RETTUNGSVERSUCH: Keine Steuergelder für den FC Wil

Der Stadtrat beantwortet das Gesuch der FC Wil 1900 AG um finanzielle Unterstützung negativ. Der in argen Finanznöten steckende Fussballclub bat um 200000 Franken für die Jahre 2017 und 2018.

Hans Suter
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Es sieht düster aus im Bergholz: Die FC Wil 1900 AG steckt seit dem Ausstieg der türkischen Investoren in einer Finanzkrise. (Bild: Benjamin Manser)

Es sieht düster aus im Bergholz: Die FC Wil 1900 AG steckt seit dem Ausstieg der türkischen Investoren in einer Finanzkrise. (Bild: Benjamin Manser)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

«Der Stadtrat kann aus finanzrechtlichen Gründen auf das Gesuch der FC Wil 1900 AG nicht eintreten. Eine finanzielle Unterstützung an die FC Wil 1900 AG durch Steuergelder wird ausgeschlossen.» Diese zwei Beschlüsse hat der Wiler Stadtrat gemäss einer Medienmitteilung am Mittwoch gefällt und dem Verwaltungsrat der FC Wil 1900 AG mitgeteilt. Verwaltungsratspräsident Roger Bigger war gestern nicht erreichbar für eine Stellungnahme.

Am späten Abend des 23. Februar 2017 reichte die FC Wil 1900 AG dem Stadtrat ein schriftliches Gesuch um finanzielle Unterstützung ein (diese Zeitung berichtete). In diesem Schreiben werden für den Betrieb der Nachwuchsmannschaften E-11, FE-12, FE-13 und FE-14 sowie U-15, U-16 und U-20 Beiträge von 200000 Franken erbeten, verteilt auf zwei Jahre.

FC Wil 1900 AG kann nicht Gesuchstellerin sein

Der Stadtrat argumentiert, der erbetene Betrag von 200000 Franken liege nicht in seiner Finanzkompetenz, was einer Delegation des FC Wil bei einem Gespräch dargelegt worden sei. Die Entscheidung für Beiträge oder Darlehen von mehr als 100000 Franken lägen beim Parlament oder dem Stimmvolk. Dem Stadtrat lägen ausserdem keine detaillierten Kenntnisse über den aktuellen Stand der Sanierungsmassnahmen und die finanzielle Lage der FC Wil 1900 AG vor. Die zur Verfügung stehenden Informationen reichten für eine fundierte, gesicherte Beurteilung nicht aus.

«Der Stadtrat erachtet es als nicht opportun, Steuergelder in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft zu investieren, nicht zuletzt auch aufgrund der intransparenten finanziellen Situation», schreibt Stadtpräsidentin Susanne Hartmann in der Medienmitteilung. Zudem könne auch mit einer Sprechung von Geldern durch den Stadtrat ein Konkurs der FC Wil 1900 AG nicht ausgeschlossen werden, was die Rechtfertigung der Einsetzung von Steuergeldern zusätzlich erschwere.

Der Stadtrat erklärt sich aber bereit, im Rahmen seiner Finanzbefugnisse von 100000 Franken eine finanzielle Unterstützung für die Fortführung des Trainings- und Spielbetriebs der Juniorenmannschaften zu prüfen. Dabei könne aus seiner Sicht jedoch nicht die FC Wil 1900 AG als Gesuchstellerin agieren, sondern eine mögliche Nachfolgeorganisation für die Übernahme des Nachwuchsbetriebs. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann weist zugleich darauf hin, dass eine finanzielle Unterstützung der FC Wil 1900 AG durch die Stadt Wil – sei es im Jugend- oder Erwachsenenbereich – bereits heute Tatsache sei. Denn der FC Wil profitiere bei der Benützung der Sportanlagen vom Betriebsbeitrag der Stadt von jährlich 1,5 Millionen Franken an die Wiler Sportanlagen AG (Wispag).

Nach dem plötzlichen Ausstieg der türkischen Investoren sitzt der FC Wil auf exorbitanten Fixkosten. Darunter sind Spielersaläre von bis zu 50000 Franken pro Monat. Durch Lohnverzicht von bis zu 80 Prozent versucht die Vereinsführung den Konkurs abzuwenden. Noch haben nicht alle Betroffenen eingewilligt.