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REGION: Wandel bereitet Vereinen Sorgen

Ehrenamtliche Arbeit bildet nach wie vor das Fundament von Vereinen. Umso besorgniserregender: Vereine haben immer mehr Mühe, Personen dafür zu finden. Auch hiesige Vereine haben damit zu kämpfen.
Tim Frei
Immer häufiger in Vereinen: Treten Ehrenamtliche wie der Präsident oder Aktuar zurück, bleiben deren Sitze über länger leer. (Bild: Hans Suter)

Immer häufiger in Vereinen: Treten Ehrenamtliche wie der Präsident oder Aktuar zurück, bleiben deren Sitze über länger leer. (Bild: Hans Suter)

Tim Frei

tim.frei@wilerzeitung.ch

Die Frauengemeinschaft Niederuzwil-Uzwil steht vor dem Aus. Dies, weil der Frauenverein die frei werdenden Vorstandsämter nicht neu besetzen konnte («Wiler Zeitung» vom 28. Februar 2018). Das ist kein Einzelfall – Vereine haben derzeit Mühe, ihre Mitglieder für ehrenamtliche Tätigkeiten zu begeistern. Dies zeigt sich beispielsweise bei Sportvereinen: 1996 übten in der Schweiz noch 350000 Personen ein Ehrenamt aus, 2016 waren es nur noch 335 000, wie eine nationale Studie zeigt (siehe Zusatztext). Es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung auch für die Region Wil zutriff; zum Beispiel für Sport- und Kultur-Vereine. Stimmt das? Und was ist der Grund dafür? Unsere Zeitung hat bei Martin Senn (Präsident IG Wiler Sportvereine) und David Zimmermann (Präsident Thurkultur) nachgefragt.

Knochenarbeit von wenigen Personen

Beide bestätigen, dass es für viele Vereine schwieriger werde, Personen für ehrenamtliche Tätigkeit zu finden. Eine Folge davon: Auch wenn sie es möchten, oft könnten Ehrenamtliche gar nicht von ihrem Amt zurücktreten, weil es keinen Nachfolger gäbe, sagt Martin Senn. Die sinkende Bereitschaft für das Ehrenamt dürfe nicht unterschätzt werden, sagt David Zimmermann. «Im schlimmsten Fall droht die Auflösung des Vereins», sagt er und betont: «Vereinsanlässe – egal ob im Sport- oder Kulturbereich – werden mehrheitlich durch die Knochenarbeit einiger weniger Personen ermöglicht.»

Ganz pessimistisch sollte man allerdings nicht sein – zumindest wenn man den Fokus auf ein einzelnes Projekt oder einen Anlass legt. «Für solche Gelegenheiten ist es in der Regel einfacher, freiwillige Personen zu finden», sagt Senn. Denn danach hätten diese wieder Zeit für die Familie und eigene Projekte. Das gleiche Phänomen sei auch bei Kulturvereinen zu beobachten, sagt Zimmermann.

Letztlich bleibt es aber dabei: Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, hat abgenommen. Woran liegt das? Zimmermann und Senn machen einen gesellschaftlichen Wandel dafür verantwortlich. «Der heutigen Gesellschaft geht es einfach zu gut. Sie ist übersättigt», sagt Zimmermann. Früher sei es einfach schön gewesen, die «Hütte» mit einem Anlass füllen zu können. «Heute aber sehen wir uns mit einem Überangebot im Unterhaltungs- und Kulturbereich konfrontiert, so dass dies immer weniger der Fall ist.» Letztlich habe dies zu einer passiven Konsumhaltung beziehungsweise Faulheit geführt, was sich auch aufs Vereinsleben ausgewirkt habe: «Mitglieder beteiligen sich oft nicht ehrenamtlich, weil sie ihren Beitrag bezahlt haben und deshalb sowieso am Vereinsbetrieb teilnehmen können», sagt Zimmermann.

Martin Senn argumentiert ähnlich: «Wir leben heute in einer Welt, in der sich immer mehr Menschen egoistisch verhalten.» Das sehe man nur schon auf politischer Ebene: «Man muss da nur mal an Donald Trumps Parole ‹America First› denken.» Anderseits macht er den technischen Fortschritt in der Telekommunikation dafür verantwortlich: «Das Smartphone ist heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Es geht soweit, dass die Meinung vorherrscht, man müsse immer erreichbar sein. Das hat zur Folge, dass der persönliche Kontakt an Ort immer weniger gepflegt und geschätzt wird.» Dies wirke sich auf die Bereitschaft aus, sich ehrenamtlich zu engagieren. Einen weiteren Grund sieht Senn in der Belastung im Job, die extrem zugenommen habe.

«Diese Faulheit ist brandgefährlich»

Für Senn und Zimmermann ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. «Diese Faulheit bezüglich ehrenamtlicher Tätigkeit ist brandgefährlich – sie könnte zu einem verstärkten Vereinssterben führen. Wir müssen alles dafür tun, um das zu verhindern», sagt David Zimmermann. Aber wie? Martin Senn hat bisher kein Rezept dafür gefunden. «Hätte ich eines, wäre ich wohl ein gefragter Mann», sagt er mit einem Lächeln.

Für Zimmermann ist derweil klar: «Wir müssen das Bewusstsein für die Bedeutung des Vereinslebens und der ehrenamtlichen Tätigkeit in der Gesellschaft wieder schärfen.» Bei der Generation der 25- bis 30-Jährigen habe man diesbezüglich wohl keinen Erfolg mehr. Vielmehr müsse man bei den nachkommenden Generationen ansetzen. «Wir werden das Problem nicht von heute auf morgen lösen», sagt Zimmermann, «aber wir müssen heute damit beginnen.»

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