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REGION: Den Stoff gab’s in der Bahnunterführung

Ein Heroinkonsument hat am Bahnhof Wattwil mehrmals für einen Kollegen Rauschgift gekauft. Das Kreisgericht Toggenburg hat ihn deshalb und wegen anderer Delikte zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Es ging unter anderem um Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetMG), Diebstahl, Hausfriedensbruch und mehrfacher Übertretung des BetMG. Dazu kamen Strassenverkehrsdelikte. Am Mittwoch befasste sich das Kreisgericht Toggenburg mit einem 46-jährigen Schweizer aus der Region Wil.

Dieser konsumiert – unterbrochen von Zeiten ohne Rauschgift – seit gut 20 Jahren Heroin und ist in einem Methadonprogramm. Er arbeitet in der Logistikbranche. Den Heroinkonsum finanziere er vom Lohn, sagt er. Das allerdings nicht vollständig. Vom 20. April bis zum 26. Mai 2017 fuhr der Angeklagte mit einem Frauenfelder dreimal nach Wattwil. In der Bahnhofunterführung kaufte er 150 Gramm Heroingemisch für den Kollegen. Das entspricht laut Staatsanwalt etwas mehr als 30 Gramm reinen Heroins. Auch für sich kaufte der Angeklagte ein, rund 100 Gramm Heroingemisch. Er behielt einen Teil des Geldes, das ihm der Kollege übergeben hatte, für sich, oder er bekam vom Dealer Heroin als Provision.

Im vergangenen Mai verhaftet worden

Zudem konsumierte er im Frühling 2017 täglich drei bis vier Gramm Heroin. Das erfüllt laut Anklage die Tatbestände des Verbrechens gegen das BetMG und der mehrfachen Übertretung des BetMG. Am 26. Mai 2017 verhaftete die Polizei den Mann. Es folgten sechs Tage Untersuchungshaft. Seither habe er kein Heroin mehr konsumiert und freiwillig einen Entzug absolviert, versicherte der Angeklagte. Den Kauf und den Konsum von Heroin sowie das Töfffahren unter Drogeneinfluss gab er zu. Gegen den Diebstahlvorwurf wehrte er sich. Der Hintergrund: In einem Haus nahe bei der Wohnung des Angeklagten wurde bei einem Einbruch ein E-Bike entwendet. Es tauchte im seinem Keller auf. Dieser sagte, es habe ohne Akku bei einer Sammelstelle gestanden. Er habe es mitgenommen und es der Polizei melden wollen, das aber vergessen.

Der Staatsanwalt beantragte eine bedingte Gefängnisstrafe von 14 Monaten und eine bedingte Geldstrafe von 115 mal 30 Franken für den Angeklagten. Dazu soll eine Busse kommen. Die Probezeit bei den bedingten Strafen soll fünf Jahre dauern. Zudem solle eine bedingte Geldstrafe, die das Untersuchungsamt Gossau im Jahr 2013 verhängt hat, vollzogen werden.

Beim Drogenkauf habe nebst dem Freundschaftsdienst für den Kollegen auch die Provision eine Rolle gespielt. Davon ist der Staatsanwalt überzeugt. Für ihn war die Erklärung, wie das E-Bike in den Keller des Angeklagten gekommen sei, eine reine Schutzbehauptung. Trotzdem stellte er dem Angeklagten eine günstige Prognose, da dieser motiviert sei und sich freiwillig in Behandlung begeben habe. Die günstige Prognose ist Voraussetzung für die bedingte Strafe. Der Verteidiger beantragte für seinen Mandanten Freisprüche in Sachen Verbrechen gegen das BetMG, Diebstahl, Hausfriedensbruch und Fahren ohne Fahrberechtigung. Die übrigen Vorwürfe anerkennte er und hielt eine bedingte Geldstrafe von 50 mal 30 Franken und 100 Franken Busse für angemessen. Der Gesetzgeber wolle die grossen Händler hart bestrafen. Sein Mandant sei ein kleiner Fisch auf der untersten Stufe der Hierarchie.

Drogenmenge war für Verurteilung massgeblich

Das Gericht sprach den Angeklagten zwar in drei Punkten frei, verurteilte ihn aber wegen qualifizierter Verletzung und mehrfacher Übertretung des BetMG – hier ist der Heroinkonsum erfasst – sowie wegen mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand. Das Gericht verhängte eine bedingte Gefängnisstrafe von 14 Monaten, eine bedingte Geldstrafe von 20 mal 30 Franken und eine Busse von 500 Franken. Bei der Probezeit blieb es mit vier Jahren in der Mitte zwischen den Anträgen des Staatsanwalts und des Verteidigers. Der Richter ist wie der Staatsanwalt und der Verteidiger überzeugt, dass der Angeklagte kein Schwerkrimineller sei. Der Angeklagte habe aber keine so enge Beziehung zum Kollegen gehabt, dass er hätte ausschliessen zu können, dass das Heroin doch auf den Markt gelangt. Deshalb spiele die Menge an Drogen eine Rolle. Das Bundesgericht lege die Grenze für eine qualifizierte Widerhandlung bei zwölf Gramm Heroin fest. Dies habe der Angeklagte deutlich überschritten. Deshalb sei die qualifizierte Widerhandlung gegeben.

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

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