Richter und Schlichter aus Passion

Am 28. Februar wählen die Hinterthurgauer ihre Richter neu. Alex Frei ist Präsident des Bezirksgerichts Münchwilen. Der leidenschaftliche Rennvelofahrer und CVP-Kantonsrat hält mit seiner politischen Meinung nicht zurück und stellt sich klar gegen die Durchsetzungs-Initiative.

Olaf Kühne
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Gerichtspräsident Alex Frei steht vor seinem Arbeitsort, dem Bezirksgericht Münchwilen. (Bild: Olaf Kühne)

Gerichtspräsident Alex Frei steht vor seinem Arbeitsort, dem Bezirksgericht Münchwilen. (Bild: Olaf Kühne)

MÜNCHWILEN. Graumeliert, adrett gekleidet, charmantes Lächeln – Alex Frei ist eine gewinnende Persönlichkeit. Tagsüber möchte man ihm dennoch nur ungern gegenübersitzen. Frei ist Präsident des Bezirksgerichts Münchwilen. In dieser Funktion stellt er sich am 28. Februar der Wiederwahl. Nicht zum erstenmal.

Seit 1987 ist Alex Frei Richter im Hinterthurgau, bereits sein Praktikum nach dem Jusstudium absolvierte er am Bezirksgericht Münchwilen. Zwischenzeitlich war der bald 60-Jährige auch als Rechtsanwalt tätig. Seinem Naturell entspreche aber das Richteramt mehr, erzählt er. «Ich bin ein gerechtigkeitsliebender Mensch.» Als Anwalt sei er – naturgemäss – ein reiner Interessenvertreter gewesen. «Als Richter kann ich viel besser Recht und Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen.» Objektiv, unparteiisch und unvoreingenommen. Frei betont die drei Attribute – und sieht sich nicht nur als Richter, sondern auch als Schlichter. «Es befriedigt mich, wenn ich zerstrittene Parteien zusammenführen und ihnen dabei helfen kann, eine Lösung zu finden, die gar keines Urteils durch das Gericht mehr bedarf.» Entsprechend lieber seien ihm Zivilrechtsfälle, die denn auch zwei Drittel der Arbeit des Bezirksgerichts ausmachen. «Im Zivilrecht haben wir mehr Gestaltungsspielraum als im Strafrecht.»

Verantwortung kann belasten

Letzteres bietet zwar die für die Öffentlichkeit spektakuläreren Fälle. Die Verantwortung könne für einen Richter zuweilen aber auch zu einer Last werden. «Nicht nur gegenüber den Angeklagten», betont Frei, «auch gegenüber den Opfern. Eine mehrjährige Gefängnisstrafe ist ein enormer Einschnitt in das Leben eines Menschen.» Entsprechend sei er froh und dankbar, diese Verantwortung nicht alleine tragen zu müssen. «Wir tagen immer mindestens in Dreierbesetzung. Wenn die Anklage eine Gefängnisstrafe von über drei Jahren fordert, gar in Fünferbesetzung.» Dabei könne er auf gute Mitarbeiter zählen; sowohl auf die Berufs- wie auch auf die nebenamtlichen Richter. Die Bezeichnung «Laienrichter» für letztere hört Frei nicht gerne. «Das sind vollwertige Richter, Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die für uns Profis mit ihren zusätzlichen Meinungen und Sichtweisen eine wertvolle Stütze sind.»

Bruch mit Verhältnismässigkeit

Weniger eine Rolle spiele hingegen die Parteizugehörigkeit. «Die mag für unsere Wähler eine zusätzliche Orientierungshilfe sein. In der täglichen Rechtsprechung stelle ich hingegen keine Unterschiede fest – und das ist auch richtig so.» Frei ist CVPler durch und durch, sitzt für die Christdemokraten auch im Kantonsrat. Er vertrete indes nicht nur die Parteimeinung, sondern vor allem auch seine Überzeugung als Richter, wenn er sich gegen die Durchsetzungs-Initiative der SVP, die just auch am 28. Februar an die Urne kommt, ausspricht. «Die Initiative hebelt die Gewaltentrennung aus und bricht mit der Verhältnismässigkeit.» Bereits die Ausschaffungs-Initiative sei sehr streng, aber die gelte es nun anzuerkennen.

Ausgleich auf dem Rennvelo

Es sind also nicht nur juristische Fälle, die Alex Frei beschäftigen. Nebst dem Gerichtspräsidium und dem Kantonsratsmandat amtet der Eschliker als Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Sirnach. Von einem Ausgleich zum zuweilen belastenden Richteramt will er dabei nicht sprechen. «Dafür setze ich mich lieber aufs Rennvelo, das ist meine grosse Leidenschaft.» Das Kirchenpräsidium sei für ihn eher eine Art Abwechslung, die es ihm erlaube, sich auch mal um ganz alltägliche Dinge wie Bauarbeiten zu kümmern. Selbst wenn es auch in der Kirche hin und wieder Konflikte zu schlichten gebe – und sei es nur um das Läuten der Kirchenglocken.

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