Region Wil besser positionieren

Die Mitgliederversammlung der Interkantonalen Regionalplanungsgruppe Wil (IRPG) genehmigte die Statuten für den neuen Verein «Regio Wil». Sie bilden die Grundlage für die Geschäftstätigkeit, die Anfang 2011 aufgenommen wird.

Philipp Stutz
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IRPG-Präsident Lorenz Liechti: «Die Schaffung einer hauptberuflich betreuten Geschäftsstelle, betreut durch einen <Mister Regio>, ist eine absolute Notwendigkeit.» (Bild: stu.)

IRPG-Präsident Lorenz Liechti: «Die Schaffung einer hauptberuflich betreuten Geschäftsstelle, betreut durch einen <Mister Regio>, ist eine absolute Notwendigkeit.» (Bild: stu.)

OBERBÜREN. Der Verein «Regio Wil» tritt am 1. Januar 2011 die Nachfolge der Interkantonalen Regionalplanungsgruppe Wil an. Die Statuten wurden von den Mitgliedern am Mittwoch in Oberbüren genehmigt (vgl. Kurzmeldung in unserer gestrigen Ausgabe). Befürwortet wurde ein Änderungsantrag, der eine der Fachgruppen nicht nur mit «Kultur», sondern ergänzend mit «Freizeit» und «Sport» betitelt.

Ein Antrag, dass Beschlüsse der Delegiertenversammlung eine Zweidrittelmehrheit nötig machen, wurde grossmehrheitlich abgelehnt.

«Beobachterstatus» für Flawil?

Eine Staffelung der Mitgliederbeiträge nach Interessenlage der Gemeinden, wie von der Gemeinde Bichelsee-Balterswil gewünscht, wird allenfalls an der Mitgliederversammlung im Herbst zur Sprache kommen. Insgesamt fühlt sich der Südthurgau im neuen Gebilde noch zu wenig aufgehoben. Die Gemeinde Flawil, die sich bekanntlich Richtung Gossau–St.

Gallen orientieren will, befindet sich in einer besonderen Situation und möchte einen «Beobachterstatus» erhalten.

Wachstumsregion mit Potenzial

«Wil–Südthurgau ist eine Wachstumsregion», sagte Lorenz Liechti, Gemeindeammann in Münchwilen und Präsident der IRPG. Sie brauche den Vergleich mit anderen Regionen nicht zu scheuen und sei mit ihren Zentren gut positioniert. Doch befindet sich die IRPG in einer Umbruchphase.

Deshalb arbeiten die Vereinsorgane daran, die Voraussetzungen für den Neustart als Kompetenzzentrum für die ganze Region zu schaffen. «Es hat sich gezeigt, dass Gemeinden unter sich, aber auch Kantone und Wirtschaft auf einen leistungsstarken Partner auf regionaler Ebene angewiesen sind», betonte Lorenz Liechti. Ins Gewicht fallen besonders die Neue Regionalpolitik des Bundes (NRP), die Leistungsvereinbarungen der Regionen mit dem Kanton St.

Gallen und die Verpflichtung der Regionen, gemäss vorgesehenem neuen Thurgauischen Planungs- und Baugesetz alle Gemeinden in Regionalplanungs-Organisationen zu erfassen.

«Mister Regio» kommt

«Diese neuen Aufgabenbereiche bringen es mit sich, dass die heutigen Strukturen mit einem nebenamtlich tätigen Geschäftsführer nicht mehr ausreichen», zeigte sich Liechti überzeugt. Nehme doch der Koordinationsaufwand zu.

Aus diesem Grund wird eine Geschäftsstelle mit einem vollamtlichen Geschäftsführer und Sekretariat geschaffen. Die Suche nach diesem «Mister Regio» wird vorangetrieben. Die neue Organisation «Regio Wil» wird in mehrere Fachgruppen unterteilt: Siedlungs- und Landschaftsplanung, Wirtschafts- und Standortförderung sowie Standortmarketing, Mobilität, Energie und Umwelt sowie Kultur, Freizeit und Sport. Der operative Start der neuen Organisation erfolgt 2011.

Erhebliche Kosten

Die Kosten für die Geschäftsstelle betragen jährlich 400 000 Franken. Im Weiteren steuert die «Regio Wil» einen Mitgliederbeitrag von 1000 Franken ans Culinarium und 30 000 Franken an die Region Ost (Fluglärm) bei. Hinzu kommen Projektbeiträge ans Agglomerationsprogramm (50 000 Franken), Keest (40 000 Franken) und Standortmarketing (Immoweb) in Höhe von 30 000 Franken.

Der Gesamtmitgliederbeitrag der Gemeinden beträgt fünf Franken pro Einwohner – auch dies führte vereinzelt zu Kritik.

Agglomerationsprogramm

Im vergangenen Jahr wurde der Startschuss für die Erarbeitung des Agglomerationsprogramms der zweiten Generation gegeben. Laut Lorenz Liechti handelt es sich dabei um keinen Freipass für ein schrankenloses Wachstum, aber auch um kein Entwicklungs-Verhinderungsprogramm. Der erste Entwurf für eine regionale Strategie liegt vor.

Hauptthema bilden Fragen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Auch die ländlichen Gemeinden sollen einbezogen werden. Ende dieses Jahres sollen die Grundlagen des Agglomerationsprogramms vorliegen, worauf die Vernehmlassung bei den Kantonen und die Einreichung beim Bund bis Ende 2011 folgen soll.

Projekte Keest und Immoweb

Das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energie (Keest) wurde vom Wirtschaftsraum Südthurgau initiiert. Nun sollen auch die sanktgallischen Regionsgemeinden einbezogen werden.

Das Projekt Immoweb schliesslich sieht die regionale Anbietung grösserer gewerblicher oder industrieller Immobilien durch eine zentrale Geschäftsstelle vor.