REGION WIL: Pfarrer widerspricht Bischof

Nach dem geplatzten Gespräch zwischen dem katholischen Zuzwiler Pfarrer Simon Niederer und Bischof Markus Büchel verhärten sich die Fronten auch zum Bistum.

Ursula Ammann
Merken
Drucken
Teilen
Das Bistum St.Gallen ist nicht erfreut über das Verhalten des Zuzwiler Pfarrers. (Bild: Urs Jaudas)

Das Bistum St.Gallen ist nicht erfreut über das Verhalten des Zuzwiler Pfarrers. (Bild: Urs Jaudas)

REGION WIL. Bischof Markus Büchel gelte nicht als jemand, der Gespräche verweigere, «aber er lässt sich nicht diktieren, mit wem er diese führen soll», schreibt das Bistum auf den Vorfall, der sich am Donnerstagnachmittag in St.Gallen ereignete. Der katholische Zuzwiler Pfarrer Simon Niederer war vom Bischof zu einem Gespräch vorgeladen worden. Dies, nachdem er sich zusammen mit der neugegründeten IG «Tansparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» mittels Plakat und Inserat gegen die Kündigung der Pfarreisekretärin aufgelehnt hatte und damit den Kirchenverwaltungsrat öffentlich angriff.

Zum vereinbarten Treffen mit dem Bischof erschien Niederer aber nicht allein, sondern in Begleitung der Pfarreisekretärin sowie zweier Vertreterinnen der IG. «Entweder alle oder keiner», lautete seine Forderung. Darauf trat der Bischof nicht ein. Zum Gespräch kam es folglich nicht.

Forderung des Pfarrers als dreist bezeichnet

«Es ist ein normaler Vorgang und das Recht des Bischofs als Vorgesetzter, mit seinem Priester allein ein Gespräch zu führen», schreibt das Bistum. Wenn nun Pfarrer Niederer ohne Ankündigung mit einer Delegation zum Bischof komme und sich partout weigere, unter vier Augen mit dem Bischof zu sprechen, könne dieser ein Gespräch ablehnen.

Der Bischof wisse schon seit zwei Jahren, dass Sandra Monsorno vom Kirchenverwaltungsrat gemobbt werde, sagt Pfarrer Simon Niederer auf Anfrage dieser Zeitung. Es hätten deshalb auch schon einzelne Personen aus der Kirchbürgerschaft mit ihm das Gespräch gesucht, jedoch erfolglos. Diese Personen, die sich nach der Kündigung von Sandra Monsorno zur IG formierten, habe er deshalb zum Treffen mit dem Bischof mitbringen wollen. Dies, damit sie ihre Sicht der Dinge darlegen könnten. «Man sagte mir aber, ich sei dreist, so eine Bedingung zu stellen», erzählt Niederer. «Meine Erwartung ist, dass der Bischof uns alle anhört.» Auch halte er es für angebracht, dass Markus Büchel dazu stehe, dass er schon länger um die Situation von Sandra Monsorno wisse und sich nun mit einem Empfehlungsschreiben für ihren Arbeitsplatz einsetze. Das Bistum könne sich in dieser Sache nicht einfach hinter der Entscheidung des Kirchenverwaltungsrats verstecken.

Der Bischof habe keine Aufsicht über die Kirchgemeinden, die für die Anstellung und damit die Kündigung von Pfarreisekretärinnen zuständig seien, schreibt das Bistum. Zum jetzigen Zeitpunkt, wo der rechtliche Akt der Kündigung durch den Kirchenverwaltungsrat gesetzt sei, wäre es nicht rechtmässig, wenn sich der Bischof in die Frage der Kündigung einmische. Frau Monsorno habe wie alle Arbeitnehmenden die Möglichkeit zu einem arbeitsrechtlichen Verfahren.

«Vom Kanzler, aber nie vom Bischof empfangen»

Vor der Kündigung durch den Kirchenverwaltungsrat hätten unzählige Gesprächsrunden stattgefunden, schreibt das Bistum. «Bischof und Kanzler haben auch schon Gespräche mit Simon Niederer zusammen mit Frau Monsorno geführt.» Der Administrationsrat habe sich ebenfalls sehr engagiert.

Sandra Monsorno sei zwar einmal vom Kanzler, aber nie vom Bischof persönlich empfangen worden, sagt hingegen Simon Niederer. Weder vor noch nach ihrer Kündigung. «Dies, obwohl sie zwei persönliche Briefe an ihn geschrieben hat.»

Eine unbestrittene Tatsache ist, dass der Fall Zuzwil in St.Gallen schon länger beschäftigt. Sabine Rüthemann von der Kommunikationsstelle des Bistums sagt dazu: «Wir finden es bedauerlich, dass es bis jetzt nicht gelungen ist, die Situation zu beruhigen und für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden.»