REGION WIL: Schönes Wohnen wird immer teurer

Ein hoher Nachfragedruck hat die Wohneigentumspreise in den vergangenen Jahren spürbar steigen lassen. In der Stadt Wil wurden zuletzt ähnlich hohe Quadratmeterpreise wie in manchen Gemeinden im Kanton Zürich realisiert.

Hans Suter
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Ob Einfamilienhaus, Eigentums- oder Mietwohnung: Die Bautätigkeit in der Stadt Wil und in der Region ist nach wie vor rege. Im Bild eine neue Wohnüberbauung an der St. Gallerstrasse in Wil. (Bild: Hans Suter)

Ob Einfamilienhaus, Eigentums- oder Mietwohnung: Die Bautätigkeit in der Stadt Wil und in der Region ist nach wie vor rege. Im Bild eine neue Wohnüberbauung an der St. Gallerstrasse in Wil. (Bild: Hans Suter)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Endlich in den eigenen vier Wänden wohnen: Die historisch tiefen Zinsen begünstigen die Verwirklichung des Traums vom Eigenheim. In den 1980er-Jahren kostete eine zehnjährige Festhypothek etwa 5 Prozent. Heute ist die gleiche Hypothek für rund 1,5 Prozent zu haben. Das bedeutet: Bei 500000 Franken Hypothekarschuld beträgt die eingesparte Zinsdifferenz 17500 Franken – pro Jahr, versteht sich. Kein Wunder also, dass immer mehr Familien und Singles die verheissungsvolle Chance nutzen, wenn sie sich ihnen aufgrund ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse bietet. Doch diese positive Entwicklung hat auch eine Kehrseite: Eine höhere Nachfrage hat steigende Preise zur Folge. Das ist in der Stadt und in Teilen der Region Wil seit längerem deutlich spürbar.

Preisauftrieb hat sich leicht abgeschwächt

Jüngst hat sich der Preisauftrieb zwar wieder etwas gelegt. Das zeigt der Immobilienmarktbericht der St. Galler Kantonalbank, der auf tatsächlich bezahlten Preisen, sogenannten Transaktionspreisen, beruht und in Zusammenarbeit mit den Immobilienexperten von der Zürcher Wüest Partner AG erhoben wird. Vor allem im gehobenen Segment der Eigentumswohnungen wurden gemäss dem Bericht Wertkorrekturen nach unten beobachtet.

Der Bedarf an Wohnraum wird laut den Experten aber kaum nachlassen. Der Grund: Die Region Wil ist einerseits stark mit dem Metropolitanraum Zürich vernetzt, anderseits soll sie auch als wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt innerhalb des Kantons St. Gallen gefördert werden. Ein Kernstück ist das Entwicklungsprojekt Wil West.

Eigentumswohnungen auf dem Vormarsch

Wil ist gemäss dem Marktbericht die einzige Region innerhalb des Kantons St. Gallen, in der aktuell mehr in das Segment des Stockwerkeigentums investiert wird als in den Mietwohnungsbau. Im ersten Quartal 2017 warteten hier 380 Eigentumswohnungen auf den Baustart, womit das projektierte Neubauvolumen seit der Jahrtausendwende einen Höchststand erreicht hat. Allein in der kürzlich bewilligten Wiler Wohnsiedlung «Neualtwil» plant die HRS Real Estate die Erstellung von bis zu 100 neuen Eigentumswohnungen. Ebenfalls in Wil werden bei der «Himmelrich»-Überbauung im heutigen Stadtteil Bronschhofen zahlreiche Neubauwohnungen für 5000 bis 7000 Franken pro Quadratmeter vermarktet. Zusätzlich dazu wird das Angebot in den Gemeinden Niederhelfenschwil, Oberbüren und Kirchberg ausgebaut. Auch wenn mit einer lebhaften Nachfrage gerechnet wird, dürfte die wachsende Konkurrenz zwischen den Anbietern im laufenden Jahr einen gewissen Druck auf die Preise ausüben.

Einfamilienhäuser werden langsam knapp

Wie die Experten festgestellt haben, sind Einfamilienhäuser in der Region Wil ebenso gesucht wie Stockwerkeigentum. Die Preise der gehandelten Objekte legten in den vergangenen Jahren stetig zu. Mittlerweile hat sich der Verkaufspreis für ein übliches Einfamilienhaus im regionalen Mittel bei knapp über einer Million Franken eingependelt. Ähnlich wie bei Eigentumswohnungen wenden sich viele Einfamilienhaus-Interessenten kleineren Objekten mit einfachem Ausbaustandard zu. Deren Verkaufspreise stiegen binnen Jahresfrist nochmals um 6 Prozent an. Luxuriöse Einfamilienhäuser lassen sich aufgrund der hohen Preise hingegen auch in der Region Wil nicht mehr ganz einfach vermarkten. Stimmen aber der Standort und das Preis-Leistungs-Verhältnis mit den käuferseitigen Erwartungen überein, muss laut dem Marktbericht auch künftig nicht mit Absatzschwierigkeiten gerechnet werden. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil raumplanerische Beschränkungen dafür sorgen, dass freistehende Einfamilienhäuser zunehmend knapp werden.

Das Toggenburg ist nach wie vor günstig

Die Toggenburger Wohneigentumsmärkte waren im Wintersemester 2016/2017 von unterschiedlichen Tendenzen geprägt. So ist hier vor allem der Kauf von Einfamilienhäusern weiterhin sehr beliebt. Denn obwohl die traditionell tiefen Einfamilienhauspreise in den vergangenen Jahren aufgeholt haben, lässt sich der Traum vom freistehenden Eigenheim in den Toggenburger Gemeinden noch vergleichsweise gut verwirklichen. Auf eine nachlassende Zahlungsbereitschaft stossen hingegen mittlerweile die zum Kauf angebotenen Eigentumswohnungen.

Grösseres Angebot an Eigentumswohnungen

Bezogen auf die Zahl der Handänderungen, die im Stockwerkeigentum pro Jahr getätigt werden, bildet die Region Toggenburg das Schlusslicht innerhalb des Kantons St. Gallen. Die Ei­gen­heimnachfrage entwickelt sich in den Toggenburger Gemeinden eher schwach und konzentriert sich stark auf das Segment der Einfamilienhäuser. Im Marktbericht wird festgehalten: Ein grosser Teil derer, die hier in ein Eigenheim investieren, tun dies aufgrund der tiefen Bodenpreise und ziehen somit den Kauf oder den Bau eines Einfamilienhauses vor. Nichtsdestotrotz haben die Projektentwickler das Toggenburg wieder stärker im Visier. Zwei grössere Bauvorhaben mit Eigentums- und Mietwohnungen wurden kürzlich allein in der Gemeinde Bütschwil-Gan­terschwil bewilligt. Für diesen kleinen Teilmarkt bedeutet das eine spürbare Ausweitung des Angebots. Weitere Rückgänge im regionalen Transaktionspreisindex für Eigentumswohnungen sind somit nicht auszuschliessen.

Steigende Preise bei Einfamilienhäusern

Während sich der Bau von Einfamilienhäusern fast überall im Kanton St. Gallen in den vergangenen Jahren rückläufig entwickelte, ist die Neubauquote im Toggenburg leicht angestiegen. Den Grund sehen die Experten in der besseren Verfügbarkeit von erschwinglichem Bauland: In der Region Toggenburg ist voll erschlossenes Wohnbauland bei Quadratmeterpreisen, die sich typischerweise zwischen 200 und 400 Franken bewegen, deutlich günstiger zu erwerben als im restlichen Kanton.

Mit der anstehenden Richtplananpassung wird das Angebot an Bauland künftig jedoch auch hier knapper werden: Nahezu alle Toggenburger Gemeinden sind dazu angehalten, aufgrund ihrer zu grossen Baulandreserven den Auszonungsprozess zu starten. Davon ausgenommen ist einzig die Gemeinde Bütschwil-Gan­terschwil. Da mit einer anhaltenden Nachfrage nach Einfamilienhäusern zu rechnen ist, halten die Experten auch künftig gewisse Preisauftriebe für möglich.