REGION: Mit beträchtlichen Unterschieden

In Degersheim muss eine ledige Person ohne Kinder mit 80'000 Franken Einkommen einen halben Monat länger für den Fiskus arbeiten als in Zuzwil. Diesbezüglich lukrativ ist der Hinterthurgau. Dies zeigt eine Auswertung der eidgenössischen Steuerverwaltung.

Simon Dudle
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Zuzwil hat weiterhin die tiefste Steuerbelastung in der Region Wil. (Bild: Hans Suter)

Zuzwil hat weiterhin die tiefste Steuerbelastung in der Region Wil. (Bild: Hans Suter)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Wer Steuern sparen will, zieht nach Zuzwil. Am höchsten ist die Steuerbelastung in Degersheim. Diese Erkenntnisse sind für die Region Wil zwar nicht neu, wurden aber von der nationalen Steuerbehörde vor einigen Tagen eindrücklich bestätigt.

Dies lässt sich am so genannten Tax Freedom Day (siehe Zweittext) ablesen. Bis zu jenem Datum im Jahr arbeitet man ausschliesslich für den Kanton, die Gemeinde und allenfalls die Kirche. Erst danach füllt sich das eigene Portemonnaie oder Bankkonto. In der Region Wil sind die Unterschiede beträchtlich. Als Basis für das Rechenbeispiel dient eine ledige Person ohne Kinder, die pro Jahr ein Bruttoeinkommen von 80'000 Franken aufweist. Lebt sie in Zuzwil, wird schon ab dem 16. Februar Geld in die eigene Tasche verdient, in Degersheim erst ab dem 1. März.

Dieser Unterschied liegt zu einem guten Teil am Steuerfuss der Gemeinde. Dieser lag im Jahr 2016, welches in dieser Auswertung berücksichtigt wurde, in Zuz­wil bei 95 Prozent, in Degersheim hingegen bei 162. In keiner anderen Gemeinde im Kanton St. Gallen muss man so lange für den Fiskus arbeiten wie in Degersheim. Pikant: Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist der Anteil zu leistender Arbeitstage für die Steuern in Degersheim von 55 auf 60 gestiegen.

Zug ganz vorne, Neuenburg ganz hinten

«Ein tiefer Steuerfuss alleine macht eine Gemeinde nicht attraktiv. In Degersheim haben wir alles, was es braucht: Gute Einkaufsmöglichkeiten, Banken, die Post und ein umfassendes Schulangebot. Das Gewerbe und die Industrie schaffen interessante Arbeitsplätze vor der Haustüre», sagt Petra Hollenstein, stellvertretende Gemeinderatsschreiberin von Degersheim.

In der nationalen Betrachtung ist der Degersheimer Wert noch nicht das Ende der Fahnenstange. In den beiden Neuenburger Gemeinden Les Planchettes und Les Vernières zieht gar der 7. März ins Land, bis der Eigenverdienst beginnt. Auffällig: Gar alle Neuenburger müssen in diesem Rechenbeispiel mehr als zwei Monate für Bund, Kanton, Gemeinde und Kirche arbeiten.

Die 46 Tage, welche in Zuzwil für die Steuern aufgewendet werden müssen, werden im Kanton St. Gallen von mehreren Gemeinden unterboten. An der Spitze liegen Mörschwil und Balgach, wo ab dem 43. Tag Geld in den eigenen Sack verdient wird. Das nationale Ranking führen wenig überraschend Gemeinden des Kantons Zug an. In Baar, Walchwil und Zug ist der Tax Freedom Day am 21. Januar. Oder anders formuliert: Die Degersheimer arbeiten mehr als doppelt so lang für die Steuern wie die Zuger.

Die Schere geht auseinander, je mehr man verdient. Legt man dem gleichen Rechenbeispiel ein Jahres-Bruttoeinkommen von einer Million Franken zugrunde, so ist in Degersheim das ganze erste Drittel des Jahres für die Steuern zu arbeiten. Das sind fast drei Wochen mehr als in Zuzwil.

Hinterthurgauer Gemeinden sind Zuzwil auf den Fersen

Zieht man nur dieses Rechenbeispiel als Grundlage für die Suche einer neuen Bleibe heran, sind die Hinterthurgauer Gemeinden äusserst interessant. Nach Spitzenreiter Zuwzil folgen in der Auflistung fast alle Gemeinden des südlichen Thurgaus. Nur einen Tag später als in Zuzwil ist der Tax Freedom Day in Rickenbach, nämlich am 17. Februar. In Bettwiesen, Bichelsee-Balterswil, Sirnach und Wilen ist er am 18. Februar.

Weiter fällt auf, dass ein Wiler in diesem Rechenbeispiel drei Tage weniger lang für den Staat arbeiten muss als ein Stadtsankt-galler, aber einen Tag länger als ein Gossauer.