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Reparatutti: Geht nicht – gibt’s fast nicht für Tüftler und Idealisten

Reparieren statt wegwerfen. Eine Tugend, an die sich vornehmlich die ältere Generation hält, die wenig von der heutigen Wegwerfmentalität hält. Im B’treff können einmal im Monat defekte Gegenstände zur kostenlosen Reparatur vorbeigebracht werden.
Christoph Heer
Das Reparatutti-Team vom B’treff. Von links: Angelo Talamona, Michael Suter, Ilka Wälchli, Walter Salis und Eva Chillante. Bilder: Christoph Heer

Das Reparatutti-Team vom B’treff. Von links: Angelo Talamona, Michael Suter, Ilka Wälchli, Walter Salis und Eva Chillante. Bilder: Christoph Heer

Jeder hat seinen ganz eigenen Charakter. Von der beruflichen Herkunft sind sie sowieso verschieden. Und doch verbindet sie etwas ungemein, nämlich ihre Liebe zum Tüfteln, Basteln und Reparieren. Angelo Talamona, Michael Suter, Ilka Wälchli, Walter Salis und Eva Chillante sind die guten Seelen vom B’treff, wenn es um die Reparatutti geht. Einmal monatlich stehen sie bereit und reparieren defekte Haartrockner, Stehlampen, Radios, Nähmaschinen, Küchenwaagen oder Laptops.
Während dieser Stunden herrscht im B’treff eine gemütliche Stimmung, es gibt Kaffee und Gipfeli. Daraus entwickelt sich oft auch ein freundschaftliches Miteinander und es werden Bekanntschaften gepflegt. Der Sinn hinter dieser Sache ist jedoch ein anderer: Man will der Wegwerfgesellschaft Paroli bieten.

Gekauft, kaum gebraucht, schon weggeworfen

Die richtige Frequenz für das DAB-Radio: kein Problem für Walter Salis.

Die richtige Frequenz für das DAB-Radio: kein Problem für Walter Salis.

Heutzutage ist es so, dass Gerätschaften – kaum gebraucht, aber irgendwo einen kleinen Defekt innehabend – sofort entsorgt werden, um ein neues Gerät zu kaufen. Eigentlich ein wirtschaftlicher und vor allem ökologischer Blödsinn, denn so vieles kann mit einigen gekonnten Griffen repariert werden. Am Samstagmorgen nutzte unter anderem Andy Herzog mit seiner Tochter Eveline das Angebot des Repair-Cafés, von welchen es schweizweit rund 90 gibt. «Die kleine Küchenwaage ist mein Lieblingsteil. Nur entglitt sie mir kürzlich aus den Händen, fiel zu Boden und das Glas zersprang in tausend kleine Stücke. Nachdem das gelieferte Ersatzteil nicht montierbar war, überlegte ich mir, die Reparatutti aufzusuchen», sagte Andy Herzog. Kaum erklärt, brachte Michael Suter die mit einer Portion Improvisation reparierte Waage dem Besitzer zurück; die Freude darob war natürlich riesig, und Tochter Eveline darf sich ebenso freuen. Dem nächsten Kuchen aus Papis Kochkünsten steht jetzt nämlich nichts mehr im Weg. Andy Herzog verliess den B’treff mit einem Wink Richtung Stadt Wil; ein Repair-Café würde in der Äbtestadt bestimmt gut ankommen, ist er überzeugt.
Für die Textilien ist Eva Chillante zuständig. Stolz sagt sie, dass es auch viele Kunden gibt, die Interesse haben, Neues zu lernen. «Oft wollen sie zuschauen, wenn ich einen Reissverschluss korrigiere oder wieder in Ordnung bringe. Danach können sie es nämlich zu Hause selber machen». Zur selben Zeit sitzt Walter Salis vor einem modernen DAB-Radio. In Gedanken versunken löst er auch das Problem des störenden Rauschens während des Hörfunkempfangs. «Hier war das Problem schnell gefunden, es waren schlicht die falschen Frequenzen eingestellt, darum war ein fehlerfreier Hörgenuss nicht möglich», sagte er schmunzelnd.

Sympathische Heinzelmännchen und -frauen

Michael Suter bringt auch diese Stehlampe wieder zum Strahlen.

Michael Suter bringt auch diese Stehlampe wieder zum Strahlen.

Wenn es jedoch vonnöten wird, Ersatzteile aufzutreiben, kann es durchaus auch einmal schwierig bis unmöglich werden, einen Gegenstand zu reparieren. «Wir hatten einmal einen Drucker, der sich gar nicht öffnen liess, da hatten wir keine Chance, etwas zu reparieren. Oder wenn es zu älteren Gegenständen keine Ersatzteile mehr gibt, dann stehen wir auch ab und zu am Ende unseres Lateins», sagt Angelo Talamona. Doch sie wären nicht die bekannten Flawiler Heinzelmännchen, würden sie so schnell den Kopf in den Sand stecken. «Mit Ideen und Improvisation ist vieles möglich», heisst es unisono. Einer der ersten Besucher reiste aus Basel nach Flawil, und dies, weil viele der Repair-Cafés derzeit Ferien haben. Nicht so die Flawiler. Sie reparierten dem weit gereisten Gast eine LED-Lampe und wünschten ihm eine gute Rückreise.

Idealisten, Bastler und Tüftler

Bescheiden geben die Reparatutti-Betreiber an, Bastler zu sein. Und dennoch gehört viel mehr dazu. Als Fachpersonen – oft auch aus den beruflichen Hintergründen hervorgehend – und als Idealisten und Tüftler darf man das Team bezeichnen. Unzähligen Geräten haben sie schon das Leben gerettet oder haben sie zumindest vor dem Wurf in die Sammelstelle bewahrt.

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