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RELIGION: Anerkannt, aber umstritten

Die Schulen der Piusbruderschaft – eine davon befindet sich in Wil – sind in Kritik geraten. Der Vorwurf: Es handle sich um Bibelschulen mit religiösem Drill, welche die Kriterien einer Privatschule nicht erfüllen würden.
Ursula Ammann
Die Schule Dominik Savio zählt derzeit 86 Schülerinnen und Schüler. Sie befindet sich an der St. Gallerstrasse, wo die Piusbruderschaft das Kirchgemeindezentrum Sancta Maria errichtete. (Bild: Cédric Schneider)

Die Schule Dominik Savio zählt derzeit 86 Schülerinnen und Schüler. Sie befindet sich an der St. Gallerstrasse, wo die Piusbruderschaft das Kirchgemeindezentrum Sancta Maria errichtete. (Bild: Cédric Schneider)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Eine Privatschule dürfe zwar religiöse Schwerpunkte setzen, müsse aber gewährleisten, «dass die Schülerinnen und Schüler keinen pädagogischen und weltanschaulichen Einflüssen ausgesetzt werden, die den Zielen der Volksschule in grundlegender Weise zuwiderlaufen». Das hält das Bundesgericht in einem Urteil gegen einen islamischen Kindergarten fest. Mit den Zielen ist unter anderem die Vermittlung von humanistischen und demokratischen Wertvorstellungen sowie die Glaubens- und Gewissensfreiheit gemeint.

Diese Kriterien seien bei den Schulen der Piusbruderschaft auch nicht erfüllt, schreibt die Internetzeitung «Infosperber». Es handle sich dabei um Bibelschulen mit religiösem Drill. Schüler würden zur Übernahme religiöser Normen gezwungen. Es gebe eine Tendenz zur Abschottung gegenüber der offenen Gesellschaft. Die aktuellen Bekenntnisse sprächen nicht «die Sprache des Humanismus und der Demokratie, sondern der starren Hierarchie» sowie «der Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und Ungläubigen».

Auch an der St. Gallerstrasse in Wil befindet sich eine Schule der Piusbruderschaft. Die «Dominik Savio» zählt derzeit 86 Schülerinnen und Schüler und bezeichnet sich als «Bekenntnisschule, die vom Geist der katholischen Tradition geprägt ist». Bis zur 5. Klasse besuchen Mädchen und Buben den Unterricht gemeinsam. Ab der 6. Klasse werden nur noch Mädchen beschult. Sie können auch im Internat wohnen. Dieses hat gemäss Homepage das Ziel, «überzeugte, selbständige katholische Christen heranzubilden, die fähig werden sollen, ihren Glauben mit Charakterstärke und mutiger Festigkeit zu leben und zu bekennen».

Unter der «Käseglocke» aufgewachsen

Die Behauptungen, wonach die Schulen der Piusbruderschaft die Kriterien einer Privatschule nicht erfüllten, seien falsch, sagt Pater Markus Bayer, Rektor der Schule Dominik Savio. Dies zeige sich auch daran, dass man offen mit den Schulbehörden zusammenarbeite und regelmässig visitiert werde. «Unsere Schule nimmt auch andersgläubige Schülerinnen und Schüler auf, insofern die Rahmenbedingungen akzeptiert werden», so Pater Bayer. Die Schule Dominik Savio ist anerkannt und richtet sich nach dem Lehrplan. Dazu gehört auch die Wissensvermittlung über die Entstehung der Arten. «Wir haben keine Probleme mit der Behandlung der Evolutionstheorie in unserem Unterricht», sagt Pater Bayer. Und wie sieht es mit Sexualkunde aus? «Die Sexualkunde spielt eine wichtige Rolle in der Erziehung. Bei uns geschieht dies in enger Zusammenarbeit mit den Eltern», erklärt Pater Bayer. Angesprochen auf den Schwimmunterricht sagt er: «Aus finanziellen und organisatorischen Gründen haben wir zur Zeit keine Möglichkeit dazu. Viele unserer Kinder lernen ausserhalb der Schule schwimmen.» Die Schulen der Piusbruderschaft sind verpflichtet, den Lehrplan 21 einzuführen. Grundsätzlich begrüsse man einen neuen Lehrplan, da der bisherige gewisse Defizite aufweise, sagt Pater Bayer. «Gleichzeitig nehmen wir uns das Recht, gewisse Bereiche darin zu kritisieren, besonders, wenn christliche Werte angegriffen werden.»

«Religiös gebundene Schulen sind in unserem liberalen System möglich», sagt Kirchen- und Sektenexperte Georg Otto Schmid. Wichtig sei, dass eine Privatschule den Schulstoff, der nach Lehrplan vorgegeben sei, einhalte und die Religion nicht alles dominiere. Riten wie ein Morgengebet etwa dürften an einer weltanschaulich gebundenen Privatschule durchaus Platz haben, so Schmid. Den Vorwurf, dass die Schulen der Piusbruderschaft die Kriterien einer Privatschule generell nicht erfüllen, kann er so nicht unterschreiben. «Dazu müsste man den Einzelfall untersuchen», sagt Georg Otto Schmid. Er finde es aber schade, wenn die Kinder sowohl im schulischen als auch im privaten Umfeld nur eine einzige Weltanschauung kennen lernen. «Als junge Erwachsene haben diese Personen dann nicht ganz selten das Gefühl, unter einer Art Käseglocke aufgewachsen zu sein», sagt Schmid. Solche Berichte habe er auch schon von ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Piusbruderschaft gehört.

«Schamlose Reden» nicht geduldet

Für ihr Buch «Mit Gallus den Religionen auf der Spur» (2012) hat Ann-Katrin Gässlein auch die Piusbruderschaft und deren Schule porträtiert. In diesen werde nicht nur auf die Wissensvermittlung, sondern nach eigenen Angaben auch auf «Erziehung und Charakterbildung» Wert gelegt, hält sie darin fest. Dazu gehöre auch die Distanzierung von den «Hauptirrlehren der heutigen Zeit», wozu die Bruderschaft unter anderem die Lehren von Martin Luther, David Hume, Immanuel Kant, Georg Friedrich Wilhelm Hegel und Jean Paul Sartre zähle.

Ein sittlicher Verhaltenskodex spiele ebenfalls eine grosse Rolle, schreibt Ann-Katrin Gässlein über die Schulen der Piusbrüder. So werde gegenüber Eltern und Lehrern Ehrfurcht, Achtung und Respekt verlangt. «Fluchen und ‹schamlose Reden› werden nicht geduldet.» Darüber hinaus gebe es Bekleidungsregeln, die den Mädchen beispielsweise das Tragen von Hosen, eng anliegenden Kleidern und die Knie entblössenden Röcken verböten.

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