REGION: Eschenwelke ist nicht zu bändigen

In der Schweiz erstmals im Raum Basel festgestellt, hat sich die Pilzkrankheit seither über das ganze Land ausgebreitet. Im Toggenburg schätzt Regionalförster Christof Gantner den Befall auf gegen 90 Prozent.

Urs M. Hemm
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Vom Pilzbefall gezeichnet. Wie lange diese Esche noch überlebt, ist ungewiss – vermutlich muss sie gefällt werden. (Bilder: Urs M. Hemm)

Vom Pilzbefall gezeichnet. Wie lange diese Esche noch überlebt, ist ungewiss – vermutlich muss sie gefällt werden. (Bilder: Urs M. Hemm)

Urs M. Hemm

urs.hemm

@toggenburgmedien.ch

Die Eschenwelke hat die Schweiz fest im Griff. Dieser aggressive Pilz, der mutmasslich aus Ostasien über Osteuropa in die Schweiz eingeschleppt wurde, hat sich seit seiner Entdeckung im Raum Basel vor rund neun Jahren bereits über die Alpen bis ins Tessin ausbreiten können. Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5, schätzt, dass in der Region Toggenburg rund 90 Prozent des Eschenbestandes von dieser Krankheit befallen sind. Dieser Befund stellt nicht nur Waldbesitzer vor eine Herausforderung. Auch die Holz ­verarbeitende Industrie muss sich auf diese neue Situation einstellen und teils Alternativen zum Eschenholz für ihre Produktion in Betracht ziehen.

Problematik seit längerem bekannt

In der Region Toggenburg am stärksten betroffen von der Eschenwelke scheint die Firma Alder + Eisenhut AG in Ebnat-Kappel zu sein. «Die Eigenschaften des Eschenholzes sind für unsere Bedürfnisse ideal», sagt Produktionsleiter Kurt Schneider. Das zähe, biegsame Holz eigne sich beispielsweise sehr gut für die Herstellung von Barrenholmen oder von Sprossenwänden. Die Problematik in Bezug auf den kleiner werdenden Eschenbestand sei der Firma seit längerem bekannt. Unmittelbare Engpässe für die Produ­ktion fürchtet Schmid dennoch nicht. «Unsere Lager­bestände an Esche reichen noch für gut zwei Jahre aus. Wir beobachten die Situation aber ganz genau», sagt er. Dies aber nicht nur in der Region. Denn Alder + Eisenhut bezieht ihr Eschenholz aus dem Kanton Thurgau und dem nahen Ausland, da die benötigte Menge an Holz – im Gegensatz zu Tanne und Fichte – im Toggenburg nicht bereitgestellt werden kann. Trotz dieser Ausgangslage wäre es aber fahrlässig, sich nicht nach anderen geeigneten Holzarten als Ersatz für Eschenholz umzusehen. «Diese Aufgabe ist jedoch nicht so einfach zu lösen», sagt Kurt Schneider, da sich andere Hölzer entweder als zu weich (Tanne/Fichte) oder als zu hart (Buche) für ihre Bedürfnisse erweisen würden.

Kein Lösungsansatz in Sicht

Auch für den Bau von Inneneinrichtungen, beispielsweise Treppen, eignet sich das Holz der Esche. Adrian Scherrer, Geschäftsleitung Treppenbau.ch AG, ist sich der Problematik rund um die Esche ebenfalls bewusst, macht sich aber keine Sorgen. «Unsere Lagerbestände sind zurzeit noch gut gefüllt», sagt er. Dies habe jedoch nicht damit zu tun, dass die Firma Esche auf Vorrat gekauft habe. Der Grund dafür sei, dass Treppen aus Esche nicht im Trend liegen.

«Eschenholz brauchen wir lediglich für die Herstellung vom Kopfbürstenkörpern, was mengenmässig etwa einem Zehntel von dem entspricht, was wir an Buchenholz verarbeiten», sagt Rolf Thoma, Leiter Materialwirtschaft der ­Ebnat AG. Insofern mache er sich wegen der Eschenwelke keine Sorgen. Denn die Wahl für Esche sei weniger ­wegen der Eigenschaften des Holzes gefallen, als vielmehr ­wegen der schönen Struktur und der Maserung.

Die wenigen gesunden Bäume machen Hoffnung

Nicht so sorgenfrei ist Re­gionalförster Christof Gantner. «Mittlerweile trifft es nicht nur mehr die jüngeren Bäume, auch alte Eschen sind vom Pilz be­fal­len», sagt er. «Regionale Unterschiede gibt es kaum. Der Befall ist überall ähnlich stark ausgeprägt.» Im Gegensatz jedoch zu den jungen, die sicher absterben würden, würden die ­alten Hölzer durch die Eschenwelke lediglich geschwächt. «Das macht sie aber umso anfälliger für andere Krankheiten, die sie nicht überleben.» Hoffnung macht ihm, dass ein Teil des Bestandes – etwa fünf bis zehn Prozent – gegen die Welke resistent zu sein scheint. «Diese Eschen werden nun von der Eidgenös­sischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersucht, um heraus­zufinden, was diese Bäume im Vergleich zu den kranken unterscheidet», sagt Gantner. Ohne diese Erkenntnis ­würde die Verjüngung des Eschenbestandes keinen Sinn machen. Andere Lösungsansätze, wie etwa der Einsatz von Fungiziden, kommen nicht in Frage, da diese Gifte auch andere, für das Ökosystem wichtige Pilze abtöten würden. «Weil die Eschenwelke flächig vorhanden ist und sich über die Luft verbreitet, müssten solche Mittel gross­flächig eingesetzt werden. Die Folgen für die Umwelt wären kaum abschätzbar.» Daher sei der Einsatz von Pestiziden im Allgemeinen im Wald verboten.

Der Kanton empfehle, den Aufwand für die Pflege der Eschen so niedrig wie möglich zu halten, die Situation aber gut im Auge zu behalten. «Dies insbesondere bei kranken Bäumen an Waldwegen oder Strassen. Diese müssen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.» Den Waldeigentümern wird empfohlen, nur schöne Stämme für die industrielle Weiterverarbeitung zu ­nutzen.