REGION: Der KUH-Bag ist «kuhl»

Die Sammlung von gemischten Kunststoffen aus Haushalten im Sammelsack KUH-Bag ist ein Erfolg. Deshalb wird das Angebot definitiv eingeführt. Die jährliche Sammelmenge beläuft sich bereits auf 500 Tonnen.

Hans Suter
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Im zweiten Betriebsjahr wurden bereits 502 Tonnen an Kunststoffen aus Haushalten gesammelt. (Bild: PD)

Im zweiten Betriebsjahr wurden bereits 502 Tonnen an Kunststoffen aus Haushalten gesammelt. (Bild: PD)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Nach der zweijährigen Pilotphase haben die beiden Abfallzweckverbände ZAB und KVA Thurgau beschlossen, die Dienstleistung einer gemischten Kunststoffsammlung mit dem KUH-Bag auch in Zukunft anzubieten. Dies teilten die zwei Verbände gestern mit. Sie begründen den Entscheid mit positiven Erfahrungen und einer steigenden Nachfrage in der Bevölkerung. Allerdings werde das System weiter optimiert, um das Entwicklungspotenzial der stofflichen Verwertung noch besser zu erschliessen und die Recyclingquote zu erhöhen. Weitere Optimierungsmöglichkeiten bestehen gemäss einer Medienmitteilung insbesondere in der Sammel- und Rücknahmelogistik sowie in der Sortierung gemischter Kunststoffabfälle.
 

Sammelmenge in zwei Jahren verdoppelt

Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) und der Verband KVA Thurgau lancierten das Angebot im Herbst 2015 gemeinsam. Es war eine Premiere in der Schweiz, als die zwei Abfallzweckverbände flächendeckend in über 100 Gemeinden eine gemischte Kunststoffsammlung aus Haushalten einführten. Mit dem Gebührensack «KUH-Bag» schufen sie ein einheitliches, einfaches System, das die bestehenden selektiven Sammlungen für PET- und Plastikflaschen des Detailhandels ergänzt. «Dadurch kann eine noch grössere Menge Kunststoff in den Recyclingkreislauf zurückgeführt werden», sagt Urs Corradini, Leiter des Geschäftsbereichs Sortierwerk Bazenheid und Easydrives. Das Projekt wurde vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau und der Empa begleitet.
 

Konstanter Anstieg der Mengen

Nach Angaben der beiden Zweckverbände sind die gesammelten Mengen an Kunststoffabfällen seit der Einführung des KUH-Bag konstant angestiegen: nach 250 Tonnen im Pilotjahr hat sich die Menge im zweiten Jahr auf 502 Tonnen verdoppelt. Auf das Verbandsgebiet der KVA Thurgau entfallen 58 Prozent, auf jenes des ZAB 42 Prozent. «Dies entspricht in etwa dem Verhältnis der Einwohnerzahlen der beiden Verbände», sagt Urs Corradini. Schätzungen zeigten, dass während der Pilotphase rund 10 Prozent der Haushaltungen oder umgerechnet rund 40000 Einwohnerinnen und Einwohner in den beiden Entsorgungsgebieten das Sammelsystem nutzten. «Die Sammlung gemischter Kunststoffe entspricht somit durchaus einem Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger», sagt Urs Corradini.
 

PET-Sammlung wird nicht konkurrenziert

«Nach zwei Jahren Pilotprojekt können durchwegs positive Schlussfolgerungen mit dem KUH-Bag gezogen werden», betont Urs Corradini. Diese basieren laut den Verantwortlichen vor allem auf den Erkenntnissen und Beobachtungen der Empa, die das Projekt mit einem transparenten Monitoring im Auftrag des Amts für Umwelt TG begleitet habe. Die Zusammensetzung des Sammelmaterials im KUH-Bag wird als gut bezeichnet; insgesamt seien rund 95 Prozent des Sammelmaterials Zielartikel. Die Anteile an Materialien, die in andere Separatsammelsysteme gehören, seien klein. Dazu gehört insbesondere PET. «Die PET-Sammlung an den Verkaufsstellen ist eine gute Sache, die wir auf keinen Fall konkurrenzieren möchten», betont Urs Corradini und lobt die Bevölkerung, die die Mischsammlung im KUH-Bag gut von selektiven Sammelangeboten unterscheiden könne und den KUH-Bag ergänzend nutze.

Zur Gesamtmenge der Zielartikel tragen Flaschen und Hohlkörper 16 Prozent, Schalen, Becher, weitere formfeste Kunststoffe 35 Prozent, grosse Folien 24 Prozent, Getränkekartons 8 Prozent und andere kleine Kunststoffpackungen 12 Prozent bei.

50 Prozent werden rezykliert

Über die ganze Pilotphase wurde je nach Sortierverfahren eine Recyclingquote (Anteil der gesammelten Menge, die stofflich verwertet wird) von rund 50 Prozent erreicht. Etwa die Hälfte des Kunststoffs konnte somit in der Schweiz oder europäischen Ländern dem Recycling zugeführt und stofflich wiederverwertet werden. Die nicht rezyklierbaren Kunststoffe – zum Beispiel Verbundkunststoff wie Fleischverpackungen – wurden energetisch verwertet.

Das Bundesamt für Umwelt hat das Ziel gesetzt, dass Kunststoffsammlungen eine Recyclingquote von 70 Prozent erreichen sollen. Während der Zeitdauer des Pilotprojekts wurde die Recyclingquote stetig verbessert. «Das Ziel setzt sehr hohe Anforderungen an die technische Verarbeitung, die heute noch nicht umgesetzt, längerfristig jedoch erreicht werden kann», sagt Urs Corradini, Geschäftsleitungsmitglied des ZAB.

Das KUH-Bag System sei im Vergleich zu einer gemischten Entsorgung im Kehricht dennoch die ökologischere Entsorgungsvariante. Bezogen auf die von der Entsorgung von Siedlungsabfällen verursachten CO2-Emissionen habe die separate Verwertung von Kunststoffen durchaus Bedeutung. Der stofflich nicht verwertbare Anteil werde zudem energetisch genutzt und ersetze in der Zementindustrie Braunkohle oder in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) fossile Energien wie Gas oder Öl, indem Fernwärmenetze betrieben würden. Der ZAB in Bazenheid hat sich im Lauf der Jahrzehnte von der Kehrichtverbrennungsanlage zu einem vielfältigen Energiepark gewandelt. (hs)