REGION: Von der Pipette zum Käseroboter

Am Ostschweizer Erlebnistag der Milchtechnologen haben 24 Jugendliche aus den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Appenzell Molkereibetriebe in Bischofszell und Oberbüren sowie die Berufsschule in Flawil besucht.

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Marcel Gabriel von der gleichnamigen Käserei in Oberbüren erklärt, wie es in einem modernen Käsereibetrieb zu- und hergeht. (Bild: PD)

Marcel Gabriel von der gleichnamigen Käserei in Oberbüren erklärt, wie es in einem modernen Käsereibetrieb zu- und hergeht. (Bild: PD)

Gute Aussichten für das duale Berufsbildungssystem: Gemäss dem aktuellen Lehrstellenbarometer des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) haben im laufenden Jahr 5500 mehr Jugendliche eine Lehre begonnen als 2016. Für Lehrbeginn 2018 befinden sich jetzt in der Schweiz wieder rund 90000 Jugendliche im Berufswahlprozess. Auswählen können die angehenden Fachkräfte aus über 200 Berufen. Um Jugendlichen und Eltern den Entscheid zu erleichtern, führt die Ostschweizer Milchwirtschaft in den Herbstferien jeweils einen Erlebnistag durch. Diesmal nahmen 24 Jugendliche aus den Regionen Thurgau, St. Gallen und Appenzell teil. Sie lernten einen Industriebetrieb, eine Käserei und die Berufsschule kennen.

Alltag eines Milchtechnologen

Morgendlicher Treffpunkt ist die Molkerei Biedermann in Bischofszell. In drei Gruppen tauchen die jungen Leute in die industrielle Erlebniswelt und den Berufsalltag eines Milchtechnologen ein. Während die erste Gruppe auf einem Betriebsrundgang fachspezifische Einblicke gewinnt, stellt die zweite Gruppe gerührten Joghurt mit Aroma her. Genau nach Rezeptur wiegen sie die verschiedenen Komponenten ab, mischen sie, füllen die fertigen Joghurts in Becher, verschweissen und versehen sie mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Bei der dritten Gruppe stehen Laborarbeiten auf dem Programm. Die Teilnehmenden hantieren mit penibler Genauigkeit mit einer Pipette, untersuchen ein frisches Produkt auf seine Haltbarkeit hin, beimpfen Petrischalen mit einem speziellen Nährboden und stellen alles in einen Brutschrank. Nichts geht übers persönliche Probieren – deshalb werden schliesslich die Produkte der Molkerei Biedermann degustiert.

Produkte herstellen und pflegen

In der Käserei Gabriel in Oberbüren werden wieder alle eingekleidet. Inhaber Marcel Gabriel erzählt von seinem Werdegang als Milchtechnologe und nimmt die 24 Jugendlichen mit auf einen Betriebsrundgang. Sie erfahren, welche Anforderungen die Käserei an den Rohstoff Milch stellt. In der Fabrikation werden die einzelnen Prozessschritte erklärt und die Aufgaben eines Milchtechnologen in einer Käserei aufgezeigt. Gespannt verfolgen die jungen Leute das Abpumpen der Käsemasse. Die wie Hüttenkäse aussehenden Käsekörner werden vom Kessi in die Käseformen gepumpt. Diese halten den Käse zurück, während die Molke abfliesst. Anschliessend wird der Käse in seine Form gepresst. Marcel Gabriel schildert, dass – anders als in der Molkerei – in der Käserei die Produkte nach der Fabrikation noch nicht fertig und verpackt sind. Sie müssen erst einige Monate gepflegt werden. Im Reifekeller staunen die Jugendlichen dann auch nicht schlecht über viele Tausend Käselaibe und deren tägliche Pflege mit einem modernen Roboter.

Schule mit Modellbetrieb

Anschliessend geht es gemeinsam zum Berufsschulstandort der Milchtechnologen am BZWU in Flawil, der dritten und letzten Station an diesem Erlebnisvormittag. Die vielleicht zukünftigen Nachwuchskräfte lernen den Modellbetrieb der Schule kennen und erfahren im Gespräch mit ihren Betreuern Marcel Aeschbacher und Mario Dux mehr über die Chancen und Möglichkeiten in diesem abwechslungsreichen Beruf.

Schliesslich geniessen alle ein Fondue und lassen den ereignisreichen und informativen Vormittag in angeregten Gesprächen ausklingen. (pd/red)