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RETTUNG: Schutzengel für Bambi

Jahr für Jahr sterben unzählige Rehkitze bei der Heuernte. Abhilfe schaffen nun die Jäger selbst. Mit Hilfe von Infrarotkameras auf Drohnen spüren sie zuverlässig die kleinen Tiere auf: Schauplatz Region Wil.
Jörg Rothweiler
Das gefundene Rehkitz wird am rechten Ohr markiert und dann in sicherer Umgebung freigelassen. (Bild: Jörg Rothweiler)

Das gefundene Rehkitz wird am rechten Ohr markiert und dann in sicherer Umgebung freigelassen. (Bild: Jörg Rothweiler)

Jörg Rothweiler

redaktion@wilerzeitung.ch

Dunkel hängen die Gewitterwolken der Nacht über dem südlichen Thurgau nahe Wils. Die Sonne ist noch müde, jetzt, um fünf Uhr in der Früh. Doch Martin Ebner, erfahrener Jäger und Jagdpächter der Jagdgesellschaft Wängi-Heidelberg, Konstantin Fuchs, Walter Herren und Sepp Störchli sind «auf der Jagd». Nicht mit Büchse, sondern mit Hightech. Mit Hilfe einer Drohne, die eine Infrarotkamera trägt, suchen sie Wiesen, welche die Bauern am nächsten Tag mähen, nach Rehkitzen ab. Eine wichtige Aufgabe; zwischen Mai und Juni werden auf Schweizer Wiesen bis zu 2000 Rehkitze vermäht.

Das Sterben unter dem Messer des Mähwerkes ist für die Tiere besonders qualvoll – und für die Bauern brandgefährlich. Geraten Kadaver in die Silage, vermehrt sich darin ein Bakterium, das im Futter der Nutztiere tödlich sein kann. Die Bauern versuchen darum durch genaues Beobachten des Wildes, das Aufstellen von Scheuchen (Verblenden) oder das Begehen der Wiesen die Rehgeissen dazu zu bewegen, ihre Kitze aus der Gefahrenzone zu führen. «Leider gewöhnen sich ältere, erfahrene Rehgeissen an die Scheuchen und reagieren oft nicht mehr», sagt Ebner. «Junge Muttertiere indes haben Angst vor den Tüchern, Blinklampen oder Alufolien – und lassen ihre Jungen in der Wiese zurück.»

Die Drohne weist den Suchern den Weg

Martin Ebners Team hat schon vielen Kitzen das Leben gerettet. Meldet ein Landwirt, dass er eine Wiese im Revier mähen will, stellt das Team am Vorabend Scheuchen auf. Am frühen Morgen stösst Konstantin Fuchs dazu. Er programmiert und pilotiert die Drohne, die dann in 15 Meter breiten Bahnen aus rund 40 Metern Höhe die Wiese absucht. Das Bild der Wärmekamera wird auf zwei Monitore übermittelt. Rehkitze, noch warme Lagerplätze der Rehgeiss sowie in einer Wiese gut versteckte andere Tiere werden auf diesen als gelb leuchtende Punkte angezeigt.

Heute ist es bei der dritten Wiese so weit. Mitten unter einer Hochspannungsleitung leuchten zwei gelbe Punkte auf. Sofort steigt bei allen der Adrenalinspiegel. Walter Herren schnappt sich den zweiten, mobilen Bildschirm und geht los. Vorsichtig stapft er durchs nasskalte Gras. Eigentlich sollte er sich bald selbst auch als Leuchtpunkt auf dem Bildschirm sehen können. Doch die Hochspannungsleitung stört den Funkempfang, weshalb Herren das Bild immer wieder verliert. Dann entdeckt er das Kitz. «Jöööh, ist das herzig!» Das Adrenalin weicht einem Schwall Glückshormonen. Vorsichtig drückt Herren das Gras zur Seite, reibt die Hände über den Boden und an den Grashalmen. Dann versieht er das Kitz flugs mit einer Ohrmarke. «Wenn man es richtig macht, darf man Rehkitze anfassen», beruhigt er. Das zwei Wochen alte Kitz springt spontan auf und hüpft quietsch-fidel Richtung Wald, aus dem die Mutter mit Rufen lockt. Etwas später finden die Rehkitzretter noch zwei weitere Tiere, am übernächsten Tag spüren sie gar fünf auf. Deren Überleben hat das frühe Aufstehen und den Aufwand mehr als belohnt.

Kostenloser Service für die Landwirte

Die Bauern kostet der Service der Rehkitzretter nur einen Anruf. Martin Ebners Team arbeitet, abgesehen von einer kleinen, nicht einmal kostendeckenden Entschädigung für den Piloten, der das rund 15000 Franken teure System zur Verfügung stellt, für Gottes Lohn. Anmelden müssen die Bauern eine Wiese, die sie mähen wollen, spätestens am Vortag. Die Rehkitzretter fliegen diese dann am frühen Morgen ab. Der Landwirt sollte indes innert zwei Stunden mähen, damit kein Reh zwischenzeitlich wieder ein Kitz in die Wiese führt.

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