Wie die Spieler des TTC Wil und des BC Uzwil den Restart in der NLA erlebt haben

Reportage
Wie die Spieler des TTC Wil und des BC Uzwil den Restart in der NLA erlebt haben

Bilder: Tim Frei, Matthias Zindel

Nach fast halbjährigem Unterbruch ging es für die NLA-Teams des Badmintonclubs Uzwil und des Tischtennisclubs Wil endlich wieder mit der Meisterschaft weiter. Und dies mit Erfolg. Zählende Spieler oder Junioren, fehlende Zuschauer: Für einmal stand nicht nur der Sport im Vordergrund.

Tim Frei
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So sehr sich die Sportler auf die Fortsetzung der Meisterschaft freuten, so eigenartig war die Stimmung. Was daran lag, dass die Spiele entsprechend Bundesvorgaben ohne Zuschauer stattfinden mussten. Ein Besuch der NLA-Heimspiele der beiden Vereine Tischtennisclub Wil und Badmintonclub Uzwil zeigt, dass für einmal nicht nur der Sport im Fokus stand.

Die Spieler müssen selber für Emotionen sorgen

TTC-Wil-Captain Elia Schmid

TTC-Wil-Captain Elia Schmid

Bild: Daniel Dorrer

In der Sporthalle Lindenhof war es bei der Begegnung TTC Wil gegen Neuhausen fast schon gespenstig ruhig – zumindest zwischen den Ballwechseln. Nur Jubelschreie der Kontrahenten und Klatschgeräusche der Mitspieler unterbrachen die Stille. Dazu Wil-Captain Elia Schmid (siehe unteres Bild), der sein Einzel diskussionslos gewann: «Das war eine eigenartige Atmosphäre. Ohne Zuschauer muss man die Emotionen selber ins Spiel bringen.» Der zweifache Schweizer Meister im Einzel fügt an:

«Das Publikum ist es doch, das den Sport ausmacht – egal auf welchem Niveau.»

Doch der 24-Jährige ist einfach froh, darf er wieder Wettkämpfe bestreiten. Dass eine solche Ruhe herrschte, lag aber auch an der klaren Ausgangslage. Gegner Neuhausen musste auf den besten und drittbesten Spieler verzichten, da diese wegen Corona-Erkrankung in Quarantäne sind.

Elia Schmid dominiert seinen Gegner fast nach Belieben.

Elia Schmid dominiert seinen Gegner fast nach Belieben.

Bild: Tim Frei

Taktische Anweisungen werden plötzlich hörbar

Ein ähnliches Bild in Sachen Stimmung zeigt sich in der Sporthalle des Berufs- und Weiterbildungszentrum Uzwil: Dort war es zwischen dem BC Uzwil und Tafers-Fribourg zwar deutlich lauter. Etwa der Doppelspieler wegen, die sich während ihrer Partie Anweisungen gaben wie «Du». Dass also der Shuttle – so heisst der Ball im Badminton – dem Partner überlassen wird. Oder sei es das Klatschen der maximal 30 zugelassenen Personen statt den nur je sieben pro Team im Tischtennis.

BC-Uzwil-Spieler Ramon Kropf

BC-Uzwil-Spieler Ramon Kropf

Bild: PD

Doch in Relation mit dem oft frenetischen Uzwiler Publikum war es auch im Badminton deutlich leiser. Es sei speziell gewesen, sagt Spieler Ramon Kropf: «Verglichen mit der Stimmung, die sonst herrscht, fühlt es sich jetzt wie beim Tennis an, wo man ruhig sein muss.» Eine coole Sache findet es der 26-jährige Oberuzwiler, dass der Vorstand einen professionellen Livestream auf die Beine gestellt hat, damit die Anhänger doch noch mitfiebern können.

Hier mussten die Spieler zählen, dort die Junioren

Die Pandemie hat die Wettkampfprinzipien der beiden Sportarten nicht verändert. Mit einer Ausnahme, die im Tischtennis stärker ins Gewicht fällt: dem Zählen der Punkte. Ein Schiedsrichter war in Wil zwar vor Ort, doch statt ihm mussten die im Einsatz stehenden Spieler das Zählen übernehmen.

Ballt die Faust nach einem Punktgewinn: Wils Christian Hotz.

Ballt die Faust nach einem Punktgewinn: Wils Christian Hotz.

Bild: Tim Frei

Zu Beginn der Tischtennispartie wurde offenkundig, dass damit kaum ein Spieler gerechnet hat. Machten doch Wils Christian Hotz und einige Gegenspieler grosse Augen. Elia Schmid sagte nach seinem Sieg: «Ich verstehe nicht wirklich, weshalb wir zählen müssen.» Den Grund für diesen Entscheid sei vom Verband nicht kommuniziert worden, heisst es von den Wiler Verantwortlichen.

Ein Uzwiler Doppel (in rot-weissem Trikot), das viel für die Zukunft verspricht: Milena Schnider (links) und Cheryl Seinen.

Ein Uzwiler Doppel (in rot-weissem Trikot), das viel für die Zukunft verspricht: Milena Schnider (links) und Cheryl Seinen.

Bild: Matthias Zindel

Auch im Badminton sind es üblicherweise die auf erhöhten Stühlen sitzenden Schiedsrichter, die zählen. Am Wochenende mussten dies jeweils die Nachwuchsspieler des Heimteams übernehmen. Grund: Da die NLA in «normalen» Jahren zu diesem Zeitpunkt bereits beendet ist, herrscht Knappheit an Schiedsrichtern. Nächstes Wochenende, wenn weniger Spiele anstehen, soll zum bewährten Muster zurückgekehrt werden.

Kropf behält weisse Weste, Bruderduell in Wil

Die beiden NLA-Teams liessen sich von den schwierigen Rahmenbedingungen nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil: Für beide lokalen Klubs war es mit Siegen ein Start nach Mass. Wil bezwang Neuhausen im Heimspiel, Uzwil behielt daheim gegen Tafers-Fribourg und in La Chaux-de-Fonds in hart umkämpften Spielen die Oberhand.

BC Uzwil und TTC Wil gelingt ein Start nach Mass

Badminton. NLA: La Chaux-de-Fonds – Uzwil 3:5. Uzwil – Tafers-Fribourg 5:3. – Tabelle: 1. Argovia 6/17. 2. Yverdon 6/15. 3. Uzwil 5/13. 4. Zürich 5/10. 5. St. Gallen 6/9. 6. La Chaux-de-Fonds 6/9. 7. Lausanne 5/8.   8. Tafers-Fribourg 5/7.
Tischtennis. NLA: Wil – Neuhausen 3:0. – Tabelle: 1. Lancy 5/10. 2. Wil 5/6. 3. Lugano 3/4. 4. Neuhausen 5/4. 5. La Chaux-de-Fonds 3/3. 6. Muttenz 3/3. 7. Luzern 3/1. 8. Meyrin 5/1. (tm)

Behält seine weisse Weste in dieser Saison: Ramon Kropf liess sich auch beim Restart nicht bezwingen.

Behält seine weisse Weste in dieser Saison: Ramon Kropf liess sich auch beim Restart nicht bezwingen.

Bild: Matthias Zindel

Überragender Uzwiler war Ramon Kropf, der alle vier Doppel gewann. Damit ist er in dieser Saison nach sieben Doppeln noch immer unbesiegt. Kropf sagt:

«Ich bin weniger nervös als in den Vorjahren. Zudem weiss ich, was ich kann und setze das besser um.»

Die grosse Geschichte beim Tischtennis war das Bruderduell zwischen Matti und Pekka Pelz (Wil), der mit einem klaren Dreisatzsieg für das klare Schlussverdikt von 3:0 sorgte.