REGION: Problem an der Wurzel packen

Geraten Führungskräfte in Phasen der Überforderung, ist schnell von Burn-out die Rede. «In den meisten Fällen ist das aber eine Fehlannahme», sagt die Case Managerin Trudy Morgenegg. Sie rät: «Offen sein und genau hinsehen.»

Hans Suter
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Trudy Morgenegg wird in Unternehmen der Region Wil immer häufiger zur Problemlösung eingesetzt. (Bild: Hans Suter)

Trudy Morgenegg wird in Unternehmen der Region Wil immer häufiger zur Problemlösung eingesetzt. (Bild: Hans Suter)

REGION. Unauffällig fährt ein Auto auf den Parkplatz eines angesehenen Unternehmens in der Region Wil. Eine elegant gekleidete Dame steigt aus und bewegt sich zielstrebig zum Haupteingang und verschwindet, ohne sich umzusehen, hinter der schweren Glastüre. Es ist Trudy Morgenegg – wenn die Case Managerin gerufen wird, leuchtet bei einem Mitarbeiter im Unternehmen die Alarmstufe rot.

Beispiel aus der Praxis

«Ich mache mir seit längerer Zeit Gedanken um unseren Abteilungsleiter Peter A.», sagt der besorgte Geschäftsführer zu Trudy Morgenegg. «Ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen, ob er Probleme habe und ich ihm helfen könne. Doch er verneint stets. Dabei sehe ich deutlich, dass es ihm seit Wochen zunehmend schlechter geht.» Ein typischer Fall für Trudy Morgenegg. Die Case Managerin ist beauftragt, sich Peter A. anzunehmen. Im Gespräch unter vier Augen ist der sonst so fröhliche Abteilungsleiter anfangs noch unsicher und verschlossen, öffnet sich Trudy Morgenegg gegenüber jedoch schnell und gerne. Bis er schliesslich gesteht, dass ihm privat ein Fehler unterlaufen sei, der ihn in grosse finanzielle Schwierigkeiten geführt habe. Mit dem Einverständnis von Peter A. setzen sich alle Beteiligten gemeinsam mit dem Geschäftsführer an einen Tisch und suchen nach einer Lösung. «Sie sind für uns ein wertvoller Mitarbeiter», ermutigt ihn sein Chef, und springt spontan für die Schulden von Peter A. ein. Grosse Erleichterung bei allen Beteiligten. Peter A. kann das Darlehen in Raten seinem Chef zurückzahlen und bald wieder mit mehr Ruhe und seiner gewohnten Fröhlichkeit seiner Arbeit nachgehen. Dies ist eines von vielen Beispielen mit Happy End aus dem Arbeitsalltag einer Case Managerin. «Wenn es einer Person im Arbeitsalltag schlecht geht, ist schnell von Burn-out die Rede», erklärt Trudy Morgenegg. «Doch meistens steckt ein klar identifizierbarer Grund dahinter, der die Betroffenen nach unten zieht, und nicht ein allgemeines Ausgebranntsein», sagt die Case Managerin und verweist auf des vorhin zitierte Beispiel.

In den meisten Fällen sind es Kadermitarbeiter, die betroffen sind. Das hat einen besonderen Grund: «Führungskräfte haben keine Freunde im Team, denen sie sich anvertrauen können», sagt Trudy Morgenegg. Diese müssten mit ihren Problemen alleine zurechtkommen. Es wundert sie deshalb nicht, wenn eine zur Abteilungsleiterin vorgeschlagene Pflegefachfrau mit HF-Abschluss ihre Beförderung dankend ablehnt: «Ich verzichte auf den Job, ich möchte in schweren Zeiten nicht das Team gegen mich haben.»

Fünf Bereiche beleuchten

Es gibt fünf wesentliche Felder im Leben der meisten Menschen, die grossen Einfluss auf das Wohlbefinden haben: Gesundheit, Finanzen, Soziales, Arbeit und Infrastruktur (Wohnsituation). Darauf fokussiert Trudy Morgenegg. «Ich bin aber keine Therapeutin», schränkt die Case Managerin ein. Vielmehr bewege sie sich in einem breiten Netzwerk an Fachleuten, die sie je nach Thema empfehlen könne. «Es ist wie ein Bahnhof, in dem viele Züge halten. Ich fahre ein Stück mit und steige wieder aus, während mein Schützling mit dem richtigen Zug weiterfährt», erklärt Trudy Morgenegg. Sie steigt in ihr Auto ein und fährt zum nächsten Unternehmen. Ein weiterer Personalverantwortlicher wartet auf sie.

www.careplus-morgenegg.ch

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