REGION: Die Abstimmungen vom Sonntag: Von der Schule bis zum Alterszentrum

Dieses Wochenende wird auf nationaler Ebene über die «No Billag»-Initiative entschieden. Kommunal gibt es in der Region Wil gleich mehrere Abstimmungen und Wahlen. Umstritten ist eine Umzonung für ein Bauvorhaben im Gebiet Neufeld in Züberwangen.

Simon Dudle/Angelina Donati/ andrea Häusler
Drucken
Teilen
Das Seniorenzentrum Sonnmatt in Niederuzwil soll erweitert werden. Uzwil und Oberuzwil stimmen dieses Wochenende darüber ab. In Oberbüren wird am 26. März abgestimmt. (Bild: Urs Bänziger)

Das Seniorenzentrum Sonnmatt in Niederuzwil soll erweitert werden. Uzwil und Oberuzwil stimmen dieses Wochenende darüber ab. In Oberbüren wird am 26. März abgestimmt. (Bild: Urs Bänziger)

Am bevorstehenden Wahl- und Abstimmungswochenende werden die Ergebnisse besonders aussagekräftig sein. Wegen der emotional geführten Debatte um die «No Billag»-Initiative dürfte eine hohe Stimmbeteiligung garantiert sein. Gut möglich, dass darum auch bei den kommunalen Vorlagen überdurchschnittlich viele Stimmzettel eingehen.

Umzonung Gebiet Neufeld in Züberwangen

Zum zweiten Mal binnen vier Jahren wird ein Bauvorhaben im Zuzwiler Ortsteil Züberwangen mittels Petition bekämpft. 2014 war ein kantonaler Werkhof geplant. Dieser kam bei den Stimmbürgern aber gar nicht gut an. 85 Prozent sagten Nein und bodigten das Projekt.

Dieses Mal geht es um die Überbauung Neufeld mitten im Dorf. Das gut 10000 Quadratmeter grosse Stück Land, unweit der Kirche gelegen, soll mit sieben Mehrfamilienhäusern und einem Gewerbekomplex bebaut werden. Damit dies möglich ist, braucht es aber eine Umzonung. Über diese wird am Sonntag abgestimmt. Der Urnengang wurde erzwungen, indem eine Gruppe von Anwohnern dieses Gebiets Unterschriften gesammelt hat. 238 waren nötig, 361 kamen zusammen. Die Gegner führen unter anderem ins Feld, die geplante Siedlung passe nicht ins Ortsbild. Die Ortsparteien hingegen sind mehrheitlich für die vorgeschlagene Umzonung.

Umstrittene Ersatzwahl in die Schulbehörde Münchwilen

Von wegen Kandidaten-Mangel: Die Münchwilerinnen und Münchwiler haben die Qual der Wahl. In der Behörde der örtlichen Volksschulgemeinde ist nach dem Rücktritt von Vizepräsidentin Pia D’Angelo ein Sitz freigeworden. Um diesen buhlen vier Personen, die in den Tagen vor der Abstimmung je mit Flugblättern auf Stimmenfang gegangen sind. Die auffälligste Kandidatur ist jene von Mike Thoma. Der 50-jährige Betriebsökonom HWV ist der Ehepartner der zurückgetretenen Pia D’Angelo.

Die anderen drei Kandidierenden sind deutlich jünger: alle sind um Mitte 30. Es sind dies die 35-jährige Hausfrau Verena Blatter, der 37-jährige Verkaufsleiter Markus Gehret und die 35-jährige Psychotherapeutin Florinda Sabatino-Zagaria. Ein zweiter Wahlgang würde bei dieser Ausgangslage nicht erstaunen. Alle vier Kandidaten kommen aus dem Dorf Münchwilen. Das dürfte mit grösster Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass der Ortsteil St. Margarethen weiterhin nicht in der Münchwiler Behörde vertreten sein wird. Schulpräsident Lukas Weinhappl hat zwar einst in St. Margarethen gewohnt, ist heute aber in Münchwilen ansässig. Aus seiner Sicht ist diese Ausgangslage «zweischneidig». Einerseits hätten die Stimmbürger eine echte Auswahl. Anderseits werde es drei Verlierer geben, die wohl bei einer nächsten Ersatzwahl nicht wieder kandidierten.

Umstrittene Ersatzwahl in den Gemeinderat Wilen

Ebenfalls eine Auswahl haben die Stimmbürger von Wilen – wenn auch eine «nur» halb so grosse wie jene im Hinterthurgauer Bezirkshauptort. Gesucht wird ein Nachfolger für Hansjörg Debrunner, der Ende Mai aus dem Gemeinderat zurücktritt. Für den Rest der bis Sommer des nächsten Jahres laufenden Legislatur stellen sich zwei Kandidaten zur Wahl: Roger Staub und Iwan Andermatt. Der 36-jährige Staub arbeitet als Bauführer im Strassen- und Tiefbau, der 46-jährige Andermatt ist selbstständig im Bereich Massage und Körpertherapien.

Friedensrichter-Ersatzwahl im Bezirk Münchwilen

Nicht umstritten scheint die Wahl eines neuen Hinterthurgauer Friedensrichters zu sein. Einziger offizieller Kandidat ist der Eschliker Agraringenieur Beat Steiner. Zu ersetzen ist Verena-Baffj, die im Herbst in Pension geht. Weder als Kläger noch als Beklagter erhielt Steiner je eine Vorladung der ersten Instanz unseres Rechtsweges. Mit Nachbarschaftsstreitigkeiten – ein häufiges «Geschäft» eines Friedensrichters – kennt sich der Eschliker dennoch bestens aus. Beat Steiner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Agroscope in Tänikon. Und eines seiner Projekte dort heisst «Emissionen und Immissionen aus Tierhaltungsanlagen». Ein Thema mit reichlich Konfliktpotenzial – und eines, das gemäss Steiner viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Beat Steiner, der in Tuttwil (Gemeinde Wängi) aufwuchs, ist kein Jurist. Falls ihn die Stimmbürger übermorgen Sonntag wählen, will er die entsprechende Weiterbildung so rasch wie möglich angehen. Seit 13 Jahren leben die Steiners in Eschlikon, wo Beat Steiner Präsident der Jugendkommission ist. Zudem engagiert er sich unter anderem im Bezirksvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Erneuerung der Kläranlage für Gossau, Flawil und Degersheim

In Flawil kommt es zu einer Abstimmung über die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Oberglatt. Diese muss saniert und nachgerüstet werden. Sie stösst nicht nur an ihre Kapazitätsgrenzen, sondern es braucht auch eine weitere biologische Reinigungsstufe. Betrieben wird die Anlage gemeinsam von der Stadt Gossau und den Gemeinden Flawil und Degersheim. Das Gesamtkonzept kostet 20 Millionen Franken. Nach Abzug der Bundessubventionen fallen Nettoinvestitionen von 10,6 Millionen Franken zu Lasten der drei Gemeinden an. Das Gossauer Stadtparlament gab im November einstimmig seinen Segen zum Kredit. In Flawil wurden bis gestern Abend 2438 Stimmkuverts abgegeben, wie von Ratsschreiber Marc Gattiker zu erfahren ist. Die Stimmbeteiligung liege damit bei rund 40 Prozent und sei wohl aufgrund der nationalen Abstimmung zur «No Billag» derart hoch. Gattiker rechnet mit einer definitiven Stimmbeteiligung von über 50 Prozent. In Degersheim wird über den ARA-Kredit an der Bürgerversammlung vom 26. März entschieden.

Erweiterung des Uzwiler Seniorenzentrums Sonnmatt

Die Bedarfsplanung zeigt, dass sich die Zahl der mindestens 80-Jährigen im Lebensraum Oberuzwil, Uzwil und Oberbüren bis zum Jahr 2030 verdoppeln wird. Immer mehr stationäre Pflegeplätze sind nötig. Die drei Trägergemeinden des Zweckverbands Sonnmatt gehen von einem Zusatzbedarf von 100 Betten aus. Dieser soll mit einer Erweiterung des Seniorenzentrums Sonnmatt in Niederuzwil gedeckt werden. Geplant ist ein Neubau, für dessen Realisierung den beteiligten Gemeinden ein Kredit von 35 Millionen Franken beantragt wird. Weitere 2,9 Millionen sollen für Anpassungs- und Umgebungsarbeiten und 8,64 Millionen Franken für den Kauf des Grundstücks aus dem Besitz der Gemeinde Uzwil gesprochen werden. Über die Kredite entscheiden die Bürgerschaften Uzwils und Oberuzwils dieses Wochenende an der Urne. In Oberbüren erfolgt die Beschlussfassung am 26. März an der Bürgerversammlung. Bewilligen Uzwil und Oberuzwil die «Sonnmatt»-Erweiterung, ist der Entscheid der Oberbürer obsolet. Lehnt Uzwil die Vorlage ab, ist sie gescheitert. Denn für ein Ja ist die Zustimmung zweier Gemeinden nötig, welche die Mehrheit der Einwohner des Verbandsgebiets vertreten.

Aktuelle Nachrichten