rempeln und stossen sie einander und kurze Zeit später liebkosen sie sich wieder. «Die Braunvieh- wie auch die Büffelkälblein verhalten sich ähnlich», erklärt der Meisterlandwirt Christoph Schneider, während er das kleinste Büffelkalb am Hals krault. Weil heute beide Lehrlinge anwesend sind und zum Rechten schauen, haben Gisela und Christoph Schneider Zeit für einen Schwatz am Küchentisch. Der Verkauf von Büffelfleisch komme bei der Bevölkerung gut an und auch schon seien iranische Staatsbürger vor der Stalltüre gestanden und wollten frische Büffelmilch kaufen, erzählt Gisela Schneider.

Wasserbüffel aus dem Neuenburger Jura

Christoph Schneider wuchs mit einem Zwillingsbruder auf dem elterlichen Hof in Balterswil auf. Er interessierte sich seit Kindsbeinen für das Braunvieh, weshalb er familienintern immer schon der junge Bauer war. Doch Christoph lernte zuerst Heizungsmonteur und liess sich erst im Zweitberuf zum Meisterlandwirt ausbilden. Als sein Vater 2003 pensioniert wurde, übernahmen er und seine Frau den Betrieb, bauten ein neues Wohnhaus beim Stall in Wallenwil und prüften Alternativen zur Milchwirtschaft. Als erstes investierten sie in eine Halle für Geflügel und liefern seither rund siebenmal pro Jahr um die 5000 Hühnchen der Firma Frifag in Märwil ab. An der Olma lernten Schneiders die Firma Züger Frischkäse AG kennen, welche auf der Suche nach potenziellen Büffelhaltern war. «Die Sache kam dann rasch ins Rollen», erzählt der Landwirt. «Die Tiere gefielen uns, die In­frastruktur auf dem Hof passte und so kauften wir im November 2011 ein Dutzend Rinder und ein paar Monate später den passenden Muni aus dem Val de Travers im Neuenburger Jura.»

Bereits im darauf folgenden Jahr gaben die Büffel zum ersten Mal Milch, welche Schneiders fortan zweimal die Woche an die Firma Züger in Oberuzwil zur Herstellung von Büffelmozzarella ablieferten. Auch wenn der Milchpreis beim Euroschock um 20 Prozent zusammenfiel, bezahlt Züger heute immer noch zwischen 2.20 und 2.70 Franken für einen Liter. Die jungen weiblichen Tiere blieben in Schneiders Stall und bis heute hat sich die Herde auf 23 Büffelkühe erweitert. Das Ziel, ungefähr gleich viele Kühe und Büffel zu haben, sei nun fast erreicht, schildern sie. Sie erwähnen aber gleichzeitig, nur auf Büffel zu setzen, wäre für sie der falsche Weg. Zum einen sei der Absatz in die dorfeigene Käserei, wo die Milch zu Appenzeller Käse verarbeitet wird, noch besser als anderswo. Zum anderen könnte sich Schneider auch emotional nicht vom Braunvieh trennen. «So haben wir drei gesunde Standbeine mit der Kuhmilch, der Büffelmilch und den Poulets.» Zusätzlich haben sie vor zwei Jahren angefangen, alle acht Wochen zwei fünf bis sieben Monate alte Büffelkälber metzgen zu lassen und das Fleisch in Dreikilopaketen ab Hof zu verkaufen. «Das Geschäft läuft ganz gut», sagt Gisela Schneider, die sich um das Verpacken und den Verkauf kümmert.

Büffel müssen sich suhlen können

Und wie gestaltet sich die Arbeit mit Wasserbüffeln und Milchkühen auf demselben Betrieb? Der Meisterlandwirt erklärt, dass beide Herden wohl unter demselben Dach, aber als zwei autonom geführte Herden gehalten werden. Das Klima bereite den Büffeln keine Mühe, sie lieben den frischen Schnee und das kühle Nass einer Suhle, erklärt er und zeigt auf eine erdige Badelandschaft, die sich die Büffel selber erarbeitet haben. «Wenn diese trockenliegt, lasse ich einfach wieder Wasser einlaufen, damit sie ihrem Vergnügen frönen können.» Die Wasserbüffel seien empfindsam, sensibel, aber auch anhänglich. Bezüglich der Fütterung seien sie anspruchslos, sie fressen Gras und Heu und weiden am liebsten draussen.

Auf dem Hof geht es oft turbulent zu und her. Vier Kinder zwischen acht und sechzehn Jahren, zwei Lehrlinge und der Betriebsleiter und seine Frau, die alle Hände voll zu tun haben. Es brauche eine gute Organisation, dann laufe der Betrieb ganz ordentlich. Zumindest in den Frühlingsmonaten komme es öfters vor, dass sich der Chef aufs Bike schwinge. Für die Feuerwehr, den Vorstand des Braunviehverbandes und das Amt als Lektor in der Kirche müsse hingegen die freie Zeit noch reichen, sagt Christoph. Gisela hingegen ist schon glücklich, wenn sie die Arbeit ungestört ausführen kann, Zeit für die Kirchenvorsteherschaft und die Landfrauen findet und hin und wieder ein Buch lesen kann.