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REGION: Ein bitteres Zückerchen

Der Bundesrat gibt dem Flughafen Zürich grünes Licht für die Verlängerung der Piste 28. Diese Nachricht kommt im Grossraum Wil nicht gut an. Die Befürchtung: mehr Flugzeuge über der Region.
Sebastian Keller
Ein Flugzeug fliegt abends von Osten her den Flughafen Zürich an. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Ein Flugzeug fliegt abends von Osten her den Flughafen Zürich an. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Begeisterung tönt anders. Zwar zeigt man sich im Thurgau erfreut , dass künftig auch Südstarts geradeaus am Flughafen Zürich möglich sein sollen. Und somit auch die Zürcher Goldküste etwas vom Fluglärm abbekäme. Das hat der Bundesrat diese Woche entschieden. Doch der gleiche Entscheid, der die Sicherheit verbessern soll, beinhaltet aus Sicht der östlichen Nachbarn auch Ungemach: die Möglichkeit für Verlängerungen der Pisten 28 und 32. Gemäss Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) könnte die Piste 28 von 2500 auf 2900 Meter verlängert werden. Damit würde allen Flugzeugtypen, auch den Langstreckenflugzeugen bei Nässe, die Anflugerlaubnis erteilt. Die Hinterthurgauer Ständerätin Brigitte Häberli (CVP, Bichelsee) sagt: «Die Folge der Pistenverlängerung 28 wären wohl zusätzliche An- und Abflüge über den Osten.» Sie befürchtet damit zusätzliche Lärmbelastung für den Hinterthurgau, aber auch für die ­Region Wil und zunehmend für Frauenfeld.

Mit mehr «Bewegungen» bei einer allfälligen Pistenverlängerung rechnet auch die Thurgauer Regierungspräsidentin Carmen Haag. Aus Sicht des Flughafens könne sie dieses Begehren zwar nachvollziehen. Eine Begründung dafür aber nicht: die Nachfrageprognose. «Es wird von einer zu hohen Prognose ausgegangen», sagt Haag. Dabei zeige die Vergangenheit, dass die hohen Prognosen nie eingetreten sind. Auch die Behördenorganisation Region Ost, bei der 77 Gemeinden der Kantone Thurgau, St. Gallen und Zürich organisiert sind, ist alarmiert. «Die Region Ost befürchtet, dass im Falle einer verlängerten Piste 28 häufiger als heute das Ostkonzept mit Anflügen von Osten eingesetzt wird», heisst es in einer Medienmitteilung. Deshalb wehre sich die Organisation weiter dagegen. Ständerätin Brigitte Häberli zeigt sich insgesamt enttäuscht. «Wir haben jahrelang gekämpft: Vorstösse eingereicht, mit der zuständigen Bundesrätin gesprochen, mit Ämtern und Fachleuten.» Ans Aufgeben denkt sie aber nicht. «Ich prüfe, was ich noch zusätzlich machen könnte.» Auch Carmen Haag sagt: «Wo es uns möglich ist, ergreifen wir Rechtsmittel.»

Bis die Pisten am Flughafen Zürich verlängert werden, starten und landen noch viele Flieger. Der Bund geht von einem Zeit­horizont von rund zehn Jahren aus. Vermutlich wird das Zürcher Stimmvolk noch mitreden. Die Möglichkeit von Südstarts geradeaus wertet Carmen Haag als wichtiges Zeichen. «Damit wird gezeigt, dass auch der Süden nicht verschont bleibt.» Zudem sei es aus Sicherheitsüberlegungen gut begründbar. Ständerätin Häberli bezeichnet diese Massnahme hingegen als ein Zückerchen, «das bitter schmeckt». Denn: Südabflüge geradeaus wären ausschliesslich bei Bise und Nebel erlaubt. Bis 2030 rechnet das Bazl gemäss NZZ mit 13000 Südstarts pro Jahr. So viele Abflüge verzeichnet der Flughafen heute insgesamt pro Monat.

Teilgenehmigung verschlechtert Situation

Noch in einem anderen Bereich droht der Region Wil-Hinterthurgau Ungemach. Der Flughafen Zürich hat beim Bund eine Teilgenehmigung des Betriebsreglements 2014 beantragt. Damit soll zumindest ein Teil der An- und Abflüge entflechtet werden können. Das Ziel: mehr Sicherheit am Boden und in der Luft. Eine Voll­genehmigung ist derzeit nicht möglich, weil der Staatsvertrag mit Deutschland blockiert ist. Eine Teilgenehmigung wäre aber auch ohne das deutsche Okay umsetzbar. Die Thurgauer Regierung kritisiert, dass im Zuge dessen im Ostkonzept ausgerechnet jene Abflugrouten gestrichen wurden, die den Hinterthurgau entlastet hätten.

Ein Schreiben mit den Worten «sehr enttäuscht», «befremdet» und «Affront» hat der Thurgauer Regierungsrat vor den Sommer­ferien nach Bern geschickt.

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